Autoren und Karikaturisten wollen sich von Terroristen nicht einschüchtern lassen – Westergaard: „Ich bin böse, das hilft zu widerstehen“ – Pirincci: „Dann sterbe ich eben“. - Necla Kelek: "Es sind nun die Muslime selbst aufgefordert klar Position zu beziehen.“ - BKA: auch deutsche Medien mögliche Ziele von Terroranschlägen.
Von dem Terroranschlag von Paris wollen sich prominente politische Autoren und Karikaturisten nicht einschüchtern lassen. Der Däne Kurt Westergaard, dessen Mohammed-Karikatur 2005 weltweit Unruhen auslöste und der selbst einen Mordanschlag überlebte, sagte dem Nachrichtenmagazin FOCUS: „Sehr wichtig ist, dass wir nicht zurückfallen hinter bereits Erreichtes. Wir müssen die Meinungsfreiheit verteidigen.“ Es sei zu befürchten, dass Kollegen nach solchen Anschlägen den Mut verlieren und er verstehe diese Furcht gut. Viele Kollegen seien durch Bedrohung teils für lange Zeit traumatisiert worden. „Ich habe nie erwogen aufzuhören. Woher ich die Kraft hatte weiterzumachen, das weiß ich nicht. Ich werde leicht wütend, ich bin böse, das hilft zu widerstehen“, so Westergaard.
Der Autor des Bestsellers „Deutschland von Sinnen“, Akif Pirincci, sagte zu FOCUS: „Das Schlachten hat begonnen! Und es wird noch zunehmen. Ich werde mich von solchen Leuten jedenfalls nicht einschüchtern lassen. Dann sterbe ich eben.“
Die islamkritische Autorin Necla Kelek sagte FOCUS: „Wer gegen Religionskritik ist, ist gegen Meinungsfreiheit und gegen die Grundsätze unseres Konsenses des Zusammenlebens. Es sind nun die Muslime selbst aufgefordert, diese Grundsätze zu schützen und klar Position zu beziehen.“
Der Autor Hamed Abdel-Samad („Der islamische Faschismus“), der immer wieder Morddrohungen erhält, appellierte in FOCUS an alle Nichtmuslime, den schrecklichen Anschlag von Paris nicht für rassistische Attacken auf alle Muslime zu instrumentalisieren. „Appellieren möchte ich auch an die friedliche Mehrheit der Muslime, andere Schlüsse aus dieser Tragödie zu ziehen. Es reicht nicht aus, wie nach jedem Anschlag zu behaupten, dieser habe mit dem Islam nichts zu tun. An alle Imame appelliere ich, statt reflexartig und apologetisch das Image des Islam aufzupolieren, sich und ihre Anhänger zu fragen, welche authentischen Elemente im Islam für den Hass verantwortlich sind. Und wie kann man diese Elemente neutralisieren? Wie viele Menschen müssen noch sterben wegen eines Mannes, der vor 1400 Jahren gestorben ist?“
BKA: auch deutsche Medien Ziele von Terroranschlägen
Das Bundeskriminalamt (BKA) schließt Terroranschläge auf Redaktionen deutscher Zeitungen, Zeitschriften und TV-Sender nicht aus. Das berichtet das Nachrichtenmagazin FOCUS unter Berufung auf ein vertrauliches BKA-Papier mit dem Titel „Gefährdungslage islamistischer Terrorismus“.
Demnach befassen sich deutsche Sicherheitsbehörden seit längerem mit ähnlichen Szenarien wie dem Mordanschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“. Laut FOCUS heißt es in der Analyse: „Islamkritische Ereignisse im Inland könnten sich bundesweit als Tatimpuls für islamistisch motivierte Gewalt gegen Privatpersonen, Medien(vertreter), öffentliche Sicherheitsorgane und deren Personal eignen.“ Zugleich betonen die BKA-Experten, dass sich Anschläge in Deutschland „jederzeit“ ereignen könnten. Den Tätern komme es auf „möglichst hohe Opferzahlen und ein Maximum an infrastrukturellem und wirtschaftlichem Schaden“ an – „bei größtmöglicher medialer Aufmerksamkeit“.



