Der heutige Tag ist vermutlich der Wichtigste in der politischen Karriere von Wladimir Putin. Heute muss die Stabilisierung des Rubel gelingen, sonst sieht es schlecht aus für den (noch) starken Mann Russlands.
Noch vor wenigen Wochen hatte Putin vermeintlich souverän gemeint, dass Russland längere Zeit mit einem niedrigeren Ölpreis leben könne, das...
Der heutige Tag ist vermutlich der Wichtigste in der politischen Karriere von Wladimir Putin. Heute muss die Stabilisierung des Rubel gelingen, sonst sieht es schlecht aus für den (noch) starken Mann Russlands.
Noch vor wenigen Wochen hatte Putin vermeintlich souverän gemeint, dass Russland längere Zeit mit einem niedrigeren Ölpreis leben könne, das sei wohl eher ein Problem der amerikanischen Shale-Industrie (“Fracking”). Aber das hat sich als fataler Irrtum herausgestellt. Der unkontrollierte Kollaps des Rubel seit Beginn der Woche frisst stark an der Autorität Putins: es vermittelt sich der Bevölkerung der Eindruck, Putin habe die Dinge nicht mehr im Griff.
Noch ist die Zustimmung der Bevölkerung Russlands für Putin gewaltig. Der starke Mann habe es dem Westen gezeigt und sich nicht einschüchtern lassen – und der Westen hat viel zu der Popularität Putins beigetragen, weil man dort der Auffassung war, dass man für eine Lösung der Probleme in der Ukraine Russland nicht brauche. Auch das ein fataler Irrtum, den erfahrene Elder Statesmen wie Helmut Schmidt und sogar Helmut Kohl zu Recht beklagen.
Für Putin aber ist Lage extrem schwierig: der fallende Ölpreis sorgt dafür, dass russische Energieunternehmen weniger Dollars vereinnahmen – und so auch nicht in Rubel getauscht werden können. Daher zielt die Absicht der Regierung, die russischen Unternehmen zu häufigeren Umtäuschen ihrer Deviseneinnahmen in Rubel zu animieren, absolut ins Leere – nicht gerade ein Beleg für wirtschaftliche Kompetenz der Führung in Moskau. Hinzu kommt, dass sich die Notenbank entschlossen hat, russische Unternehmen zu stützen: so etwa im Fall Rosneft, das eine Unternehmensanleihe an den Markt gebracht hat, die die Investoren gegen einen Kredit bei der Notenbank tauschen können. Geschieht dies, finanziert die Notenbank direkt Rosneft, in dem sie das von den Investoren gegen den Notenbankkredit eingetauschte Geld Rosneft wieder ersetzt. Faktisch druckt die Notenbank also Geld, was psychologisch ein wichtiger Faktor des Rubel-Falls seit Beginn der Woche ist.
Der Kollaps des Rubel wiederum gefährdet den Anschluss Russlands an die Zahlungsströme der Finanzmärkte. Goldman Sachs stoppte bereits die Abwicklung langfristiger Refinanzierungsgeschäfte in Rubel, erste Broker wie FXCM haben den Handel mit Rubel ausgesetzt. Wenn Goldman Sachs wie so oft Vorreiter ist und sich andere Banken anschliessen, ist der Kollaps Russlands wohl nicht mehr zu verhindern. Faktisch liegt also Putins Zukunft nun in den Händen westlicher Banken – eine für den vermeintlich starken Mann Russlands besonders bittere Erkenntnis.
Auh die Bevölkerung wird unruhig: Hamsterkäufe in Erwartung eines weiter kollabierenden Rubels sind der direkte Beleg, dass es mit der Stärke Putins nicht sehr weit her ist derzeit. Also muss er alles versuchen, den Rubel zu stabilisieren. Die erste Massnahme sind massive Verkäufe von Dollars, auch wenn das die schwindenden Devisenreserven noch weiter reduziert. Die zweite Massnahme ist die Ablösung der Notenbankchefin Elvira Nabiullina, deren Krisenmanagement nicht wirklich souverän war. Die wirtschaftsliberale Nabiullina ist den Oligarchen, die derzeit immer größere Teile der russischen Wirtschaft an sich reißen, ohnehin ein Dorn im Auge. Aber all das muss schnell geschehen, sonst erleidet Putin einen nicht mehr reparablen Imageverlust.
Und so ist der Kurs des Dollar-Rubel gewissermaßen die Fieberkurve für Putins politische Zukunft. Der Rubel stabilsierte sich heute (vermutlich durch Interevention der Notenbank), ist aber nun wieder auf dem Rückzug:
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