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NSU = Verfassungsschutz?

In Sachen NSU kommen immer brisantere Details ans Licht. Ein führender Neonazi, der das Konzept für die die NSU lieferte, wurde nun als V-Mann enttarnt. Die entsprechende Akte wurde vernichtet.

 

Die Gründungsphase und die Aktionen der NSU gaben bisher immer wieder Stoff für Spekulationen und Verschwörungstheorien. Doch nun zeichnet sich eine Sensation ab, welche eine dramatische Wende im Verfahren gegen die NSU bedeuten könnte. Ein führender Neonazi, der das Konzept für die NSU lieferte, ist nun als ehemaliger V-Mann enttarnt worden - das berichtet die Berliner Zeitung.

Der wegen versuchten Totschlags vorbestrafte Michael S. soll nach Informationen der Berliner Zeitung unter dem Decknamen „Tarif“ zwischen 1995 und 2001 mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) kooperiert und dafür mindestens 66.000 D-Mark kassiert haben.

In dieser Zeit soll S. auch ein Konzept für den terroristischen Kampf publiziert haben, das von Ermittlern als eine Art Blaupause für das Entstehen der Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) bewertet wird. Die V-Mann-Akte von S., der seinen Namen geändert hat und heute im Ausland lebt, wurde im BfV vernichtet.

Unter den Augen des Verfassungsschutzes publizierte S. zudem jahrelang die Nazi-Postille „Sonnenbanner“. In Artikeln wird auch das, vom NSU später umgesetzte, Konzept autonomer Kämpferzellen propagiert, die im Untergrund das demokratische System bekämpfen.

 

Auch THS vom Verfassungschutz kontrolliert?

Auch andere Aussagen bringen den Verfassungsschutz in die Bredouille: Bei einer Razzia im Haus des Neonaziführers Thorsten Heise entdeckte der Staatsschutz Tonbandaufzeichnungen. In einem mitgeschnittenen Gespräch plaudert der enttarnte V-Mann Tino Brandt offen über die Geheimdienste.

Wie sich herausstellte, hatte Heise heimlich Gespräche mit Gleichgesinnten aufgenommen, darunter auch die Treffen mit Tino Brandt - Kopf des Neonazi-Netzwerks "Thüringer Heimatschutz" (THS), später führender NPD-Mann, der unter dem Decknamen Otto von 1994 bis 2001 als V-Mann für den Thüringer Verfassungsschutz arbeitete.

Die Protokolle belegen die schlimmsten Befürchtungen, wie der Verfassungsschutz Brandt über Jahre hinweg hofiert und dadurch die rechte Szene unterstützt hat: So hat der Neonazi eigenen Angaben zufolge mit dem Geld vom Verfassungsschutz auch Strafbefehle anderer Neonazis bezahlt, so berichtet er es seinem Gesinnungsgenossen Heise und feiert sich selbstgerecht: "Gut, steuerbar war ich so oder so nie."

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