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Deutschland kein Euro-Opfer? DIW attackiert ifo

DIW Fratzscher attackiert Sinn: „Deutschland kein Opfer der Euro-Rettung“. DIW-Chef Fratzscher wirft dem ifo-Präsidenten Sinn vor, die Fakten auf den Kopf zu stellen. - Ein krasser Fall von Realitätsverlust.


Deutschlands führende Ökonomen Marcel Fratzscher und Hans-Werner Sinn streiten über die Opferrolle Deutschlands in der Euro-Krise und über die Ursachen der deutschen Exportüberschüsse. „Die deutschen Überschüsse sind nicht das Resultat von erzwungenen Kapitalflüssen nach Südeuropa während der Krise. Auch sind sie nicht ursächlich für die schwachen Investitionen in Deutschland seit Ende der Neunzigerjahre“, schreibt der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) in der WirtschaftsWoche. Fratzscher widerspricht damit dem Präsidenten des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn. Dieser hatte ebenfalls in der WirtschaftsWoche die deutschen Exportüberschüsse als „Spiegelbild der milliardenschweren Rettungsmaßnahmen für die Krisenländer“ bezeichnet, „zu denen Deutschland gedrängt wurde“ Wirtschaft! sWoche 50/2013).
 

DIW-Chef Fratzscher wirft dem ifo-Präsidenten Sinn vor, die Fakten auf den Kopf zu stellen. „Die Liquidität wurde von Krisenländern eben nicht dafür genutzt, deutsche Autos zu kaufen, sondern in erster Linie, um die Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte aufrechterhalten zu können – und damit einen wirtschaftlichen Kollaps zu verhindern“, so Fratzscher in der WirtschaftsWoche. Sinn hatte dagegen behauptet: „Ein Land kann dem Ausland per Saldo nur dann Kredit geben, wenn es auch Güter liefert. Es ist finsterste Winkelakrobatik, wenn man Deutschland einerseits vorwirft, es sei bei den Rettungsaktionen zu knausrig, und ihm andererseits seine großen Exportüberschüsse anlastet.“
 

Die EU hatte Deutschland wegen seiner hohen Exportüberschüsse kritisiert und gefordert, die Investitionen im Inland anzukurbeln. Sinns Vorschlag, für diese Investitionen die Rettungskredite zurückzufahren, hätte laut Fratzscher „d! ramatische Konsequenzen“. Dies würde „die Kreditklemme in den Krisenländern deutlich verschärfen, Unternehmen die Chance nehmen, zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen, und Unternehmen und private Haushalte in die Insolvenz treiben“, so der DIW-Präsident. „Das Resultat wäre eine Depression – nicht nur in Südeuropa, sondern auch in Deutschland.“
 

Die Rettungskredite seien vielmehr auch im Interesse Deutschlands. „Die erhöhte Liquiditäts- und Kreditvergabe an die Krisenländer ermöglicht es, dass dort die Unternehmen weiter investieren und die Regierungen notwendige Strukturreformen durchführen“, unterstreicht der DIW-Chef. „So verbessert sich die Wettbewerbsfähigkeit, und es entsteht Wachstum – was wiederum die Exporte dieser Länder erhöhen und mittelfristig helfen könnte, Deutschlands Überschüsse zu reduzieren.“
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