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Der Shareholder-Value-Denkfehler

Wer die Steigerung des Eigenkapitalwerts zum obersten Ziel unternehmerischer Tätigkeit erhebt, der lässt wenig Raum für Unternehmensstrategien. Er treibt Management und Belegschaft mit der Entwicklung von Aktienkursen vor sich her.

 

Von Dirk Heinen

Der 1986 von Alfred Rappaport entwickelte und publizierte “Shareholder-Value-Ansatz” ist im Grunde genommen nur eine Methode zur Ermittlung des Eigenkapitalwerts eines Unternehmens, unter Berücksichtigung zukünftig erwarteter Erträge. Was sich daraus entwickelte ist eine Management-Doktrin, die CEOs nicht zuletzt auch rechtlich dazu verpflichtet der Mehrung des Eigenkapitalwerts alles andere unter zu ordnen.

 

Wer die Steigerung des Eigenkapitalwerts zum obersten Ziel unternehmerischer Tätigkeit erhebt, der lässt wenig Raum für Unternehmensstrategien. Er treibt Management und Belegschaft mit der Entwicklung von Aktienkursen vor sich her, die zunehmend durch wertschöpfungsfremde Faktoren (etwa die gigantischen Geldvermögen, die nach Anlagen suchen) im Nanosekundentakt gebildet werden.

 

Dass “Shareholder-Value” keine Unternehmensstrategie sein kann, das sagt mittlerweile selbst der berühmte Jack Welch, langjähriger CEO von General Electric: “On the face of it, shareholder value is the dumbest idea in the world. Shareholder value is a result, not a strategy… Your main constituencies are your employees, your customers and your products.”  Welch bekennt sich hier zu einer Denkweise, die es schwer hat gegen den an Hochschulen und in börsennotierten Großkonzernen etablierten und rechtlich untermauerten Mainstream.

 

Dabei ist der Denkfehler der “Shareholder-Value”-Fraktion offensichtlich und seit Jahrzehnten in der Managementliteratur beschrieben. So etwa von dem Bestsellerautor, Unternehmensberater und Professor für Unternehmensführung, Fredmund Malik. Neben seinen Lehren über wirksames Management und seinen netzwerktheoretischen Methoden zur Strategieentwicklung (Syntegration) schreibt Malik Unternehmensführern seit Jahren auch immer eines ins Stammbuch: der Kunde muss im Zentrum unternehmerischer Tätigkeit stehen!

 

Jede Wertschöpfung eines Unternehmens ist immer eine Wertschöpfung für den Kunden und immer bewertet durch den Kunden. Kauft der Kunde die Produkte eines Unternehmens nicht mehr, dann gibt es auch keine Gehälter, keine langfristigen Mittel für Investitionen und dann ist das Kapital eines Unternehmens (ob nun Eigen- oder Fremdkapital) auch wertlos – schließlich lässt sich damit nichts Wertvolles produzieren. Damit sollte es auch im Interesse der Eigentümer sein, den Kundennutzen über alle anderen Interessen zu stellen, auch über die eigenen Gewinninteressen. So einfach ist das.

derkontexter.com

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