Damit die "Meinungsbildung" beim Leser nicht gestört wird, hat die Süddeutsche Zeitung die Kommentare unter ihren Onlineartikeln nun ganz abgestellt. Bei der FAZ ist das Kommentieren stark eingeschränkt.
Die FAZ erlaubt schon seit einiger Zeit unter politischen Artikeln, insbesondere zu Ukraine, kaum noch das Kommentieren durch die Leser. Bei der SZ wurden die Kommentare unter Artikeln nun ganz eingestellt, bzw. auf eine andere Seite verfrachtet. Vorgegeben sind dort "drei Themen des Tages". Seine Meinung kann man dort nur noch kundtun, wenn man bei "sozialen Netzwerken" angemeldet ist.
Direkter, konzentrierter, besser moderiert: Wir wollen künftig auf andere Weise als bisher mit Ihnen ins Gespräch kommen. Statt der klassischen Kommentarfunktion unter Artikeln starten wir mit Ihnen Debatten zu drei Themen des Tages - und laden Sie ein, immer wieder neue Formen des Dialogs auszuprobieren.
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Das bisherige System, wie Debatten auf den meisten Seiten geführt werden, hat zu viele Schwächen. Unter anderem geht in den Diskussionen zu viel durcheinander, das Freischalten von Beiträgen dauert zu lange, und nicht zuletzt bekommen Pöbler zu oft die Chance, durch die Moderation zu rutschen.
Die Kommentare unter den Artikeln zeigten in letzter Zeit sehr stark, dass viele Leser anderer Meinung waren als es der Vorgabe entsprach. Oftmals wurden kritische Fragen gestellt oder auf Falschinformationen hingewiesen. Das alles ist jetzt kaum noch möglich. Wer will schon zu allgemeinen Debatten zu drei Themen des Tages kommentieren ohne direkten Bezug zu einem Artikel?
Immerhin gibt die SZ nun öffentlich zu, dass sie an Lesermeinungen direkt unter Artikeln nicht mehr interessiert ist. Bei der FAZ und SPON werden immer öfter Kommentare von Vornherein nicht zugelassen - ohne jeden Hinweis.
Dabei war es in der Vergangenheit bereits schwierig, kritische Kommentare zu veröffentlichen. Nur angemeldete User hatten das Recht, etwas zu schreiben. Die Veröffentlichung erfolgte stark zeitverzögert, weil sie erst von einem Zensor gegengelesen und freigegeben werden musste.
Es ist zu befürchten, dass die Beispiele von FAZ und SZ Schule machen werden.



