Allianz "Global Wealth Report": Menschheit war noch nie reicher. Das Weltgeldvermögen beträgt 111 Billionen Euro. Die Kehrseite beleuchtet die Analyse jedoch nicht: Den 111 Bio. muss eine gleich hohe Summe an Schulden gegenüberstehen.
Von Michael Mross
Das weltweite Geldvermögen beträgt per Ende 2012 rund 111 Billionen Euro und liegt somit auf einem neuen Rekordniveau. Dies geht aus dem "Global Wealth Report" der Allianz hervor.
Was die Schlauberger von der Allianz jedoch offenbar nicht wissen, ist das 1x1 des Geldsystems: Wenn es ein globales Vermögen von 111 Bio. gibt, dann gibt es auch eine Verschuldung von 111 Bio. - denn bekanntlich ist ja Geld = Schuld. Geld ohne Schuld gibt es in unserem System nicht. Geld kommt erst durch Schuld auf die Welt.
Die Kehrseite dieser Medaille wird in dem Report natürlich nicht beleuchtet. Ebensowenig die Folgen des Zinseszinseffektes, welche auf der Schuldensumme lastet und diese schon in wenigen Jahren ins Unermessliche steigen lässt.
Aber eine ganz andere Frage stellt sich in diesem Zusammenhang natürlich auch: Wer sind denn eigentlich die Schuldner in diesem System? - Wer gehört zu den Schuldsklaven, welche durch die Aufnahme der Schulden erst das Geld schaffen und sich für die Zinsen entsprechend abrackern müssen?
Aber diese Frage einmal beiseite gelassen, kommt der Allianz-Report noch zu anderen interessanten Ergebnissen: Das Pro-Kopf-Vermögen ist nämlich selbst in der Eurozone beträchtlich gestiegen. Woran das wohl liegen mag? Richtig: Die Schulden in der Eurozone sind in den letzten fünf Jahren (nach Ausbruch der Finanzkrise) um rund 30% gestiegen! - Allerdings profitierten die Deutschen von dieser Tendenz nicht mehr.
Laut Allianz-Berechnungen betrug das private Netto-Geldvermögen in Deutschland im vergangenen Jahr 41954 Euro pro Kopf. Damit sind die deutschen bereits ärmer als in Frankreich oder Italien: In Frankreich lag der Wert bei 44306 Euro, in Italien sogar noch höher bei 45770 Euro.
Mehr pro Kopf gibt es nur noch in der Schweiz (141895 Euro), Japan (83610 Euro) und den USA (100.711 Euro).
Fazit: Eigentlich taugen solche Durchschnittsbetrachtungen nullkommanix. Denn in der Realität spitzt sich die Disparität des Kapitals systembedingt immer weiter zu. Das bedeutet: in dem Spiel "Geldsystem" werden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer. Die Knete, die im System ist, statistisch pro Kopf zu berechnen, führt also an der Realität vorbei.
Und wenn es schon um Realität geht, müsste man auch die Schuldenseite betrachten. Wer hat also die Schulden, welche das Geld der anderen sind? Doch diese Frage blendet der Allianz Global Wealth Report aus. Aus guten Grund.



