Stillstand, Umverteilung, Planwirtschaft: Große Koalition = große Enttäuschung? Börsen: Great Rotation im vollem Gang. Neue Allzeit-Hochs beim DAX. Politische Unruhen nehmen zu. Revolution in Thailand und der Ukraine möglich. Pulverfass Frankreich. Säbelgerassel zwischen China und Japan nicht ungefährlich. Gold/Silber leicht erholt. Ölpreis schwach. Neue Chancen an den Ostbörsen.
von Andreas Männicke
Die nun durch den Koalitionsvertrag formal beschlossene große Koalition zwischen CDU/CSU und SPD wird mit noch nicht gedeckten 23 Mrd € an Zusatzkosten teuer werden, nicht nur für den Staats, also uns alle, sondern auch für die Unternehmen. Die Lohnkosten dürften nicht nur wegen des Mindestlohns ansteigen.
Ob nun tatsächlich wie vollmundig angekündigt die Gegenfinanzierung der 23 Mrd. € an Mehrkosten ohne Steuererhöhungen und vor allem ohne Neuverschuldung ab 2015 klappen wird, ist ein kühnes Versprechen, denn wenn sich die Konjunkturlage gravierend verändert, wird auch die neue Bundesregierung Steuererhöhungen oder Neuschulden machen müssen. Die Konjunkturprogosen der Wirtschaftsinstitute sind zwar für 2014/15 überaus positiv – so soll das BSP-Wachstum in Deutschland von 0,6 auf 1,8% im nächsten Jahr ansteigen -, ich hege da aber meine Zweifel, dass sie recht haben. Die Parteibasis der SPD muss noch dem Koalitionsvertrag im Dezember zustimmen, aber es ist davon auszugehen, dass sie dies zähneknirschend machen wird. Bis 17. Dezember beginnt das Geschacher um die Posten, wobei Angela Merkel wohl Bundeskanzler und Sigmar Gabriel Vize-Kanzler wird.
Gabriel rührt jetzt zwar die Werbetrommel für die große Koalition; dennoch glaube ich, dass die große Koalition nicht die volle Legislaturperiode durchhalten wird, da es in 2014/15 zu großen Zerwürfnissen und Herausforderungen kommen wird. Ich rechne damit, dass die Euro(pa)-Krise über Frankreich u.a. zurückkommen wird und es dann unterschiedliche Auffassungen zur Lösung der Europa-Probleme geben wird. In Frankreich kann es im nächsten Jahr zu ähnlichen Szenen kommen wie wir sie jetzt in Thailand und der Ukraine aus ganz unterschiedlichen Gründen erleben. In Wahrheit stecken dahinter Machtkämpfe arm gegen reich bzw. Besitzende gegen Nicht-Besitzende., der sich ausweiten wir, weil die Schere immer weiter auseinanderklafft.
Es häufen sich jetzt die regionalen gewaltsamen Konflikte in Ägypten, Thailand, vielen afrikanischen Ländern und der Ukraine aus ganz unterschiedlichen Machgründen. Die Hintergründe dazu sind nachlesbar unter www.andreas-maennicke.de Man kann nur hoffen, dass das Säbelgerassel zwischen Japan und China um eigentlich belanglose Inseln im ostchinesischen Meer diplomatisch gelöst wird. Auch der Fortgang „Entspannungspolitik“ (?) im Nahen Osten sollte am mit Argusaugen betrachten.
Aufgrund der „great rotation“ und der expansiven Geldpolitik der FED bleiben die Weltbörsen von all den regionalem politischen Konflikten unbeeinflusst. Der DAX erreichte sogar mit über 9400 Indexpunkten ein neues Allzeit-Hoch und der Dow Jones verharrte nahe dem Allzeit-Hoch bei über 16.000 Indexpunkten. Immer mehr Versicherungen vermindern jetzt den Aktienanteil und erhöhen leicht den Aktienantiel, die Allianz zuletzt auf 6% des Portfolios. Vor dem Jahr 2000 waren es aber schon auch mal 30%, die in Aktien angelegt wurden.
Die Haussetrends sind damit noch voll intakt. Gold konnte sich ein wenig auf 1251 USD/Unze und Silber auf 20,01 USD erholen. Es bleibt abzuwarten, ob sich hier ein Boden bilden kann. Der RTS-Index gab trotz der niedrigen Bewertung weiter auf 1406 Indexpunkte nach, wobei sich die Einmischung in die Ukraine-Außenpolitik vom Sentiment her negativ auswirkte. Zudem gab der Brentölpreis am Freitag intraday deutlich von 111,4 auf 109,9 USD/Barrel nach. Der WTI-Ölpreis brach sogar auf 92,7 USD/Barrel ein. Anfang September lag der WTI-Ölpreis noch bei 110 USD/Barrel. Ich rechne mit weiteren Verlusten beim Ölpreis. Auch die Börse Kiew liegt am Boden. Die niedrige Bewertung lockt zwar zum Einstieg, aber noch geht das Kapital in die großen, liquiden Börsen, wo die Notenbanken eine expansive Geldpolitik betreiben. Das Erholungspotential ist aber in Osteuropa groß. Wenn sich Europa tatsächlich in 2014 erholen sollte, wird Osteuropa davon besonders profitieren.



