Alles steht auf Messers Schneide. Eine falsche Bewegung, und nicht nur die Eurokrise ist wieder da, sondern auch die Finanzkrise. Eine neue Verwerfung im Finanzsystem dürfte allerdings ungleich größer sein als das, was wir 2008 erlebt haben.
Von Michael Mross
Eine hochexplosive Gemengelage in Athen: Die Forderungen der Linken sind praktisch nicht erfüllbar, außer: Griechenland verlässt den Euro. So oder so dürften die Konsequenzen schon in Kürze spürbar werden.
Welche Optionen hat Griechenland noch? Athen befindet sich in der Sackgasse. Weiter im Euro bleiben bedeutet: auf unabsehbare Zeit weiter leiden. Aber aus dem Euro austreten ist auch nicht einfach.
Das Land würde bei einem Euroaustritt unweigerlich unter seiner weiterhin bestehenden Euro-Schuldenlast zusammenbrechen. Bleibt nur eine Möglichkeit: die Schulden nicht mehr zurückzahlen. Sollte dies aber passieren, dürfte es sofort gewaltige Erschütterungen im Finanzsystem geben, möglicherweise schlimmer noch als 2008.
So oder so wären die Konsequenzen verheerend und das kleine Griechenland mit seinen 6 Millionen Einwohnern ist das Zünglein an der Wage, welches das gesamte Eurosystem zum Einsturz bringen könnte. Und dieser Kollaps könnte sich bereits ereignen, bevor die Politik überhaupt das erste Wort gesprochen hat.
Schon machen Gerüchte eines Bankrun die Runde. Wer würde nicht gerne seine wertvollen Euros von der Bank holen, wenn es auch nur eine geringe Wahrscheinlichkeit gäbe, dass er anschließend zu unvorteilhaften Kursen in eine griechische Junk-Währung zum Zwangsumtausch gebeten wird? Eine Währung, die auch noch von einer ultralinken Regierung dominiert wird?
Schon dieses Szenario reicht aus, das gesamte Eurosystem in kürzester Zeit ins Wanken zu bringen. Ein Bankrun führt bei den ohnehin maroden griechischen Banken zum sofortigen Exitus. Kippen aber die Banken in Athen, kippt die westliche Konkurrenz gleich mit.
Das Bankensystem ist zu sehr in sich verwoben, als dass man ein Land einfach ausknipsen kann. Das gleiche gilt übrigens auch für Russland!
Die Rest-Banken im Eurosystem haben nicht nur namhafte Beteiligungen an der griechischen Konkurrenz (insbesondere französische Banken sind stark engagiert), sondern sie sind natürlich auf vollgepumpt mit griechischen Anleihen.
Wenn sie diese aber abschreiben müssen, dann haben wir ein Problem im Bankensystem. Eine explosive Kettenreaktion wäre die Folge. Dann müsste man nicht nur die Banken in Griechenland vorübergehend schließen (Notfallempfehlung von Goldman Sachs falls es kracht), sondern auch die meisten anderen Institute im Eurosystem.
Alles steht auf Messers Schneide. Eine falsche Bewegung, und nicht nur die Eurokrise ist wieder da, sondern auch die Finanzkrise. Eine neue Verwerfung im Finanzsystem dürfte allerdings ungleich größer sein als das, was wir 2008 erlebt haben. Und die Frage stellt sich, ob und wie das System eine neue Krise überhaupt überlebt.
Wahrscheinlich nicht.
Vor diesem Hintergrund könnten Edelmetalle wie Gold und Silber bald in neuem Glanz erscheinen.



