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DAX: Zick Zack Crash?

Der DAX befindet sich seit Anfang des Jahres in einer Seitwärtsbewegung zwischen 8.896 Punkten und 10.000 Punkten. - Eine Prognose wird immer schwieriger, weil die Börsen nur noch Politik- und Zentralbank-getrieben sind.

 

 

 

 

Von Jochen Steffens

Der DAX befindet sich seit Anfang des Jahres in einer Seitwärtsbewegung zwischen 8.896 Punkten und 10.000 Punkten (an der Oberseite mit mehreren Ausbruchsversuchen). Wenn man es genau nimmt, besteht diese Seitwärtsbewegung sogar bereits seit Ende Oktober 2013, also nunmehr bald ein Jahr – siehe folgender Chart:

 

Das Problem bei einer derart langen Seitwärtsbewegung ist, dass sich der Blick der Anleger „verengt“ – nach einem Jahr gewöhnt man sich an diese niedrige Volatilität. Die „großen“  Bewegungen in diesem Rechteck, also diejenigen, welche die gesamte Spanne durchlaufen, erscheinen einem „heftig“. Unter dem Strich bleibt es jedoch dabei, dass nichts passiert ist.

 

Der verengte Blick

Das führt zu seltsamen Auswüchsen. Dazu ein kleines Beispiel: In der jüngeren Vergangenheit las ich immer wieder Nachrichten, wie: „DAX bricht nach den neuesten Ereignissen in … (hier steht eine beliebige geografische Angabe, z.B. Ukraine, Irak, …) ein!“. Ich dachte oft: „Huch, hab ich was verpasst?“ Ein Blick auf den DAX zeigte dann einen Kursrückgang von knapp einem Prozent. In normalen Trendphasen würde bei solchen Bewegungen niemand von einem „Einbruch“ sprechen.

 

Prognosequalität sinkt

Das mag dann für den geneigten Börsianer noch amüsant sein. Weniger lustig ist, dass aufgrund dieser eher zufälligen Bewegungen in einer solchen, vergleichsweise engen Spanne die Prognosequalität erheblich (!) sinkt. Das gilt insbesondere für charttechnische Formationen, die darin auftauchen. Und das ist einer der Gründe, warum es so schwer ist, in diesen Phasen größere Gewinne zu machen. Das gilt logischerweise vor allem für langfristig orientierte Anleger. Es betrifft aber auch Swing- und Daytrader, die ebenfalls sowohl mit der Zufälligkeit der Kursentwicklung als auch der extremen Fokussierung auf Nachrichten zu kämpfen haben. Letzteres ist auch ein typisches Merkmal der Seitwärtsbewegung. Angesichts fehlender Marktrichtung wird jede Nachricht als Orientierung genutzt und damit „überbewertet“.

 

Wie geht man nun mit so einem Markt um?

Eine berechtigte Frage, auf die es nur eine Antwort gibt: sehr vorsichtig! Denn  die Gefahr ist sehr groß, dass man sich in solchen Phasen finanziell aufreibt.

 

Es könnte aber doch so einfach sein

In der Charttechnik wird eine Seitwärtsbewegung gerne „Trading-Range“ genannt. Und wenn man sich die großen Seitwärtsbewegungen der Geschichte anschaut, scheint es doch so unglaublich einfach: Unten steigt man long ein, oben geht man short. Und schon kann man alle Bewegungen innerhalb dieser Seitwärtsbewegung mittraden. Der heilige Gral des unermesslichen Reichtums sozusagen.

Nun gut: Im Nachhinein ist Börse immer einfach!

 

So einfach ist es aber nicht, zumindest aktuell

Nehmen wir die Entwicklung des DAX. Wann hätte man die Seitwärtsbewegung am Kursverlauf erkannt (wir haben sie zwar schon Anfang des Jahres als Prognose in unserem Jahresausblick beschrieben, es geht hier aber darum, wann sie sichtbar wurde und damit zum Traden taugte). Erst als die ersten drei Auf- und Abwärtsbewegungen vorbei waren, bildete sich das erste klare Rechteck heraus (siehe folgender Chart). Bis dahin hätte es sich auch um eine Topformation oder eine „abc“ Konsolidierung handeln können. Schließlich hatten wir einen langen Aufwärtstrend hinter uns.

 

Demnach war erst Ende März (senkrechte Linie) die Seitwärtsbewegung tatsächlich zu erkennen. Mit etwas Glück hätte man noch den Anstieg an das Hoch mitmachen können, aber schon der folgende Short (den ich nie eingegangen wäre, weil es ein Trade gegen einen starken Trend gewesen wäre) reichte nicht mehr bis an das untere Ende dieser Seitwärtsbewegung (siehe roter Pfeil). Wo hätte man diesen dann verkauft? Wahrscheinlich in der Nähe des Kaufkurses.

 

Und dann war es das dann auch schon. Der DAX brach aus diesem kleinen Rechteck nach oben aus. Bis sich dann das neue, breitere Rechteck ausbilden konnte, das Sie oben im ersten Chart sehen, musste sich erst eine erneute starke Abwärtsbewegung bilden (schwarzer Pfeil). Kurzum: im Prinzip können wir diese oben beschriebene Formation erst jetzt nach fast einem Jahr wirklich in ihrem ganzen Umfang erkennen.

 

 „Trading-Range“ nur bei eindeutigen Entwicklungen

 „Trading-Range“ hört sich so einfach an. Und sicher, mit viel Erfahrung kann man schon ein paar Trades machen, aber ganz so einfach, wie das im Nachhinein häufig aussieht, ist es eben im Verlauf nicht. Und in den wenigsten Rechtecken laufen die Kurse über längere Zeit sauber. Meistens kommt es zu heftigen Fehlsignalen oder die Bewegungen erreichen die Begrenzungslinien nicht.

Die besseren Zeiten für Trader sind tatsächlich klare Trends, die meistens auch um ein Vielfaches konstanter verlaufen.

 

Fazit:

Wundern Sie sich nicht, wenn Sie in den vergangenen Monaten im Trading nicht wirklich vorwärts gekommen sind. Es ist ohne Frage ein sehr schwieriger Markt, und das höre ich auch von vielen anderen Tradern. Aber trotzdem muss man wach bleiben, denn wirklich interessant werden solche Seitwärtsbewegungen, wenn es zu einem nachhaltigen Ausbruch kommt. In den allermeisten Fällen folgt eine längere und hoch dynamische Bewegung in die Ausbruchsrichtung, bei der viel Zeit bleibt nach und nach mit ansteigender Positionsgröße mitzuspielen. Und dann sollten Sie dabei sein, um die jüngsten schwierigen Zeiten aus Sicht der Performance wieder auszugleichen!

www.stockstreet.de

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