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Sinn attackiert EZB

Ifo-Chef Sinn attackiert die Europäische Zentralbank. „Die EZB sucht nach Rechtfertigungen für eine Politik des billigen Geldes, die den überschuldeten Ländern fiskalisch unter die Arme greift“.


Der Chef des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, kritisiert das Zusammenspiel von Europäische Zentralbank (EZB) und Politik bei der Rettung des Euros mit scharfen Worten. „Die Parlamente stehen vor alternativlosen Entscheidungssituationen und werden zu bloßen Erfüllungsgehilfen des EZB-Rates degradiert“, sagte Sinn im Interview mit der Digitalzeitung "Handelsblatt Live" (Dienstagausgabe). Auch die Debatte über die niedrigen Inflationsraten und eine drohende Deflation in Europa hält Sinn für vorgeschoben. „Die EZB sucht nach Rechtfertigungen für eine Politik des billigen Geldes, die den überschuldeten Ländern fiskalisch unter die Arme greift“, sagte Sinn.

Die Argumentation der EZB, dass sie gegen eine zunehmende Fragmentierung der Kreditmärkte, also gegen die stark unterschiedlichen Zinsniveaus vorgehen müsse, hält Sinn für nicht sc! hlüssig. „Die Differenzierung der Zinsen nach der Bonität der Schuldner ist das Lebenselexier der Marktwirtschaft. Wer sich zu stark verschuldet, muss höhere Zinsen zahlen, und begrenzt daraufhin seine Verschuldung. Ohne die „Fragmentierung“ der Kreditmärkte nach der Bonität würde ein jedes marktwirtschaftliches System kollabieren“, so Sinn.

Die Eurokrise hält der Ifo-Chef für keinesfalls für überwunden: „Die Anpassungsprozesse, die in Südeuropa notwendig sind, werden zehn bis 15 Jahre dauern, wenn sie überhaupt je zum Ziel führen. Solange wird der reiche Norden gezwungen sein, den armen Süden über Wasser zu halten“, sagte Sinn. Seine Prognose: „Wenn wir so weiter machen wie bisher, werden wir einen quälend langsamen Anpassungsprozess erleben, der in einem langfristigen Siechtum und einer Transferunion mündet.“
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