ifo-Präsident Hans-Werner Sinn befürwortet den Euro als Parallelwährung für Griechenland
In einer Sonderausgabe des ifo Schnelldienstes beziffert Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts, die Höhe der öffentlichen Kredite, die Griechenland bis Ende März 2015 von den anderen Staaten und Institutionen erhalten hat, auf insgesamt 325 Mrd. Euro. Ein Drittel dieses Geldes diente der Finanzierung des griechischen Leistungsbilanzdefizits, ein Drittel der Schuldentilgung, und ein Drittel wurde für eine Kapitalflucht griechischer Bürger und Institutionen ins Ausland eingesetzt.
Griechenland würde von einem Austritt aus dem Euro profitieren, denn er würde eine Abwertung ermöglichen und dazu führen, dass griechische Konsumenten wieder einheimische anstelle importierter Produkte kaufen. Für eine Übergangsperiode, zumindest solange, bis neue Banknoten gedruckt sind, braucht Griechenland nach Ansicht Sinns zwei Währungen, eine neue nationale als gesetzliches Zahlungsmittel und den Euro als Parallelwährung. Eine bloße Ausgabe von staatlichen Schuldscheinen, die nicht als gesetzliches Zahlungsmittel fungieren, wäre kein Beitrag zur Lösung des griechischen Wettbewerbsproblems. Zwar könnte eine Zweitwährung auf der Basis staatlicher Schuldscheine das Liquiditätsproblem des griechischen Staates beheben, aber sie würde weder die fehlende Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft wiederherstellen noch die Gefahr einer neuen Konkurswelle abwenden.
Dies gelingt nur, wenn Griechenland eine neue nationale Währung einführt, diese abwertet und damit den Euroraum verlässt. Die neue Währung muss gesetzliches Zahlungsmittel sein, so dass alle Lohn-, Miet- und Kreditkontrakte abgewertet werden können. Nur so kann die griechische Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig werden.
Download der Sonderausgabe des ifo Schnelldienstes “Die griechische Tragödie” unter
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