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Sanktionen: Deutschland am stärksten betoffen

Russland-Sanktionen: Laut Roland-Berger-Studie sind deutsche Agrar-, Auto- und Maschinenbauindustrie am stärksten betroffen


Die gegenseitigen Wirtschaftsblockaden von EU und Russland treffen in Deutschland die Agrar- und Lebensmittelindustrie am härtesten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Beratung Roland Berger, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt. Russland hat ein Importverbot für Agrarprodukte aus der EU verhängt. Die Branche, die bisher jährlich Produkte im Wert von 1,5 Milliarden Euro nach Russland exportiert, leidet unter Umsatzeinbußen, Preisverfall und ihr droht bei weiteren Sanktionen - ein dauerhafter Verlust des Geschäfts an Konkurrenten.

Autohersteller und -zulieferer sowie Maschinen- und Anlagenbauer werden laut Studie ebenfalls empfindlich getroffen. Da für sie die Bedeutung des Russlands-Geschäfts mit bisherigen Exportumsätzen von 7,6 beziehungsweise 7,8 Milliarden Euro am größten ist, wirken sich die Einbußen negativ auf die Konjunkturentwicklung au! s. Ebenfalls hart getroffen sind IT- und Telekomunternehmen.

Infolge der Analyse senkt Roland Berger die Wachstumsprognose für Deutschland 2014 von 2,0 auf 1,7 Prozent. „Persönlich hoffe ich zwar, dass es noch zu einer kurzfristigen Deeskalation kommt“, sagte Burkhard Schwenker, Berger-Aufsichtsratschef und Co-Autor der Studie, der WirtschaftsWoche. „Aber als realistische Planungsbasis müssen Unternehmen davon ausgehen, dass der Konflikt länger dauert und sich die Sanktionen in den nächsten zwei Jahren noch auswirken.“

Zwar sei es im Prinzip richtig, dass bei Sanktionen das Primat der Politik gelte und die Wirtschaft sich unterzuordnen habe, so Schwenker. „Doch die Politik ist zugleich gefordert, alternative Möglichkeiten für die Wirtschaft aufzutun. Das kommt mir derzeit auf europäischer Ebene zu kurz.“

Schwenker fordert die Umsetzung zweier Maßnahmen, die in Brüssel bereits in der Schublade lägen. So könne eine Belebung des eur! opäischen Binnenmarktes ein Prozent zusätzliches Wachstum schaffen. Ein weiteres Prozent ließe sich generieren, würde die EU pro Jahr 80 Milliarden Euro mehr für Infrastruktur ausgeben. Der Investitionsbedarf hierfür summiert sich in der Euro-Zone bis 2020 laut Berger-Studie auf mehr als zwei Billionen Euro.

Zudem müsse die EU jetzt das Freihandelsabkommen TTIP mit den USA beschleunigen. Schwenker: „Mit guter Kommunikation seitens der Politik, an der es bisher mangelt, ließe sich auch die Anti-TTIP-Stimmung in der Bevölkerung verändern.“
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