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EZB QE: wie viele Bio. Schrott?

Die Europäische Zentralbank (EZB) unter Mario Draghi bereitet die Marktteilnehmer schon seit 2012 auf das Quantitative Easing (QE), also den Ankauf von Staatsanleihen, vor. Dass dieser Entschlussheute offiziell gefasst wird, ist nahezu unumstritten.

 

Experten des Finanzportals GodmodeTrader diskutieren über Pro und Contra der von der EZB geplanten geldpolitischen Lockerung

Die Europäische Zentralbank (EZB) unter Mario Draghi bereitet die Marktteilnehmer schon seit 2012 auf das Quantitative Easing (QE), also den Ankauf von Staatsanleihen, vor. Dass dieser Entschlussheute offiziell gefasst wird, ist nahezu unumstritten. Doch die Meinungen über diese Maßnahme und ihre Auswirkungen gehen weit auseinander. Bestes Beispiel dafür sind die Statements der Analysten und Redakteure des Finanzportals GodmodeTrader:

 

Jochen Stanzl, Finanzmarktanalyst GodmodeTrader, QE-Befürworter:

„Die Erwartungshaltung, die jetzt im Markt liegt, wurde im Oktober inmitten der Ukraine-Krise aufgebaut. Damals begannen die Anleihen- und Aktienmärkte, sich vom Weltmarkt abzukoppeln. Das war ein tödlicher Moment für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, denn hinter steigenden Anleiherenditen der Südländer und einem einbrechenden Aktienmarkt steht eine sofortige Wiederauflage der Eurokrise. Er hatte reagiert – Mario Draghi sagte damals: ‚Wir werden alles tun, um den Euro zu retten.‘ Hielte er nun weiter still und täte er nichts, würde er damit die Eurokrise wieder zur Haustüre hereinlassen."

 

Oliver Baron, Finanzmarktanalyst GodmodeTrader, QE-Befürworter:

„Die Inflationsrate in der Eurozone entfernt sich immer weiter vom EZB-Ziel bei knapp unter 2 % und ist im Dezember sogar in den negativen Bereich gerutscht. Gleichzeitig liegt die Arbeitslosenquote in Europa weiterhin in der Nähe ihres Rekordhochs. In diesem Umfeld ist es offensichtlich, dass die bisherigen Maßnahmen der EZB zur Ankurbelung von Konjunktur und Inflation nicht ausreichend waren. Trotz der Kritik aus Deutschland ist es nur folgerichtig, dass jetzt auch in der Eurozone (wie zuvor u.a. in den USA, Großbritannien und Japan) ein Programm zur quantitativen Lockerung beschlossen wird. Strukturreformen in den Krisenstaaten bleiben aber dringend notwendig, um die Eurozone wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückzuführen.“

 

Thomas Gansneder, Finanzmarktanalyst GodmodeTrader, QE-Skeptiker:

„Das von der EZB zu erwartende Programm zum Kauf von Staatsanleihen (QE) ist vergleichbar mit dem Griff eines Ertrinkenden nach dem Strohhalm. Der Notenbank des Euro-Raums sind alle anderen konventionellen und unkonventionellen Instrumente ausgegangen. Positive Auswirkungen auf die Realwirtschaft sind nicht zu erwarten. Die Renditen im Euroraum befinden sich schon jetzt auf einem Rekordtief. Zudem haben die Banken des Euroraums kein Liquiditätsproblem. Grund für die schleppende Kreditvergabe ist nicht eine zu strikte Vergabepolitik der Banken, sondern die schwache Kreditnachfrage von Unternehmen und Verbrauchern und die teilweise mangelnde Bonität der Schuldner. Zusätzliche Liquidität wird daran nichts ändern. Das frische Geld wird stattdessen die Aktien-, Anleihen- und Immobilienmärkte weiter befeuern und die Blasenbildung vorantreiben. Die Risiken dieses Programms sind unübersehbar und stehen in keinem Verhältnis zu den möglicherweise positiven Effekten."

 

Daniel Kühn, Chefredakteur GodmodeTrader, QE-Skeptiker:

„Möglicherweise ist QE in der Lage, die Inflationserwartungen zu erhöhen. Die tatsächliche Inflationsrate, gemessen an den Konsumgüterpreisen, kann es jedoch direkt kaum beeinflussen: Wenn eine Bank Anleihen an die EZB verkauft, geht sie mit dem Erlös nicht im Supermarkt einkaufen. Und wer jetzt aus angemessener Vorsicht Kredite nur vergibt, wenn die Bonität des Schuldners dies erlaubt, wird es hoffentlich auch weiterhin tun. Am ehesten dürfte die Inflationsrate über den deutlich schwächeren Euro ansteigen, wobei man betonen muss, dass diese ‚importierte Inflation‘ die schlechteste Form der Geldentwertung ist. Sie ist nämlich nicht auf eine erhöhte Nachfrage zurückzuführen, sondern schlicht auf einen Vermögensverlust der Inländer durch die Währungsabwertung.

Die EZB muss unbedingt aufpassen, dass sie es mit QE nicht übertreibt. Der Euro darf nicht zu stark abwerten, sonst wird es womöglich völlig unerwartet nötig werden, zur Stützung eine Zinserhöhung durchzuführen. Ein zweiter Black Swan nach dem SNB-Entscheid? Vielleicht sollte die EZB aber tatsächlich darüber nachdenken, dem Markt schon bald zu signalisieren, dass die extreme Niedrigzinspolitik nicht ewig anhalten kann. Viel gefährlicher als niedrige verankerte Inflationserwartungen sind nämlich langfristig verankerte Niedrigzinserwartungen."

Weitere Statements auf www.godmode-trader.de

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