Vom 2.-21.7.2014 führte mich eine private Reise nach Russland, Oblast Rostov am Don.
Von Reiner Alschmann
Direkt vom Nürnberger Flughafen

mit einem herrlichen Abendflug nach Konstantinopel, nach kurzem Aufenthalt im Tag und Nacht emsigen Airport Atatürk in atemberaubender Sicht auf die Stadt mit dem Schwarzen Meer über die Ukraine.
Ohne ersichtlichen Grund flog der Pilot über das Gebiet Donetzk (Flugzeugabsturz), dessen schöner neuer Flughafen in den letzten Wochen von der Kiewer Armee unbrauchbar gemacht wurde. Mein Reisebekannter, ein Kapitän auf dem Rückflug von seinem Schiff im Mittelmeer, fand deutliche Worte zu der leichtsinnigen Flugroute.
Frühmorgens ging’s quer durch die Weite der Felder in die Küstenstadt Taganrog am Asowschen Meer.
Dort lässt es sich wunderschön baden

und die schöne Stadt bewundern, in der die Schulen so aussehen:

Diese Stadt hat bekannte Schriftsteller wie Tschechow und Dostojewski hervorgebracht.
In romantischen „Tramway“, meist von Damen mittleren Alters gefahren,

wird man abends nach Hause geschaukelt, durch Straßen in denen Mädchen ohne jegliche Angst selbst bei geringer Beleuchtung zusammen lachen.
Geschätzte 80 % der 144 Millionen Russen leben in kleinen, eigenen Einfamilienhäusern mit Garten. Auch ich konnte das einfache Leben dort genießen: mit Hund, Katze und Federvieh, Allergien sind hier vermutlich unbekannt.
Die russische Kultur ist abweichend von dem westlichen medialen Zerrbild des Russen friedliebend, der Russe will in Ruhe und mit genug Essen und Trinken sein Leben genießen. „Miru mir“, für eine friedliche Welt, dieses aus der ehemals sozialistischen Zeit

stammende Wort kommt auch heute noch gut an.
Im russischen Fernsehen werden die grausamen Folgen der Angriffe der Ukrainischen Armee auf die russischsprachige Bevölkerung der Ukraine ständig gezeigt, dennoch wollen weit weniger als die Hälfte der Bevölkerung dort militärisch eingreifen, obwohl sehr viele und enge familiäre Bindungen bestehen – einen 3. Weltkrieg will niemand, man lässt sich lieber von dem Amerikanern vorführen.
Den vielen Flüchtlingen, die das Land überschwemmen, wird mit bestens organisierten Zeltstädten und Versorgung geholfen.
Überhaupt scheint Organisation eine Stärke der Russen zu sein, alles ist bestens organisiert.
Um drei Verwandte aus der Ukraine von der Grenze abzuholen, warteten wir am Mittwoch, dem 16.7.2014 sechs Stunden am Grenzübergang bei Avilo-Uspenka.
Die russisch-ukrainische Grenze verläuft in einer Landschaft voll von riesigen Getreidefeldern, auf denen Mähdrescher ihre tagelangen Bahnen ziehen.
Die Grenzstation liegt auf einer Erhebung mit gutem Blick nach Nordwesten in die Ukraine. An der Grenzstation gibt es einen großen Parkplatz und einen Laden mit Café.
Eine russische Hilfsorganisation hat ein Zelt aufgebaut, in dem die ukrainischen Flüchtlinge im Schatten sitzen konnten, auch eine Toilette und zwei Duschen wurden bereitgestellt.
Von russischer Seite aus in die Ukraine war wenig Betrieb.
Von der ukrainischen Seite aus kam ein stetiger Flüchtlingsstrom, zu Fuß und mit dem Auto.
Der russische Helfer bezifferte die Flüchtlinge, die ihre Hilfe benötigten, auf über 200 pro Tag.
Die meisten Flüchtlinge kamen jedoch mit dem Auto und fuhren direkt weiter bzw. kamen zu Fuß und wurden von russischen Verwandten oder Freunden abgeholt.
Die Abfertigung erfolgte sehr langsam, die Autos und die Papiere wurden eingehend untersucht, ich schätze insgesamt 200 Personen pro Stunde konnten dort nach Russland flüchten, rund um die Uhr.
Die Menschen berichteten von einer Wartezeit mit dem Auto vor der Grenze auf ukrainischem Gebiet von über 10 Stunden.
Die Flüchtlinge waren meistens Familien, oft mit kleinen Kindern. Ohne Auto kommend, wurden sie u. a. in Schulbussen auf die vielen Lager verteilt.

Bedrückend war anzusehen, wie auch ältere Menschen nur mit zwei großen Taschen in den Händen kamen.
Am Horizont waren große Rauchwolken zu sehen die von Detonationen stammten, die Flüchtlinge blickten zu. Bereits in den Tagen vorher konnten wir weit von der Grenze entfernt den fernen Donner der Detonationen hören.
Die Flüchtlinge machten meist einen verängstigten und für die Situation verständnislosen Eindruck. Hass oder Rachegefühle waren nicht zu bemerken, vielmehr fühlte man sich sehr ungerecht behandelt. Teils war die pure Angst mehr als greifbar.
Die Flüchtlinge sehen die Ukraine als ihre Heimat, aus der sie zu Unrecht vertrieben wurden.
Es waren normale Buerger, die wohl ein normales Leben führten und sich von der Armee aus Kiew zu Unrecht bedroht fühlten. Einhellig war die Meinung, dass es sich bei den Soldaten aus Kiew z. T. um Faschisten handelt.
Hier einige Stimmen:
Zwei Damen berichteten, dass sie am Morgen aufgrund von langen Bombardierungen geflohen sind.
Ein Mann berichtete ebenfalls vor den Bombardierungen geflohen zu sein und gab uns per Bluetooth die Fotos aus seinem Telefon, von uns mit den genannten Städtenamen versehen:



