Gold steigt vorübergehend auf 4-Wochenhoch und zieht restliche Edelmetalle mit nach oben. Öl: Irak senkt als drittes OPEC-Land seine Verkaufspreise, Kuwait und Saudi-Arabien stellen keine Produktionskürzung in Aussicht.
Von Commerzbank Commodity Research
Der Goldpreis steigt zum Wochenauftakt zwischenzeitlich auf knapp 1.240 USD je Feinunze und erreicht damit ein 4-Wochenhoch. Auch die anderen Edelmetalle legen im Fahrwasser von Gold zu. So handelt Silber wieder bei 17,6 USD je Feinunze. Unterstützt werden die Edelmetalle durch den weiterhin schwächeren US-Dollar sowie durch Aussagen einiger FOMC-Mitglieder.
Diese warnen vor den Folgen einer weltweiten Wachstumsschwäche – ausgehend von Europa – und eines zu starken US-Dollars und sprechen sich dafür aus, die US-Geldpolitik später als bislang erwartet zu normalisieren. Daneben hat die Ratingagentur S&P Frankreichs Ratingausblick auf „negativ“ gesenkt und Finnland überraschend das „AAA“-Rating entzogen.
Dazu profitiert Gold von den schwachen Aktienmärkten. Die spekulativen Finanzinvestoren haben sich in der Woche zum 7. Oktober gemäß CFTC-Statistik zunächst nicht weiter bei Gold zurückgezogen. Die zwischenzeitliche Goldpreisschwäche – der Preis fiel auf ein 9-Monatstief von 1.183 USD je Feinunze – ist damit wohl auf andere Faktoren zurückzuführen.
So waren zum Beispiel die chinesischen Händler wegen der „Golden Week“ nicht im Markt aktiv. Auch bei Silber gab es kaum eine Verschiebung bei der Marktpositionierung. Dagegen wurden im Falle von Platin die Netto-Long-Positionen um 27% auf 16,6 Tsd. Kontrakte ausgeweitet – trotz stark gefallener Preise. Dies deutet auf eine schwache Nachfrage in anderen Bereichen hin.
Energie
Die Ölpreise bleiben auch zu Beginn der neuen Handelswoche in der Defensive. Brentöl fällt um knapp 2% auf 88,5 USD je Barrel und nähert sich damit wieder dem am Freitagmorgen verzeichneten 4-Jahrestief. Aus der OPEC gibt es weiterhin keine Signale für preisunterstützende Maßnahmen.
Im Gegenteil, als drittes wichtiges OPEC-Land hat nun auch der Irak seine Verkaufspreise gegenüber den internationalen Benchmarks deutlich gesenkt. Die OPEC-Länder scheinen somit derzeit eher die Verteidigung von Marktanteilen als eine Stabilisierung der Preise anzustreben. Kuwait sieht keine Notwendigkeit für eine Kürzung der OPEC-Produktion, da diese laut dem kuwaitischen Ölminister nicht notwendigerweise zu höheren Preisen führen würde.
Die Ölpreise könnten seiner Ansicht nach auf 76-77 USD je Barrel fallen, weil dort die Produktionskosten in den USA und in Russland liegen würden. Ähnliche Äußerungen sind auch aus Saudi-Arabien zu vernehmen. Der größte OPEC-Produzent soll den Marktteilnehmern insgeheim zu verstehen geben, dass man einen Ölpreis von weniger als 90 USD und vielleicht sogar bis 80 USD für ein bis zwei Jahre akzeptieren werde. Eine Produktionskürzung Saudi-Arabiens scheint somit wenig wahrscheinlich.
Angesichts dieser Nachrichtenlage überrascht es nicht, dass selbst unerwartet robuste chinesische Rohölimporte dem Ölpreis keine Unterstützung geben können. China führte im September laut Zollbehörde 27,58 Mio. Tonnen Rohöl ein und damit 9,5% mehr als im August. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte dagegen einen Rückgang in dieser Größenordnung angekündigt. China allein wird das Überangebot kaum absorbieren können, welches bei Nichthandeln der OPEC entsteht. So beziffert die OPEC den täglichen Bedarf an OPEC-Öl im nächsten Jahr auf 29,2 Mio. Barrel. Laut OPEC-Monatsbericht lag die OPEC-Ölproduktion im September bei 30,5 Mio. Barrel pro Tag.



