"Crash-Prophet" Roland Leuschel warnt vor scharfer Börsenkorrektur. Die Rallye an den Börsen habe "keinen realwirtschaftlichen Hintergrund. Ihre einzige Basis ist der weitverbreitete Glaube an die planwirtschaftlichen Fähigkeiten moderner Zentralbankbürokraten, die mit Zinsmanipulationen an der wichtigsten Preisbildung der Märkte überhaupt, der für Geld nämlich, herumpfuschen".
Der als "Crashprophet" bekannt gewordene Börsenexperte Roland Leuschel warnt vor einer scharfen Korrektur an den weltweiten Aktienmärkten. "Einen Crash kann man nicht auf den Tag genau vorhersagen. Aber die Stunde der Wahrheit naht", sagte Leuschel im Interview mit der "Welt am Sonntag". Die zuletzt fast ununterbrochene Rallye großer Indizes wie die des Deutschen Aktien-Index Dax auf mehr als 9700 Punkte habe "keinen realwirtschaftlichen Hintergrund. Ihre einzige Basis ist der weitverbreitete Glaube an die planwirtschaftlichen Fähigkeiten moderner Zentralbankbürokraten, die mit Zinsmanipulationen an der wichtigsten Preisbildung der Märkte überhaupt, der für Geld nämlich, herumpfuschen", so Leuschel. Bereits am Freitag waren die Märkte aus Sorge um die Entwicklung in Schwellenländern deutlich gefallen.
Der Dax-Kenner, der schon vor den Börsenabstürzen von 1987 und 2008 gewarnt hatte, verweist auf unterschiedliche Kennziffern, die auf ein baldiges Ende des Aufschwungs an den Aktienmärkten hindeuteten. So sei der Anteil der Pessimisten unter den Börsenbriefherausgebern, den die Finanzagentur Investors Intelligence ermittelt, im Dezember auf 14,3 Prozent gefallen, den tiefsten Stand seit Sommer 1987. Wendepunkte an den Märkten werden oft von übergroßem Optimismus begleitet.
Auch das Volumen der Wertpapierkredite in den USA sei besorgniserregend. Vor dem letzten Börsenabsturz sei für 400 Milliarden Dollar auf Pump spekuliert worden, aktuell liege der Wert bei 420 Milliarden Dollar. Das Spekulieren auf Pump könne einen möglichen Kursrutsch immer weiter verstärken. Auch die Bewertungen sprächen zurzeit nicht für Aktien. Kennzahlen wie das Shiller-Kurs-Gewinn-Verhältnis oder das Tobin Q legten eine Überbewertung der Dividendenpapiere von bis zu 70 Prozent nahe. "Die Zeit für Aktien wird kommen", so Leuschel. "Aber vorher muss sich die Überbewertung abbauen."
Banken vor Korrektur?
Bei einer scharfen Börsen-Korrektur sehen Beobachter besonders die High-Fligher der letzten Wochen in Gefahr. Am gefährdetesten seien etwa Commerzbank und Deutsche Bank aber auch K+S. Die Commerzbank-Papiere haben sich innerhalb eines halben Jahres verdoppelt. Doch im Bankensektor knirscht es offenbar immer noch gewaltig.
Die OECD hält die größten deutschen Banken einem Bericht zufolge für enorm unterkapitalisiert. Die multinationale Organisation gehe davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer großen Bilanzprüfung in diesem Jahr zu einem ähnlichen Ergebnis kommen werde, berichtete die Zeitschrift "Wirtschaftswoche".
Die OECD-Studie beziffere die Unterkapitalisierung auf 84 Milliarden Euro, so der Bericht. Am dramatischsten sei die Situation bei der französischen Crédit Agricole, wo sich die Unterfinanzierung auf 31,5 Milliarden Euro belaufe. An zweiter Stelle folge die Deutsche Bank mit einer Kapitallücke von 19,0 Milliarden Euro, auf dem dritten Rang die Commerzbank mit 7,7 Milliarden Euro.



