Top-Ökonom: Ohne Draghis Worte würde es den Euro nicht mehr geben
Der Währungsexperte Paul De Grauwe lobt die “Whatever it takes“-Rede von EZB-Chef Mario Draghi als Trendwende in der Euro-Krise. „Ohne Draghis Worte und das OMT-Programm würde es den Euro heute nicht mehr geben“, sagte De Grauwe im Interview mit dem Handelsblatt.
Vor fast genau drei Jahren am 26. Juli 2012 hatte Draghi vor Investoren in London gesagt: Die EZB werde „alles Notwendige tun“ („whatever it takes“), um den Euro zu erhalten. „Und glauben Sie mir, es wird genug sein.“ Kurze Zeit später legte die EZB das sogenannte OMT-Programm auf, mit dem sie im Notfall unbegrenzt kurzläufige Anleihen einzelner Euro-Länder kaufen kann.
Aus Sicht von De Grauwe hat die EZB durch ihr Eingreifen die Zweifel am Euro „auf einen Schlag zerstreut.“ Die Existenzangst um den Euro aus dem Sommer 2012 gebe es heute nicht mehr. Allein! e die Ankündigung des OMT-Programms habe ausgereicht, um das Vertrauen in die Euro-Zone zu stabilisieren. Seither sei der Zinsabstand zwischen den Euro-Ländern mit Ausnahme Griechenlands deutlich zurückgegangen.
Einen sinkenden Anreiz zu Reformen durch die geringeren Zinsen fürchtet De Grauwe nicht. „Griechenland, Spanien und Portugal haben in jüngster Zeit die meisten strukturellen Reformen gemacht - Deutschland dagegen praktisch keine“, sagte De Grauwe.



