Pläne für Rauswurf von Schuldensündern aus der Eurozone. Finanzminister wollen bei Grexit Schutzwall um Zypern errichten. - GR Außenminister: „Europa kann nach wie vor gute Kompromisse schließen.
Die Euroländer wollen im Falle eines Grexits einen finanziellen Schutzwall um Zypern errichten. Darauf verständigten sich nach Informationen des SPIEGEL die Finanzministerien der verbleibenden Euroländer. Die Inselrepublik gilt von allen ehemaligen Krisenländern als am anfälligsten, weil ihre Wirtschaft am stärksten mit der Griechenlands verflochten ist. Bei Bedarf sollen dem Land zusätzliche Hilfen aus dem europäischen Rettungsschirm ESM gewährt werden.
Im Bundesfinanzministerium gibt es zudem weitreichende Überlegungen, um einen Fall wie Griechenland künftig in der Eurozone zu verhindern. Im Regelwerk der Währungsunion müsse eine Vorkehrung geschaffen werden, ein Land, das sich an keine Regel und Abmachung hält, aus dem Euro zu werfen.
GR Außenminister: „Europa kann nach wie vor gute Kompromisse schließen“
In einem Interview mit dem SPIEGEL erklärte der griechische Außenminister Nikos Kotzias, dass er nach wie vor an die europäische Kultur des Kompromisses glaube: „Vorwürfe vonseiten der Europäer sind nur der öffentliche Teil der Verhandlungen, sie sind da, um Druck aufzubauen. Man muss das alles nicht so ernst nehmen“. Er sei optimistisch, dass es noch am Sonntag beim EU-Gipfel zu einer Lösung komme: „Vielleicht sollte man in Deutschland mehr Bloch lesen, über das Prinzip Hoffnung“, so Kotzias.
Kotzias sagte außerdem, in ihm gäbe es nichts Antideutsches, im Gegenteil, er habe eine große Achtung vor dem deutschen Geist und der deutschen Kultur. Auch Kanzlerin Merkel schätze er: „Sie hat wahrscheinlich mehr als jeder andere in Europa die Fähigkeit, den Zeitfaktor als Machtfaktor zu nutzen. Das ist ein großes Talent, davor muss man Hochachtung haben.“
Der Politiker verteidigte das Referendum, das seine Regierung vergangenen Sonntag abhielt, es habe dem Land „den Stolz, die Hoffnung und die Möglichkeit zu träumen zu- rückgegeben“. Als Pro-Europäer sei seine größte Sorge, dass Europa heute auf Sanktionen, Bestrafungen und Memoranden reduziert werde. „Wir müssen deshalb eine gute Abmachung erreichen, die keine Neuwahlen erfordert.“