Eine Familie mit einem kleinen Sohn aus Donetzk berichtet von Feuer aus Geschützen und Schiessereien aus dem Zentrum von Donetzk, sie hatten außer etwas Gepäck nichts und niemanden in Russland, zu dem sie gehen könnte.
Eine Dame mit zwei großen Taschen machte den Präsidenten der Ukraine verantwortlich und insbesondere auch persönlich Frau Angela Merkel, da diese Unterstützung gibt, sie hatte über Deutschland deshalb eine sehr schlechte Meinung: wer Faschisten unterstützt, ist selbst ein Faschist.
Ein Familienvater berichtete von Gräueltaten von Soldaten der Kiewer Armee, die schlimmer sind als diejenigen damals der deutschen Nazis, auf dieser Aussage tätigte er mehrfach. Soldaten hatten eintätowierte Hakenkreuze an den Armen. Sie köpften russischsprachige Menschen und steckten die Köpfe auf Stangen an der Straße. Abgetrennte Hände mit Armstümpfen lagen auf der Straße. Auf Brot ließen sie Menschenblut laufen.
Eine Familie war vollkommen verängstigt und traute sich kaum zu sprechen und war für ermutigende Worte dankbar.
Eine ältere Dame flüchtete aus Slawjansk und berichtet von Menschen, die durch Bomben der Kiewer Armee zerrissen wurden und sie dies mit ansehen musste. Gestern wurde gemeldet, dass die Stadt Slawjansk in die Hände der Kiewer Armee gefallen ist und nach deren Argumentation von den Terroristen befreit wurden – warum nahm dann diese alte Frau diese beschwerliche Reise weg von der Heimat auf sich?
Weder Reporter und noch westliche Hilfsorganisationen waren anwesend.
Auf dem Rückweg hielten wir an einem Flüchtlingslager, es waren viele Ukrainer ersichtlich,

vermutlich an der Essensausgabe, das Lager wurde auf einer großen Wiese unterhalb eines Denkmals errichtet, das passenderweise an den 2. Weltkrieg erinnerte und den Sieg der russischen Armee über die Faschisten:
Mein Eindruck ist, dass der Westen sich hier mitschuldig macht. Die Unterstützung für die Armee aus Kiew ist nach meiner Meinung derzeit mehr als falsch. Ohne das Geld und die Unterstützung aus dem Westen könnte Kiew diesen Krieg gegen die russischsprachige, eigene Bevölkerung in dieser maßlosen Härte nicht führen.
Die betroffenen Menschen benötigen dringend Hilfe. Es war nicht einfach, das Leid direkt miterleben zu müssen.
Am Horizont links sieht man den Rauch der Bomben, die Menschen sehen auf ihre Heimat:

Jede Generation ist dafür verantwortlich, wie sie auf dieser Welt lebt. Wenn wie hier offensichtlich Faschisten - nach einhelliger Meinung der von uns Befragten - an die Macht geraten, sollte dies gerade von Deutschland nicht unterstützt werden. Leider tut dies derzeit Deutschland jedoch direkt mit 3,5 Millionen Euro und über internationale Umwege mit weit mehr Geld. Daß dies Geld bei den teils hungernden Soldaten der Kiewer Armee nicht an die geschundenen Opfer geht, dürfte schlechterdings nachvollziehbar und für alle klar sein.
Dies lässt manchen an Gott verzweifeln, zu der einen verängstigten Frau die dies artikulierte konnte ich sagen, daß Gott alles sieht, sie blickte mich dankbar für diese Worte an.
Es gibt ein Jüngstes Gericht. Auch Schweigen zum Unrecht wird dort gerecht beurteilt werden.
Wer meint, aus Haß auf andere Ethnien Menschen ermorden zu müssen wird im Jüngsten Gericht Probleme haben, ob solch ein Mensch das Evangelium verstanden hat wage ich zu bezweifeln.
Die Kirchen sehen in Russland so aus, hier die Kirche „Heiliger Paulus“ in Taganrog

Ein ehrfürchtiger Kirchenbesuch wird sehr ernst genommen, richtig bekreuzigt man sich
Stirn, Bauch, rechte Schulter, linke Schulter und Bauch,
selbstverständlich mit den ersten drei Fingern inkl. Daumen.
Die Priester sind verheiratet und belehren die Gläubigen ausführlich und ernst über ein christliches Leben.
Glücklich dieses Land, welches einen bekennend christlichen Präsidenten hat. Während der sozialistischen Bolschewiken war Christentum in der Sowjetunion öffentlich meist nur verdeckt möglich.
Ein ganz besonderes Erlebnis in Russland ist die elektrische Eisenbahn, wer Glück hat, bekommt sogar von einem Musiker live vorgesungen mit Musik aus der mitgebrachten Soundmaschine, die breiteren und viel höheren Waggons als die deutschen eignen sich dafür hervorragend. Die Strecke direkt an einem Flussarm des Don vorbei am ca. viertausend Jahre alten Tanis dürfte eine der schönsten der Welt sein.
Und so hieß es für mich dann „Dasvidanje Rassije“ – Auf Wiedersehen Russland!



