Quantitative Easing: Die treibende Kraft der Aktienhausse? Eine Spekulationsblase kann nur dann entstehen, wenn es zu einer massenpsychologischen Verblendung kommt. Diese lässt sich am einfachsten in dem Satz: „Dieses Mal ist alles anders“ zusammenfassen.
Von Claus Vogt
Die notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für die Entstehung von Spekulationsblasen ist überreichliches Geld- und Kreditmengenwachstum. Der Einsatz der Gelddruckmaschine allein reicht also noch nicht aus, um eine Blase entstehen zu lassen, es müssen weitere Faktoren hinzukommen. Eine ausführliche Besprechung dieses Themas, das wir in unserem Buch „Das Greenspan Dossier“ erschöpfend behandelt haben, können wir Ihnen hier aus Platzgründen nicht liefern. Deshalb muss die entscheidende Feststellung genügen, dass eine Spekulationsblase nur dann entstehen kann, wenn es zu einer massenpsychologischen Verblendung kommt. Diese lässt sich am einfachsten in dem Satz: „Dieses Mal ist alles anders“ zusammenfassen.
Nur wer daran glaubt, kann die offensichtlichen Anzeichen einer Spekulationsblase wie beispielsweise die klare fundamentale Überbewertung als belanglos ignorieren. Im laufenden Zyklus ist es der Glaube an die Allmacht der Zentralbankbürokraten beziehungsweise die angebliche Bedeutung von Quantitative Easing (QE), die als Begründung vorgebracht werden, warum die historisch bewährten Indikatoren und Modelle, die ohne Wenn und Aber eine Spekulationsblase signalisieren, dieses Mal belanglos sein sollen.
Nur bei Neuemissionen fließt netto Geld in einen Markt
Eine präzise Erklärung, wie und warum QE für steigende Aktienkurse sorgen soll, habe ich noch nirgends gelesen. Kein Wunder, denn den unterstellten Mechanismus gibt es nicht, weshalb ihn auch niemand erklären kann – auch nicht Ben Bernanke, der Hauptverantwortliche für die geldpolitische Katastrophe der vergangenen Jahre. Er sagte am 16. Januar 2014: „Das Problem mit QE ist, dass es in der Praxis funktioniert, aber es funktioniert nicht in der Theorie.“ Dem zweiten Teil dieser als Witz gemeinten Aussage Bernankes stimme ich in vollem Umfang zu: Den ersten Teil, dass QE in der Praxis funktioniere, bestreite ich allerdings.
Nur eine Wirkung lässt sich indirekt auf QE zurückführen, und zwar die extrem unattraktive Verzinsung konservativer Anlageklassen. Sie führt bei den Haltern dieser Anlagen zu Unzufriedenheit und verleitet sie eventuell dazu, höhere Risiken einzugehen als sie eigentlich wollen. „Denn irgendwo muss das Geld ja hinfließen“, höre ich die Aktienbullen sagen, „es gibt keine Alternative.“
Diese Aussage ist unsinnig. Außer bei Neuemissionen fließt netto kein Geld in einen Markt. Jedem Käufer steht ein Verkäufer gegenüber, es fließt also stets genauso viel Geld in den Markt wie aus dem Markt. Es findet nur ein Eigentümerwechsel statt. Dabei mag es ja durchaus sein, dass der Käufer „keine Alternative zur Aktie“ sieht. Aber was ist mit dem Verkäufer? Für ihn muss es diese Alternative wohl geben.
Jedes existierende Wertpapier muss bis zu seiner Rückzahlung oder wertlosen Ausbuchung stets einen Eigentümer haben. Immer und ausnahmslos. Der Zunahme der Staatsverschuldung und dem Emissionsboom an den Anleihemärkten stehen also trotz unattraktiver Verzinsung zwingend Anleger gegenüber, die diese Wertpapiere halten. Hier muss das neu kreierte Geld also hinfließen, denn hier finden Neuemissionen in großem Stile statt.
Bilanzsummenvergleich: Fed versus EZB:
Da es den von QE-Gläubigen unterstellten Wirkmechanismus auf die Aktienkurse nicht gibt, können sie ihn auch nicht erklären. Stattdessen behelfen sie sich mit einer graphischen Darstellung wie dem links unten gezeigten Chart. Hier sehen Sie den Verlauf des S&P 500 und die Entwicklung der Bilanzsumme der Fed. Der Gleichlauf dieser beiden Zeitreihen ist tatsächlich beeindruckend. Also muss es doch einen Zusammenhang geben, oder? Die Statistiker unter Ihnen werden an dieser Stelle schmunzeln. Denn aus dem Gleichlauf zweier Kurven lässt sich natürlich weder darauf schließen, dass die Korrelation anhalten wird, noch auf das Vorhandensein eines Zusammenhangs zwischen den beiden Zeitreihen.
Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass die Zentralbankgläubigen niemals den Chart präsentieren, den wir Ihnen rechts unten zeigen. Hier sehen Sie den Verlauf des DAX und die Entwicklung der Bilanzsumme der EZB. Von einem beeindruckenden Gleichlauf ist hier nichts zu sehen. Dass die Aktienkurse dennoch gestiegen sind, muss also eine andere Ursache haben als Veränderungen der EZB-Bilanzsumme. Historisch gesehen bietet sich Massenhysterie als Erklärung an.
S&P 500, Bilanzsumme der Fed in Billionen $, 2006 bis 2013
Der Gleichlauf der beiden Kurven seit 2009 ist offensichtlich – ein ursächlicher Zusammenhang muss deshalb aber nicht bestehen.
Quelle: www.mcoscillator.com
DAX, Bilanzsumme der EZB in Mio. €, 2006 bis 2013
Der Gleichlauf dieser beiden Kurven ist hingegen sehr bescheiden.
Quelle: Bundesbank, EZB



