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Staatsbankrott: erst Griechenland, dann die ganze Welt?

Warum der Zusammenbruch unseres Weltwährungssystems unvermeidbar ist: Griechenland eröffnet einen Blick in die Zukunft fast aller Industrienationen. - 5 Gründe, warum die Lage heute brisanter ist als je zuvor.

 

Von Claus Voigt

Die Finanzgeschichte ist voller Staatsbankrotte, Bankenkrisen und Inflationen. Vor diesem Hintergrund sind die aktuellen Vorgänge in und um Griechenland nur eine weitere kleine Episode in einer nicht enden wollenden Serie staatlicher Misswirtschaft. Deshalb sollten Sie das Gezerre um den griechischen Staatsbankrott und vor allem die politischen Vorgänge und sozialen Veränderungen in Griechenland selbst sehr genau verfolgen. Denn dieses Schauspiel ist kein kurioser und isolierter Einzelfall. Im Gegenteil. Es ist der Beginn einer ganzen Reihe von Staatspleiten, welche die Bevölkerung der Industrieländer in den kommenden Jahren in Atem halten wird, und die letztlich zum Zusammenbruch des bestehenden Weltwährungssystems führen wird.         

 

Warum der Zusammenbruch unseres Weltwährungssystems unvermeidbar ist    

Um verstehen zu können, warum der Zusammenbruch unseres Weltwährungssystems unvermeidbar ist und wir uns bereits in der Endphase dieses Systems befinden, müssen Sie vor allem die Zusammenhänge kennen, die sich hinter dem folgenden Chart verbergen. Er zeigt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA in Mrd. Dollar in Rot und die US-Gesamtverschuldung in Blau. Die Gesamtverschuldung umfasst die Schulden des Staates, der Wirtschaft und der privaten Haushalte. Sie beträgt in den USA fast 60 Billionen Dollar, während sich das BIP nur auf rund 17 Billionen Dollar beläuft.     

 

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US-Gesamtverschuldung (blau) und Bruttoinlandsprodukt (rot) in Mrd. $, 1950 bis 2015 In den 1970er Jahren begann mit der Abschaffung der Goldbindung eine Schuldenorgie epochalen Ausmaßes. Quelle: St. Louis Fed; www.krisensicherinvestieren.com

 

August 1971 und August 1987 – zwei Daten, deren Bedeutung Sie kennen sollten       

Dieses krasse Missverhältnis nahm seinen Anfang in den 1970er Jahren und erfuhr in den 80ern eine spektakuläre Beschleunigung. Dafür sind zwei Ereignisse ausschlaggebend:

Erstens wurde am 14. August 1971 durch einen Wortbruch des damaligen US-Präsidenten Richard Nixon das Bretton Woods-Weltwährungssystem abgeschafft, das heißt die bis dahin noch teilweise vorhandene Bindung des Dollar an Gold aufgehoben. Damit wurde ein völlig zügelloses Währungssystem geschaffen, das die institutionelle Voraussetzung ist für die Schuldenexzesse, die seither stattgefunden haben.

Zweitens wurde am 11. August 1987 Alan Greenspan zum Präsidenten der US-Zentralbank ernannt. Damit erhielt er ein Amt, das in Friedenszeiten mit mehr Macht ausgestattet ist, als das des US-Präsidenten. Er hat in seiner fast 20-jährigen Amtszeit dafür gesorgt, dass die Verschuldungsmöglichkeiten, die das neue Weltwährungssystem eröffnet hatte, in vollem Umfang ausgeschöpft wurden – ohne Rücksicht auf die Folgen.        

 

Greenspan war der falsche Magier, dem alle wie Lemminge folgten

Greenspan missbrauchte seine mächtige Position also auf schamlose Weise, indem er um kurzfristiger Erfolge willen eine extrem expansive Geldpolitik betrieb. Das Ergebnis sehen Sie beispielhaft für die USA auf meiner Grafik: Die ganze Welt ist hoffnungslos überschuldet und sitzt in der Schuldenfalle – nicht nur Griechenland!

Sobald die nächste große Rezession beginnt, wird sich herausstellen, wie prekär die Situation tatsächlich ist. Dann wird sich der Zusammenbruch dieses unseriösen Weltwährungssystems, in dessen Zentrum die Zentralbanken eine unrühmliche Rolle spielen, nicht noch einmal wie in 2008/09 verhindern lassen. Denn wie die folgenden vier Gründe beweisen, ist die aktuelle Lage sehr viel brisanter als damals.         

 

5 Gründe, warum die Lage heute brisanter ist als je zuvor           

1.   Weltweit ist die Verschuldung seit 2007 drastisch gestiegen, allen voran die Staatsverschuldung.

2.   Der Konzentrationsprozess im Großbankensektor hat weiter zugenommen, die Großbanken sind größer, mächtiger und gefährlicher als je zuvor.  Sie sind nicht nur „too big to fail“, sondern auch „too big to jail“, also zu mächtig, um strafrechtlich für ihre Missetaten belangt zu werden.

3.   Die aktuellen Spekulationsblasen sind noch größer als in 2007 und in 2000. Deshalb werden auch die Folgen ihres Platzens schlimmer sein als damals.

4.   Diesmal stehen die Rentenmärkte im Zentrum der Exzesse. Und die Rentenmärkte sind volkswirtschaftlich sehr viel bedeutender als die Aktienmärkte oder die Immobilienmärkte.

5.   Sowohl die Zentralbanken als auch die Staaten haben ihr Pulver weitgehend verschossen. Sie können nicht noch einmal in ähnlichem Umfang als kurzfristige Krisenbekämpfer aktiv werden wie in 2008/09.      

 

Wenn es tatsächlich möglich wäre, mit der Gelddruckmaschine Wohlstand zu schaffen, dann hätte das Paradies auf Erden längst Einzug gehalten. Und wenn die Gelddruckmaschine Finanz- und Wirtschaftskrisen verhindern könnte, dann würde es schon lange keine Krisen mehr geben.

Krisensicher Investieren -  Claus Vogts und Roland Leuschels Börsenbrief

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