Die amerikanische Dokumentarfilmerin Laura Poitras wurde eher zufällig zu einer der zentralen Figuren in der durch den Whistleblower Edward Snowden ausgelösten NSA-Affäre. In einem Interview erzählt sie, was sie nach Berlin treibt und an Deutschland schätzt.
Die amerikanische Dokumentarfilmerin Laura Poitras wurde eher zufällig zu einer der zentralen Figuren in der durch den Whistleblower Edward Snowden ausgelösten NSA-Affäre. Die Künstlerin lebt zurzeit in Berlin. Im Gespräch mit der Berliner Zeitung erzählt sie von ihrer Arbeit an ihrem neuesten Film, er handelt von der Massenüberwachung durch amerikanische Geheimdienste.
Ihre Situation in Deutschland schätzt die Amerikanerin als sicher ein, als Dissidentin möchte sich trotz der in ihrer Heimat drohenden Repressionen nicht bezeichnen:
„Das fände ich übertrieben. Natürlich bin ich schon länger in Berlin, weil ich hier keine Repressionen befürchten muss. Hier wird meine Privatsphäre geachtet, hier kann ich am besten meine Quellen schützen. Das ist mir das Wichtigste, denn ich trage die Verantwortung für Menschen, die sich mir anvertraut haben. Für meinen neuen Film arbeitete ich unter anderem mit den Whistleblowern Thomas Drake und William Binney zusammen, ehemaligen Angestellten der NSA, mit Jacob Appelbaum vom Tor-Netzwerk und mit Julian Assange von Wikileaks. Sie alle stehen unter verschärfter Beobachtung seitens der US-Regierung.“
Ihre künstlerische Arbeit bezeichnet Poitras als durchaus politisch, als Aktivistin sieht sie sich gleichwohl nicht:
„Ich bin eine Dokumentarfilmerin, ich verstehe mich als Journalistin und Künstlerin. Ich gehe raus in die Welt, mache Erfahrungen und erzähle Geschichten. Ich kann allerdings dazu beitragen, auch politische Zusammenhänge besser zu begreifen.“
„Ich lebe ja nicht in einem politischen Vakuum. Ich bin eine amerikanische Staatsbürgerin. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 fingen die USA an, Folter zu erlauben, präventiv Krieg zu führen, die eigenen Bürger zu überwachen – um nur einige wenige Punkte zu nennen. Als Bürgerin verfolge ich das mit großer Sorge, und als Künstlerin beschäftige ich mich damit. Unsere Regierung verfolgt eine Politik der Angst, sie arbeitet mit Zerrbildern vom bösen Terroristen oder gefährlichen Islam. Ich möchte mit meinen Bildern und Geschichten zeigen: Die Wirklichkeit ist in Wahrheit viel komplexer.“



