In einem Container im Hamburger Hafen wurden Unterlagen der Züricher Coutts-Bank (Tochter von Royal Bank of Scotland, RBS) gefunden. Darunter diverse Unterlagen der saudi-arabischen Familie von Osama bin Laden. Steuerfahnder werten Papiere aus.
Im Hamburger Freihafen ist ein Container mit brisanten Finanzpapieren der Züricher Coutts-Bank, einer Tochter der britischen Royal Bank of Scotland, gefunden worden. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins FOCUS hatten Zollfahnder am 20. Mai die Fracht aus dem Steuerparadies Cayman-Islands konfisziert und bei einer groben Durchsicht diverse Unterlagen der saudi-arabischen Familie des getöteten Terror-Fürsten Osama bin Laden entdeckt.
Die Beamten schalteten Steuerfahnder aus Düsseldorf ein. Die rheinischen Ermittler beschlagnahmten den mit 30 Paletten gefüllten Stahlbehälter. Seither werten die Finanzexperten das Material auf der Suche nach Steuersündern aus. Vermutlich landeten die Papiere versehentlich aus dem karibischen Steuerparadies in Hamburg. „Normalerweise wandern solche Unterlagen in den Reißwolf“, sagte ein Finanzbeamter FOCUS.
Nordrhein-Westfalen hatte schon 2012 für eine Millionen Euro eine CD der Coutts-Bank mit Daten von 1000 vermögenden Deutscher angekauft. Die Kunden setzten auf das Modell „Zebra“. Auf den legalen Konten lagen kleinere Beträge, die ordnungsgemäß versteuert waren. Die großen Vermögen sollen sich auf schwarzen Konten befunden haben.
Welt am Sonntag:
Der Zoll hat nach Recherchen der „Welt am Sonntag“ (ET 22. Juni 2014) Ende Mai dieses Jahres im Hamburger Hafen eine hochbrisante Fracht beschlagnahmt: zwei Container mit mehr als 1000 Kartons, in denen sich rund 14.000 Unterlagen befanden, darunter offenbar auch Offshore-Kontodaten mutmaßlicher deutscher Steuerhinterzieher. Zumindest ein Teil der Fracht kommt aus der Niederlassung der Schweizer Privatbank Coutts auf den Cayman Islands in der Karibik. Coutts, eine Tochter der Royal Bank of Scotland, ist bekannt als Bank der englischen Queen. Die Fracht sollte von Hamburg nach Genf weiter transportiert werden. Doch dazu kam es nicht mehr, nachdem die Zollbeamten die Container geöffnet hatten.
Nach dem Kauf diverser Steuer-CDs zu Schweizer Bankkonten sind damit erstmals umfangreiche Daten zu Offshore-Geschäften in Deutschland aufgetaucht. Die Bank bestätigte den Vorgang: Im Rahmen einer Neuordnung "findet derzeit ein Umzug von Unterlagen von den Cayman Islands in unser bestehendes Dateneinlagerungszentrum statt“, sagte, eine Sprecherin. "Dies ist ein normaler Ablauf." Es gebe aber "unseres Wissens keine Ermittlungen gegen die Trust Company.“ Die Bank arbeite nun "konstruktiv und eng mit den Behörden zusammen, um eine Lösung zu finden und die Unterlagen wieder auf ihren Weg zu bringen“.
Nun sind die Staatsanwaltschaft und die Steuerfahndung in Düsseldorf mit dem Fall befasst. Dort wird ohnehin wegen deutscher Coutts-Kunden ermittelt: Im Sommer 2012 hatte Nordrhein-Westfalen eine Steuer-CD gekauft, angeblich für eine Million Euro. Sie enthielt Namen und Kontoverbindungen von rund 1200 deutschen Coutts-Kunden, die Steuern hinterzogen haben sollen, zum Teil in großem Stil.
Aus eingeweihten Kreisen hieß es zu dem aktuellen Fahndungserfolg des Zolls: „Wenn solch ein Beweismittel praktisch bei uns vorbeigeflogen kommt, ist es doch unsere Pflicht zuzuschlagen. Wir wissen ja, wer Offshore-Geschäfte gemacht hat.“ Das Bundesfinanzministerium wollte sich auf Anfrage nicht näher äußern, erkläre aber: "Der Vorgang befindet sich in einem engen Zusammenhang mit einem strafrechtlichen Ermittlungsverfahren, das durch die Dienststellen der Steuerfahndung des Landes NRW im Auftrag der Staatsanwaltschaft Düsseldorf geführt wird." Die nordrhein-westfälische Landesregierung wiederum mochte den Fall nicht bestätigen. "Ohne den Erwerb von Datenträgern wären Aufklärungserfolge dieser Art nie möglich geworden", sagte NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD). Die Ermittler selbst verweisen auf „ein laufendes Verfahren“.
Die Cayman Islands gelten als Steuerparadies und als diskretes Geldversteck für Wohlhabende und Kriminelle aus aller Welt. Die Coutts Bank war zuletzt nicht nur wegen der gekauften Steuer-CD in die Schlagzeilen geraten. Vor zwei Jahren griff die britische Finanzaufsicht FSA die Bank scharf an. Coutts gehe inakzeptable Risiken ein, Kriminellen oder Despoten aus den Krisenregionen dieser Welt bei der Geldwäsche behilflich zu sein – zum Beispiel Herrschern in Libyen, Syrien oder Zimbabwe.