FOCUS-Umfrage sieht FDP bei 4 Prozent – Partei startet Zweitstimmenkampagne. Große Koalition am beliebtesten unter den Deutschen. Auch AfD bei 4%.
In den letzten Tagen vor der Bundestagswahl startet die FDP noch eine massive Zweitstimmen-Kampagne. Wie das Nachrichtenmagazin FOCUS berichtet, werden in den kommenden Tagen vier Millionen Postwurfsendungen an „FDP-affine Haushalte“ verschickt. Die Liberalen wollen noch einmal eine Million Handwerker, Landwirte, Selbstständige, Ärzte oder Ingenieure persönlich mit Briefen anschreiben. Zwei Tage vor der Wahl sollen in den 60 größten Einkaufszentren Deutschlands auf Bildschirmen animierte Motive mit dem Spitzenkandidaten Rainer Brüderle zu sehen sein, die explizit mit dem Hinweis „Zweistimme FDP“ werben.
Der FDP droht ein Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde. Das Meinungsforschungsinstituts INSA prognostiziert nach einer Umfrage für FOCUS ein FDP-Wahlergebnis von vier Prozent – genauso wie für die eurokritische Alternative für Deutschland (AfD). Die CDU kommt der Umfrage zu Folge auf 38, die SPD auf 27 Prozent. Die Grünen sieht INSA bei elf, die Linke bei acht und die Piratenpartei bei drei Prozent. INSA befragte für FOCUS 2132 Personen.
Trotz der schlechten Werte für die FDP sieht CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe keinen Anlass, den Liberalen beizuspringen: „Die FDP braucht keine Nothilfe von uns“, sagte Gröhe FOCUS. Er sei sicher, dass die FDP es in den Bundestag schaffe. Wer nicht Union wähle, riskiere unklare Verhältnisse.
FOCUS-Umfrage: Große Koalition am beliebtesten unter den Deutschen
Die Deutschen würden nach der anstehenden Bundestagswahl am liebsten von einer Großen Koalition regiert werden. In einer Emnid-Umfrage für das Nachrichtenmagazin FOCUS favorisierten 26 Prozent ein Bündnis aus CDU/CSU und SPD. Mit 17 Prozent Zustimmung folgt auf Platz zwei eine rot-grüne Koalition. 13 Prozent der Wähler wünschen sich die Fortsetzung der amtierenden Regierung aus Union und FDP. Neun Prozent favorisieren ein Linksbündnis Rot-Rot-Grün. Sechs Prozent wollen Schwarz-Grün und drei Prozent eine Ampel-Koalition aus SPD, FDP und Grünen.
Das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid befragte für FOCUS am 11. und 12. September 1007 Personen. Sie antworteten auf die Frage: „Einmal angenommen, bei der nächsten Bundestagswahl kann keine Partei allein regieren. Welche der folgenden Koalitionen wäre Ihnen die liebste?“
Verhindert der Einzug kleiner Parteien Schwarz-Gelb?
Der Friedrichshafener Politologe Joachim Behnke hält in der kommenden Legislatur einen Bundestag mit mehr als 675 Abgeordneten für möglich, schreibt der SPIEGEL in einer neuen Ausgabe. Dass das Parlament so groß werden könnte wie nie zuvor, liegt an der jüngsten Änderung des Wahlrechts: Wegen des Zusammenspiels von Erst- und Zweitstimme fallen bei den größeren Parteien sogenannte Überhangmandate an; um den Parteienproporz wiederherzustellen, sieht das neue Wahlrecht dann zusätzliche "Ausgleichsmandate" vor.
Wenn keine neue Partei – etwa AfD oder Piraten – in den Bundestag einzieht, so hat Behnke zudem errechnet, liegt die Wahrscheinlichkeit für eine schwarz-gelbe Mehrheit bei etwa 60 Prozent. Falls mindestens eine weitere Partei ins Parlament käme, wäre eine Fortsetzung des jetzigen Regierungsbündnisses dagegen nahezu ausgeschlossen.



