Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan fordert Legalisierung weicher Drogen
Der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan tritt für die Legalisierung des Konsums und Besitzes weicher Drogen ein. „Wir müssen unsere bisherige Drogenpolitik kritisch hinterfragen“, sagte Annan im Interview der „Welt“. „Der Krieg gegen Drogen hat nur den Drogenhändlern die Möglichkeit gegeben, sehr viel Geld zu verdienen. Gleichzeitig hat er das Leben vieler junger Menschen in Amerika, Afrika und andernorts zerstört, die verhaftet wurden, weil sie ein halbes Gramm irgendeiner Substanz bei sich hatten“, so Annan.
Der UN-Generalsekretär der Jahre 1997 bis 2006 und andere prominente Afrikaner legen heute (Donnerstag) einen Bericht der Westafrikanischen Drogenkommission zur Situation des Rauschgifthandels in der Region vor. Dort sprechen sie sich unter anderem für ein Ende der Strafverfolgung beim Konsum weicher Drogen aus und fordern, die Drogenhändler mit umso größerer Härte zu verfolgen. Die liberale Drogenpolitik der Niederlande sei insgesamt ein Erfolg gewesen, sagte Annan der „Welt“. Sie habe die Kriminalität und Gesundheitsprobleme infolge illegalen Drogenkonsums verringert.
Die wachsende Drogenindisutrie in Westafrika stärke auch islamistische Gruppen, die dort operierten, sagte Annan: „Es ist gegenwärtig schwer zu beziffern, welchen Anteil Drogengeld an der Finanzierung von Boko Haram hat. Aber es gibt Anzeichen, dass al-Qaida an der Kontrolle über die Schmuggelwege für Drogen beteiligt ist“, sagte Annan.
Annan äußerte sich im Interview mit der „Welt“ auch zum Konflikt in Syrien, in dem er bis 2012 als UN-Sondergesandter zu vermitteln versuchte. Annan rief insbesondere die Vetomächte im Socherheitsrat zu mehr Kompromissbereitschaft auf: „Im Fall Syrien bräuchte es eine Kerngruppe, die Verantwortung für eine Lösung übernimmt“, sagte Annan. „Dazu müssten die Vetomächte gehören – Russland, die USA, Großbritannien, Frankreich und China – und die Großmächte der Region, wie Saudi-Arabien, der Iran, die Türkei und Ägypten. Wenn sie nicht kooperieren, dann versucht weiter jeder seine Verbündeten in Syrien zu stärken und die Gewalt geht weiter.“



