Ein erschreckendes Beispiel von Demokratieverständnis lieferten linke Gruppen am Samstag in Berlin während der Aktion „Marsch für das Leben“, bei der über 5000 Menschen für das Lebensrecht Ungeborener demonstrierten: Die Teilnehmer wurden beleidigt, bespuckt und attackiert. Mit Parolen wie „Gegen Christus“ oder „Heil Satan“ wurde der Zug aufgehalten. Ein CDU-Abgeordneter wurde gar von ZDF-Mitarbeitern geschlagen.
Michael Mross: Ich habe die Demo in Berlin miterlebt. Man kann zu den Zielen der Aktion "Marsch für das Leben" sicherlich unterschiedlicher Meinung sein. Aber die Art und Weise, wie die Teilnehmer von den Gegendomonstranten in übelster und beleidigender Weise angegriffen wurden, übertrifft noch die Darstellung des folgenden Berichts der evangelischen Presseagentur. Nur der besonnenen Reaktionen der Marschteilnehmer ist es zu verdanken, dass die Situation nicht eskalierte. Wenn man sich die Situation umgekehrt vorstellen würde, wäre es sicherlich zu schrecklichen Straßenschlachten gekommen. Die "Gegendemonstranten" nahmen den friedlchen Marsch zum Anlass, ihr Aggressionspotential in primitivster und animalischer Weise auszuleben.
Berlin (idea) – Eine Rekordbeteiligung erlebte der 10. „Marsch für das Leben“ am 20. September in Berlin. Insgesamt 5.000 Menschen beteiligten sich nach Angaben der Veranstalter an der größten Lebensschutzdemonstration Deutschlands; das waren 500 mehr als im Vorjahr. Dazu eingeladen hatte der Bundesverband Lebensrecht, in dem 13 Organisationen zusammengeschlossen sind. Der Marsch stand unter dem Motto „Für ein Europa ohne Abtreibung und Euthanasie“. Bei der Auftaktkundgebung vor dem Bundeskanzleramt dankte der Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrechts, Martin Lohmann (Bonn), den Teilnehmern, dass sie denen eine Stimme verliehen, die keine Stimme haben: „Wir stehen hier als Anwälte der Toleranz, der Freiheit und der Liebe.“
Wie Lohmann berichtete, verübten am Vortag des Marsches Linksextremisten einen Anschlag auf ein Büro des Bundesverbandes in der Hauptstadt. Dabei seien unter anderem Beratungsräume und eine Kleiderkammer mit Babyausstattungen unbrauchbar gemacht worden. Zu der Tat habe sich das autonome Aktionsbündnis „what the fuck“ bekannt, hieß es. Lohmann mahnte, den Anfängen zu wehren: „Wir wollen nie wieder braunes Gedankengut, auch nicht solches, das rot lackiert ist.“ Den linksradikalen Störern, die versuchten, Lebensschützer „in die braune Ecke zu stellen“ rief Lohmann zu: „Werdet nicht zu geistigen Brandstiftern!“
Linke und SPD unterstützen Gegendemonstration
Zu Protesten gegen den „Marsch für das Leben“ hatte neben dem Aktionsbündnis „what the fuck“ auch ein „Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung“ aufgerufen. Ihm gehören unter anderem der Humanistische Verband Deutschlands an, sowie der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg. Die Partei „Die Linke“ hatte nach eigenen Angaben 1.500 Euro zur Verfügung gestellt, um zu Gegenaktionen zu mobilisieren. Das Geld stamme aus dem Fonds des Parteivorstandes. Die Mittel seien für Flugblätter und Plakate verwendet worden. Auch SPD-Politiker hatten im Vorfeld Stimmung gegen den Marsch gemacht. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert (Berlin) etwa übte scharfe Kritik an den „selbsternannten Lebensschützern“. Sie stellten sich gegen das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung von Frauen und degradierten sie zu Gebärmaschinen. Mehrfach hätten „sogenannte Lebensschützer vor ärztlichen Praxen und Kliniken gelauert, in denen Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden, und jede Patientin, die versuchte, die Einrichtung zu erreichen, als Mörderin tituliert“.
Bundestagsabgeordneter Hüppe von ZDF-Mitarbeitern geschlagen
Auf den Plakaten der rund 300 Gegendemonstranten standen Parolen wie „Hätt Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben“, „Gegen Christus“ oder „Heil Satan“. Mehrere Male gelang es den Gegendemonstranten, den Zug kurzzeitig aufzuhalten. Linke Störer entrissen den Teilnehmern des „Marsches für das Leben“ weiße Holzkreuze, beschimpften oder bespuckten sie. Weibliche Lebensschützer beklagten, von Störern unsittlich berührt worden zu sein. Der einzige Bundestagsabgeordnete, der am Marsch teilnahm, der Christdemokrat Hubert Hüppe (Unna), wurde mit einem Farbbeutel attackiert. Wie Hüppe der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) sagte, hatten ihn zuvor bereits zwei Gegendemonstranten geschlagen. Beide seien Mitarbeiter der ZDF-Satiresendung „Heute-Show“. Die Polizei nahm mehrere Linksextremisten nach Angriffen fest.
Eltern behinderter Kinder geben ein wichtiges Zeugnis für das Leben
Beim Abschlussgottesdienst im Berliner Lustgarten würdigte der katholische Regensburger Prälat Michael Fuchs Eltern behinderter Kinder. Solche Mütter und Väter gäben ein wichtiges Zeugnis für das Leben: „Mit solchen Leuten brauchen sie nicht über Abtreibung oder Euthanasie zu reden.“ Gleichzeitig mahnte Fuchs: „Vergessen wir das Beten nicht. Es ist nicht unnütz, sondern gleichsam die Nabelschnur für unser Tun.“
Bereits im Vorfeld des Marsches hatte sich die römisch-katholische Kirche hinter dessen Ziele gestellt. Papst Franziskus, der Vorsitzende der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (München), der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück (Traunwalchen/Oberbayern), und zahlreiche katholische Bischöfe hatten Grußworte gesandt.
Dagegen hatte sich die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz von dem Marsch distanziert. Die Kirchenleitung hatte Bischof Markus Dröge per Beschluss gebeten, „die inhaltliche Differenz“ zum Veranstalter, dem Bundesverband Lebensrecht, zu verdeutlichen. Der Unterschied bestehe darin, dass die Kirche dafür eintrete, die Gewissensentscheidung einer Frau im Schwangerschaftskonflikt zu achten, hatte Pressesprecher Volker Jastrzembski (Berlin), auf Anfrage von idea erklärt. Auch der EKD-Ratsvorsitzende, Nikolaus Schneider (Berlin), sandte kein Grußwort. Grüße übermittelten dagegen der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July (Stuttgart), und der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche, Hans-Jürgen Abromeit (Greifswald).



