Goldman-Sachs-Chef Alexander Dibelius korrigiert Steuererklärung beim Finanzamt München und muss Steuern nachzahlen: Knapp eine halbe Million Euro Einnahmen aus Moskau zu wenig angegeben. Angeblich Rubel mit US-Dollar verwechselt.
Der Steuerberater von Goldman-Sachs-Deutschland-Chef Alexander Dibelius hat in dessen Steuererklärung für 2011 US-Dollar und russische Rubel verwechselt. Der Investmentbanker bekommt einen kleinen Teil seines Millionengehaltes von der US-Bank in Russland ausgezahlt, für das er auch zuständig ist. Der Steuerberater räumte in einem Reuters am Sonntag auszugsweise vorliegenden Schreiben an das Münchener Finanzamt ein, dass er wegen des Umrechnungsfehlers nur 19.000 Euro Gehalt angegeben habe, und nahm die Verantwortung dafür auf sich. Eigentlich hätte Dibelius mehr als eine halbe Million Euro angeben müssen.
Darüber hatte zuerst die Zeitung "Bild am Sonntag" (BamS) berichtet. "Eine Selbstanzeige, wie 'BamS' berichtet, hat es nicht gegeben. Wir haben das Finanzamt auf das Versehen hingewiesen, mit der Bitte, den Umrechnungsfehler bei der nächsten erforderlichen Änderung zu berücksichtigen", erklärte der Steuerberater Peter Neumann. Auf dem Gehaltszettel sei anders als sonst der Betrag in Dollar angegeben worden. Ein Dollar kostet rund 33 Rubel.
Der prominente Investmentbanker reagierte mit der Aktion beim Finanzamt offenbar auf Recherchen von BILD am SONNTAG über zwei Briefkastenfirmen in der Karibik und einer in der Schweiz.
Angeblich immer steuerehrlich
Noch letzten Sonntag betonte Dibelius, dass er seinen steuerlichen Verpflichtungen in Deutschland "vollumfänglich" nachkomme. Er "führe private Transaktionen selbstverständlich aus versteuertem Einkommen oder Krediten durch".
BILD am SONNTAG hatte vergangene Woche berichtet, dass Dibelius ein Immobiliengeschäft in Millionenhöhe über zwei Briefkastenfirmen in der Karibik abwickelte, um Steuer zu sparen. Die beiden Firmen hatte der Investmentbanker rechtswidrig nicht bei den deutschen Finanzbehörden angegeben.
Mit Blick auf den Fall Dibelius sagte Thomas Oppermann, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, gegenüber BILD am SONNTAG: "Die Steuervermeidung mit legalen Tricks und Schlupflöchern verursacht noch größeren Schaden als die Steuerhinterziehung." Es sei ungerecht, dass "jedem Angestellten die Lohnsteuer sofort abgezogen wird und Großverdiener legal die Steuer umgehen können".
Der SPD-Politiker sagte weiter: "Es ist die Verantwortung des Staates, solche Steuerschlupflöcher zu schließen. Wir müssen die Steueroasen austrocknen und Modelle, die nur der Steuervermeidung dienen, verhindern. Sie sind ein Angriff auf demokratisch regierte Länder und ehrliche Steuerzahler. Nicht alles, was legal ist, ist auch legitim."
Private Briefkastenfirmen in der Karibik
Dibelius nutzte private Briefkastenfirmen in der Karibik zum Steuersparen und hat dabei mutmaßlich gegen das deutsche Steuerrecht verstoßen.
Nach Informationen von BILD am SONNTAG hat Dibelius mit Hilfe der beiden Briefkastenfirmen Soprano Enterprises Limited und Jadana Limited ein millionenschweres Immobiliengeschäft in London abgewickelt. Beide Firmen haben ihren Sitz in der Steueroase British Virgin Islands.
Eine der Firmen wurde nach Mafia-Boss benannt
Besoders pikant: Die Dibelius-Firma "Soprano-Enterprises" erinnert an "Die Sopranos", eine legendäre US-Fernsehserie, welche das Leben eines italo-amerikanischen Mafia-Clans zum Inhalt hat. Im Mittelpunkt steht "Tony Soprano" ein besonders mächtiger und skrupelloser Mafia-Pate. - Warum der Goldman-Sachs-Chef seiner Briefkasten-Firma ausgerechnet diesen Namen gab, bleibt bisher sein Geheiminis.
Dibelius hatte die Schweizer Firma BasTrust Corporation Ltd. mit Sitz in Genf zwischengeschaltet, die offiziell die Briefkastenfirmen führte. "Ich habe nicht versucht, etwas zu verschleiern", teilte Dibelius dazu mit. Er habe lediglich "die Dienstleistung eines Firmenverwalters in Anspruch genommen".
Die Post ging direkt an Goldman Sachs
Obwohl es sich um ein privates Investment handelt, hat Dibelius im Gesellschaftervertrag der Briefkastenfirmen seine Frankfurter Büroadresse bei Goldman Sachs angegeben. Auch der Postverkehr lief über seine Geschäftsadresse. Mit der Abwicklung war eine Mitarbeiterin von Goldman Sachs betraut. Dibelius sagte dazu: "Ich nutze die Frankfurter Büroadresse als Postadresse, weil ich dort am besten erreichbar bin. Gleiches gilt für die E-Mail-Adresse."
Die Ethik-Richtlinien von Goldman Sachs ("Code of Conduct") verbieten allerdings ausdrücklich "das Eigentum der Firma, Informationen oder die Stellung zum persönlichen Vorteil (...) zu nutzen".
Angesichts der Bankenkrise hatte Dibelius wiederholt einen Wertewandel eingefordert und die eigene Branche öffentlich zu "kollektiver Demut" aufgefordert. In einem Interview mit dem "Manager Magazin" sagte er: "Man darf nicht alles tun, auch wenn es im Rahmen der Gesetze erlaubt ist."



