US-Investor-Legende George Soros fordert Schuldennachlass für Griechenland. “Jeder weiß, dass das Land seine Schulden niemals zurückzahlen kann”.
Der US-Großinvestor George Soros fordert einen umfassenden Schuldennachlass für Griechenland. “Jeder weiß, dass das Land seine Schulden niemals zurückzahlen kann”, sagte Soros im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Griechenland stehe nach zahlreichen Kraftanstrengungen kurz vor einem jährlichen Primärüberschuss in seinem Staatshaushalt (Anm.: ein Überschuss vor Zinszahlungen für Staatskredite. “Ich weiß aus Gesprächen, dass Privatanleger in das Land zurück kehren werden, wenn der öffentliche Sektor auf Rückzahlung von Schulden verzichtet, solange Athen die Bedingungen der Troika erfüllt", sagte Soros. "So könnte sich Griechenland rasch erholen.”
Soros erkannte zwar an: “Der öffentliche Sektor kann diese Schulden derzeit nicht abschreiben, weil das eine Vielzahl von Tabus verletzen würde, besonders für die Europäische Zentralbank.” Doch diese Tabus seien unter deutscher Führung überwindbar: “Deutschland sollte sich daran erinnern, dass es nach dem 2. Weltkrieg selbst dreimal von Schuldennachlässen und Stundungen profitiert hat, darunter auch von Griechenland. Nun aber zeigt es sich unnachgiebig.”
Soros betonte, französisches Beharren auf hohen deutschen Reparationszahlungen an Frankreich nach dem 1. Weltkrieg habe zum Aufstieg Adolf Hitlers beigetragen. “Rechtsextreme Gruppierungen wie Golden Dawn in Griechenland sind damit natürlich nicht vergleichbar, der Trend geht aber in eine ähnliche Richtung: Populismus und Extremismus.” Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel diese Politik nicht ändere, habe sie mit ihrem Sieg bei der Bundestagswahl einen Pyrrhus-Sieg errungen: “Dann droht die Zerstörung der Europäischen Union.”



