BND warnt vor Medikamenten-Engpässen

BND-Bericht über die Corona-Krise in China: „Verteuerung und Verknappung bedeutender Medikamente“. Auslandsgeheimdienst: Selbstmedikation und kriminelle Netzwerke.

 

In einem „Sonderbericht Wirtschaftsschutz“ warnt der Bundesnachrichtendienst (BND) vor den Auswirkungen der Corona-Krise für den europäischen Medikamentenmarkt, berichtet das digitale Wirtschaftsmagazin Business Insider.

Demnach hätten die Quarantänemaßnahmen in China zu Produktionseinbrüchen geführt. Mittlerweile sei davon auch die Weiterverarbeitung in Indien stark betroffen, wo einige der weltweit größten Produzenten von Generika ansässig sind. Da diese Pharmafirmen bis zu 80 Prozent der Grundchemikalien aus China beziehen, drohe mittelfristig eine Preissteigerung von Medikamenten in Europa.

„Nun gibt es erste Hinweise auf eine mögliche Verteuerung und Verknappung bedeutender Medikamente“, heißt es in dem Geheimdienst-Bericht. „Besonders betroffen ist nach glaubhaften nachrichtendienstlichen Informationen die Produktion von Antibiotika, von Schmerzmitteln, von Diabetesmedikamenten (wie Metformin) sowie Herz-Kreislauf-Medikamenten.“ Beispielsweise sei der Preis für das Antibiotikum Azithromycin in der vergangenen Woche um 70 Prozent gestiegen.

Der BND hält dazu fest: „Man ist sich der Abhängigkeit der Gesundheitsversorgung westlicher Länder von der chinesischen Medikamentenherstellung durchaus bewusst. Zukünftig könnte dieser Zustand als indirektes Druckmittel Chinas für die Durchsetzung eigener Interessen dienen.“

In einem weiteren Bericht, der Business Insider vorliegt, geht der deutsche Auslandsgeheimdienst auf die Desinformation von China ein. „Obwohl die chinesischen Medien einen rationalen Umgang mit dem Coronavirus-Ausbruch propagieren, nimmt die Verunsicherung in der Bevölkerung weiter zu.“

Dabei beobachtet der BND einen „zunehmenden Trend zur Selbsthilfe“ in China. „Hierbei vermischen sich medizinische Daten über das SARS-CoV-2 mit Gerüchten und Fehlinformationen. Dies führt vermehrt zu einer Selbstmedikation mit teilweise nebenwirkungsreichen Präparaten.“

Zudem hat der Geheimdienst Informationen gesammelt über kriminelle Netzwerke, „die versuchen, aus der Not und Verunsicherung der Bevölkerung sowie dem Bedürfnis des Eigenschutzes Profit zu schlagen“. Dabei liegt der Schwerpunkt offenbar auf HIV-Medikamenten wie Lopinavir und Ritonavir. Beiden Mitteln wurde in Einzelfällen eine Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2 nachgesagt. 

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