Commerzbank-Chef Blessing fliegt First Class. Begründung: Er wolle ausgeschlafen wichtige Sparbeschlüsse am nächsten Tag entscheiden.
Einige Passagiere des Lufthansa-Flugs LH 419 von Washington nach Frankfurt waren am vorvergangenen Sonntag ziemlich baff, als sie sahen, welcher hochgewachsene Manager beim Einsteigen geradezu selbstverständlich gen First Class abbog: Martin Blessing, Vorstandschef der Commerzbank, also jenes Instituts, das sich in Werbespots gern als geläutert preist und einen hohen moralischen Anspruch herauskehrt - berichtet DER SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe.
Die Bank existiert nur deshalb noch, weil die Regierung ein Viertel der Aktien übernahm. Deutschlands oberster Staatsbanker fliegt also fast für den Preis eines Kleinwagens in die USA und zurück? Moment, sagt die Commerzbank, Blessing nehme nur in Ausnahmefällen die First Class, in diesem Jahr sei das bei zehn Prozent seiner Flüge der Fall gewesen.
Der Commerzbanker sitzt demnach nur dann ganz vorn, wenn es sich um einen Interkontinentalflug inklusive Zeitverschiebung handelt und er direkt im Anschluss Termine hat. Das macht die Sache in diesem Fall nicht weniger pikant, eher im Gegenteil: Nach dem Rückflug aus Washington eilte Blessing vom Flughafen in eine dringende Aufsichtsratssitzung.
Gemeinsam mit Chefkontrolleur Klaus-Peter Müller wollte der ausgeschlafene Erste-Klasse-Passagier einen wichtigen Sparbeschluss durchpauken, den Rausschmiss der Vorstände Jochen Klösges und Ulrich Sieber. Die beiden müssen gehen, weil die Führungscrew verkleinert werden soll, von neun auf sieben Mitglieder. Man könnte auch sagen: Der Vorstand soll künftig wieder komplett in die First Class passen, denn die hat bei Lufthansa maximal acht Plätze.
Doch im Aufsichtsrat fand sich keine Mehrheit für den Rausschmiss, am Ende könnte der Streit mit Klösges und Sieber vor Gericht landen und richtig teuer werden. Wenn der Chef schon erste Klasse fliegt, wollen sie wenigstens nicht zweiter Klasse rausfliegen.



