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EZB stößt an Grenzen

EZB stößt mit forward guidance an Grenzen. - Laut Draghi zeigt sich der Rat mit den Ergebnissen der bisherigen, qualitativen Form der "forward guidance" zufrieden.

 

Von Postbank Research

Die EZB hat auf ihrer heutigen Sitzung den Leitzins erwartungsgemäß unverändert bei 0,5% belassen. Wie EZB-Präsident Draghi auf der anschließenden Pressekonferenz sagte, wurde aber über eine weitere Absenkung der Zinsen diskutiert. Während die Meinungen über einen Zinsschritt im Rat wohl auseinandergingen, war man sich im Hinblick auf die Beibehaltung der "forward guidance" vollkommen einig. Damit bestätigte die EZB ihre Einschätzung, dass der Leitzins noch für längere Zeit auf dem aktuell niedrigen Niveau verharren wird. Draghi bekräftigte außerdem den bestehenden "downward bias", also die Neigung der EZB den Leitzins weiter zu senken.
 
Der EZB-Präsident gab darüber hinaus weitere Erklärungen zur "forward guidance". Danach zielt dieses für die EZB neue Kommunikationsinstrument auf eine Verringerung der Volatilität an den Märkten. Durch die Steuerung von Erwartungen sollen zudem unerwünschte Entwicklungen bei den Zinsen, die der Geldpolitik zuwiderlaufen, verhindert werden. Der EZB-Präsident bestätigte damit abermals, dass der drastische Zinsanstieg am Kapitalmarkt in den vergangenen Wochen der EZB ein Dorn im Auge sein dürfte. Laut Draghi hat sich die Reaktionsfunktion, also die Regeln, nach denen die Notenbank ihre Zinsentscheidungen trifft, durch die "forward guidance" nicht verändert. Die EZB ist von einer Offenlegung dieser Regeln, wie es bspw. die Fed oder die Bank of England mit der Veröffentlichung von Schwellenwerten für die Arbeitslosenquote getan haben, aber weit entfernt. Laut Draghi zeigt sich der Rat mi den Ergebnissen der bisherigen, qualitativen Form der "forward guidance" zufrieden.
 
Marktteilnehmer, die diesbezüglich auf weitere Informationen gewartet hatten, wurden enttäuscht. Auf Sicht der kommenden Monate stellt sich allerdings die Frage, ob die EZB ihre Reaktionsfunktion nicht doch offenlegen muss, wenn sie aus ihrer Sicht unerwünschte Marktbewegungen verhindern möchte. Denn bei einer weiteren Verbesserung der Wirtschaftsdaten, wird die bisher sehr vage "forward guidance" einen weiteren Anstieg der Zinsen insbesondere bei mittleren und länderen Laufzeiten kaum aufhalten können. Um Spekulationen über eine nahende Leitzinsanhebung einzudämmen, wird die EZB dann nicht umhin können, entweder dem Beispiel anderer Notenbanken zu folgen und ihre Reaktionsfunktion weiter offenzulegen oder die geldpolitischen Zügel weiter zu lockern.   
 
Die Reaktion der Märkte auf die Äußerungen Draghis bestätigt, dass die EZB mit ihrer qualitativen "forward guidance" nur begrenzt Einfluss auf die Zinsentwicklung nehmen kann. Nachdem sich die Zinssätze auf die Bekräftigung der "forward guidance" zunächst in die gewünschte Richtung, nämlich abwärts, bewegt haben, stiegen sie im weiteren Verlauf der Pressekonferenz wieder an und lagen dann teilweise sogar über den Ausgangswerten vor Bekanntgabe der EZB-Entscheidung.   
 

Zur aktuellen Diskussion um die Veröffentlichung von Sitzungsprotokollen zu Zinsentscheidungen sagte Draghi, dass das EZB-Direktorium noch in diesem Jahr einen Vorschlag vorlegen werde. Ziel müsste es dabei sein, die Transparenz der Entscheidungen weiter zu erhöhen, ohne die Unabhängigkeit der Notenbank zu gefährden. Sein Hinweis auf die unterschiedlichen Rahmenbedingungen im Vergleich zu den USA oder Japan kann dahingehend gedeutet werden, dass die EZB einer Veröffentlichung der Entscheidung oder Meinungen einzelner Rats-Mitglieder wohl eher skeptisch gegenüber stehen dürfte. 

 
Die EZB gab heute auch ihre neuen Projektionen für Inflation und Wachstum im Euroraum bekannt. Danach erwartet sie für 2013 nun einen BIP-Rückgang von -0,4%, das ist eine leichte Verbesserung ggü.den alten Projektionen (-0,6%). Für 2014 prognostiziert sie einen Zuwachs von 1,0% und damit etwas weniger als zuvor (1,1%). Die Inflationsprognose für dieses Jahr wurde leicht angehoben, auf 1,5% (1,4%), für 2014 bleibt sie unverändert (1,3%). 
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