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US-Fracking : Ölpreis, Verbote und zu viel Optimismus werden zum Problem

Der Gouverneur des US-Bundesstaates New York hat gestern verkündet Fracking verbieten zu wollen aufgrund zu großer gesundheitlicher Risiken. Vorher gab es schon zahlreiche Verbote, erwirkt durch Volksentscheide in Kommunen in Kalifornien, Ohio und sogar Texas. Verbietet New York tatsächlich vollständig im ganzen Staatsgebiet Fracking, könnten andere Staaten diesem Signal folgen.

Der Bundesstaat North Dakota, den die meisten Amerikaner wohl kaum auf der Landkarte finden würden, ist inzwischen das Klein Saudi-Arabien der USA geworden. Goldgräber und Arbeitslose strömen in derartigen Massen in den fast menschenleeren Staat, daß die Wohnungsmieten in Holzbaracken inzwischen höher sind als in Luxuswohnungen in der 5th Avenue in New York City. Die Landschaft weiträumig um die Stadt Williston herum sieht inzwischen aus wie eine zertrümmerte Mondlandschaft. Wer Google Earth nutzt, kann sich einen schönen Überblick verschaffen und erkennt schon aus großer Höhe die tausenden weißen Punkte, die die Landschaft zerstören.

Der Fall “North Dakota” zeigt, dass die Fracking-Industrie – um dauerhaft im Geschäft bleiben zu können, wie eine Heuschreckenplage von einem Bohrloch zum nächsten ziehen muss, denn ein Fracking-Vorkommen ist nicht vergleichbar mit einem Ölfeld in Saudi-Arabien, das 50 Jahre lang konstant sprudelt. Viele Fracking-Felder sind längst leer und wurden aufgegeben. Die ganze Kolonne mit Chemikalien- und Wassertrucks zieht einfach weiter zur nächsten Bohrstelle.

Aber genug mit dem Umweltschutz bis hier hin.

Bereits im Mai 2014 wurde eine erstaunliche Analyse veröffentlicht, die weltweit kaum zur Kenntnis genommen wurde. Die Annahme, dass aus dem kalifornischen Ölfördergebiet “Monterey” bis zu 13,7 Milliarden (!) Fässer Öl gewonnen werden könnten, wurde von der nationalen Energie-Agentur EIA korrigiert – das Feld sei um 96 % weniger ergiebig als zuerst angenommen – auf deutsch gesagt eine Katastrophe. Damit fielen auf einen Schlag 2/3 der gesamten Schieferöl-Reserven der USA weg. Was bleibt ? Jedes noch so kleine Vorkommen ausquetschen bis zum Erbrechen – was ja derzeit auch gemacht wird in Staaten wie Pennsylvania.

Für den Augenblick sind die USA durch den drastischen Fracking-Ausbau zum weltweit größten Ölproduzenten aufgestiegen – weil man wie gesagt jetzt dabei ist jedes noch so winzige Vorkommen auszuwringen. Aber diese Reserven halten nicht ewig. Das bedeutet – Expansion ins Ausland muss her.

Hierbei kann TTIP ein schöner Türöffner nach Europa sein – die deutsche Bundesregierung hat ja mit dem neun Fracking-Gesetz ein “Verbot” geschaffen, aber mit dem grandiosen Schlupfloch eines “Kommissions”-Vorbehalts – d.h. eine Kommission prüft, ob nach Probebohrungen Fracking in einer bestimmten Region in Deutschland doch nicht grundwasserschädigend ist und ob man es dort doch erlauben kann. Was bei so etwas herauskommt, ist abzusehen.

Experten streiten darüber, ab welchem Ölpreis das Fracking unrentabel wird, manche sagen 80, andere 60 oder 40 Dollar. Bei einem aktuellen Niveau von 56 Dollar wird die Luft aber auf jeden Fall dünner – die Saudis haben genug Geldreserven und können entspannt zuschauen, denn sie haben diese Förderkosten nicht.

Früher oder später wird die US Fracking-Industrie mit aller Macht darauf drängen, auch in Europa tätig werden zu können – spätestens wenn der Druck in den USA weiter zunimmt und nach und nach Bohrlöcher leergefrackt sind. Aber kein Problem – in Deutschland zumindest gibt es ja demnächst eine Kommission, die entscheiden kann, ob Fracking im “Einzelfall” ungefährlich ist.

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