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Zinswende ad acta

Gestern erreichten die zehnjährigen Bundesanleihen mit 1,119% ein Rekordtief. Und noch ein historisches Datum kam hinzu. Entlang der Kurve der Bundesanleihen bis hin zu neun Jahren Restlaufzeit wiesen die Renditen allesamt eine Null vor dem Komma auf.

 

Börsen-Zeitung: Zinswende ad acta gelegt, Kommentar zum Renditetief bei Bundesanleihen von Kai Johannsen

Ein Satz mit X: Das war wohl nix. So lässt sich die Diskussion über die Zinswende und die damit angeblich einhergehenden Renditesteigerungen am Rentenmarkt - darunter bei den Bundesanleihen - wohl am treffendsten beschreiben. Gestern erreichten die zehnjährigen Bundesanleihen mit 1,119% ein Rekordtief. Und noch ein historisches Datum kam hinzu. Entlang der Kurve der Bundesanleihen bis hin zu neun Jahren Restlaufzeit wiesen die Renditen allesamt eine Null vor dem Komma auf. Die neunjährigen Bundesanleihen durchbrachen erstmals die 1-Prozent-Marke nach unten. Zinswende sieht anders aus.

 

Wer sich Anfang des Jahres für die vermeintliche Zinswende positioniert und Anleihebestände reduziert oder sogar aufgelöst hat, dürfte sich ziemlich ärgern, sind ihm doch recht erkleckliche Erträge entgangen. Bei den deutschen Staatstiteln mit sieben bis zehn Jahren Laufzeit sind es, gemessen am entsprechenden iBoxx-Index, Gesamterträge von knapp 8%. Bei mehr als zehn Jahren Laufzeit konnten immerhin über 13% eingestrichen werden.

 

Doch was steht hinter diesem seit dem Jahresanfang anhaltenden Renditerückgang? Es sind wie im Jahr 2012, als die bisherigen Rekordtiefs erreicht wurden, erneut Krisenentwicklungen. 2012 war es die Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Währungsunion, die dafür sorgte, dass die Anleger in extremem Ausmaß in Bundesanleihen umschichteten. In diesem Jahr sind es geopolitische Krisen, die die Investoren sichere Häfen ansteuern lassen. Es ist die Ukraine-Krise, die mit dem mutmaßlichen Abschuss eines Passagierflugzeuges einen Höhepunkt erreicht hat, die an den Märkten für Verunsicherung sorgt. Hinzu kommt, dass die Anleger die politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Sanktionen des Westens und vor allem auch das Ausmaß, das sie noch annehmen könnten, derzeit noch nicht abschätzen können. Aber auch die gewalttätigen Auseinandersetzungen im Nahen Osten führen nicht gerade zu einer Beruhigung der Investorengemüter. Sicherheit bleibt bei den Anlegern deshalb weiterhin gefragt.

 

Doch wie wird es weitergehen? Es sieht nicht gerade danach aus, als würden die geopolitischen Krisenherde über Nacht verschwinden. Hinzu kommt, dass die Europäische Zentralbank schon mehrfach darauf eingestimmt hat, dass die Zinsen im Euroraum noch geraume Zeit niedrig bleiben werden. Sollten nun noch Inflationszahlen oder Konjunkturdaten enttäuschen, sollten sich die Anleger recht schnell auf neue Rekordtiefen einstellen.

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