Short-Eindeckungen unterstützen Preiserholung bei Gold und Silber. - Iran rechnet nach Aufhebung der Sanktionen mit weiterem Anstieg der OPEC-Produktio.
Von Commerzbank Commodity Research
Energie:
Die Ölpreise stehen weiter unter Druck. Ein Unterschreiten des vor einer Woche verzeichneten 6½-Monatstief von gut 48 USD je Barrel bei Brent bzw. des Ende letzter Woche bei 41,35 USD je Barrel erreichten 6½-Jahrestief bei WTI scheint nur noch eine Frage der Zeit. Neues Wasser auf die Mühlen der Bären goss gestern der Iran. Dessen OPEC-Vertreter gab zu verstehen, dass die Ölproduktion der OPEC auf ein Rekordniveau von 33 Mio. Barrel pro Tag steigen könnte, wenn die internationalen Sanktionen gegen sein Land aufgehoben werden.
Offensichtlich rechnet der Iran selbst nicht damit, dass die anderen OPEC-Länder Platz für das zusätzliche Angebot aus dem Iran machen werden, so dass das gesamte OPEC-Angebot um 1 Mio. Barrel pro Tag steigt. Das Überangebot würde dann auch im nächsten Jahr bei gut 2 Mio. Barrel pro Tag liegen, selbst wenn die Nachfrage nach OPEC-Öl wie von der IEA erwartet auf 30,8 Mio. Barrel pro Tag steigt. Die OPEC scheint angesichts dieser Entwicklung wie ein zahnloser Tiger. Darauf deuten auch Kommentare des algerischen Ölministers hin. Dieser sieht die OPEC außerstande, allein für einen Marktausgleich zu sorgen und ruft daher die Nicht-OPEC-Länder auf, an einer Angebotsreduktion zu beteiligen. Dazu wird es auf freiwilliger Basis allerdings kaum kommen.
Die Nicht-OPEC-Produzenten werden ihr Angebot nur dann kürzen, wenn die Produktion für sie nicht mehr rentabel ist. Das setzt dauerhaft niedrige Preise voraus. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die spekulativen Finanzanleger immer weniger an eine Preiserholung glauben. Sie reduzierten ihre Netto-Long-Positionen bei Brent in der Woche zum 11. August um weitere 20 Tsd. Kontrakte und damit zum vierten Mal in Folge deutlich.
Edelmetalle:
Gold behauptet sich weiterhin nahe der Marke von 1.120 USD je Feinunze. Unerwartet schwache US-Konjunkturdaten ließen Gold gestern vorübergehend über diese Marke steigen, weil dadurch die Zinserhöhungserwartungen für die Fed-Sitzung im September wieder reduziert wurden und der US-Dollar unter Druck geriet. Selbst die erneute Aufwertung der US-Währung im späteren Handelsverlauf setzte Gold nicht mehr nennenswert unter Druck, was für einen einsetzenden Stimmungswechsel bei Gold spricht.
Die spekulativen Finanzanleger haben ihre Netto-Short-Positionen bei Gold in der Woche zum 11. August zwar auf 5,4 Tsd. Kontrakte halbiert, setzen aber noch immer mehrheitlich auf fallende Preise. Der Preisanstieg seither deutet auf weitere Short-Eindeckungen seitens der Spekulanten hin. Auch bei den Gold-ETFs scheint der Verkaufsdruck nachzulassen. Diese verzeichneten in der letzten Woche erstmals seit Ende Juni keine Abflüsse mehr.
Der weltgrößte Gold-ETF, SPDR Gold Trust, vermeldete sogar Zuflüsse. Im Juli hatten die Gold-ETFs noch die stärksten Monatsabflüsse seit Dezember 2013 verzeichnet. Bei Silber sind die Ende Juli noch beträchtlichen Netto-Short-Positionen inzwischen nahezu vollständig verschwunden. Die Preiserholung bei Silbers um 7% seit Anfang August auf 15,5 USD je Feinunze war somit zu großen Teilen auf Short-Eindeckungen zurückzuführen, was eine Fortsetzung des Preisanstiegs ohne die Unterstützung von Gold fraglich erscheinen lässt.



