Commerzbank-Chef trommelt für Konsolidierung der Branche. Martin Blessing hält deutschen Markt für zu kleinteilig und hofft auf weiteres Kundenwachstum / CEO scheut direkte Aussage zu Postbank
Mitten in der Diskussion über die Zukunft der Postbank hat Commerzbank-Chef Martin Blessing Interesse an einer weiteren Konsolidierung der Branche in Deutschland geäußert. „Anderswo in Europa können Banken bis zu 35 Prozent Eigenkapitalrendite im Privatkundengeschäft verdienen, der deutsche Markt ist dafür viel zu zersplittert“, sagte Blessing dem manager magazin (Erscheinungsdatum: 24. April). Ohne konkret auf die Postbank eingehen zu wollen, sagte Blessing weiter: „Wir glauben daher, dass man neue Kunden gewinnen muss, um die Kapazitäten besser auszulasten. Deshalb wollen wir im Privatkundengeschäft wachsen.“ Dort betreut die Commerzbank derzeit rund 15 Millionen Kunden.
Die Postbank-Mutter Deutsche Bank sondiert derzeit den Verkauf ihres Privatkundengeschäfts. Zur Wahl stehen zwei Varianten: Entweder trennt sich der Konzern lediglich von der Postbank mit ihren 14 Millionen Kunden, indem er die Tochter an einen Konkurrenten verkauft oder an die Börse bringt; oder er schlägt sogar das komplette Retailgeschäft mit insgesamt rund 28 Millionen Kunden los, zu dem auch die Deutsche-Bank-Aktivitäten im Massenmarkt gehören. Am Freitag dieser Woche will der Aufsichtsrat des größten deutschen Geldhauses über die Optionen beraten, die ihm der Vorstand vorlegen will. Die Tendenz geht in Richtung Postbank-Verkauf.
Nach Informationen von manager magazin wird in der Bundesregierung derzeit auch über eine Kombination von Commerzbank und Postbank nachgedacht. Der Bund hält 17 Prozent der Commerzbank-Aktien, die er im Zuge der Verstaatlichung des Instituts nach der Finanzkrise erworben hatte. „Über Gerüchte aus Berlin kann und will ich mich nicht äußern. Davon habe ich in den vergangenen Jahren schon zu viele gehört“, sagte Blessing dazu.



