Der Chef des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater blubbert im Handelsblatt über Wirtschaft und Geldpolitik. Doch die wesentlichen Fakten hat er nicht verstanden. Immerhin geht er von einer wirtschaftlichen Kontraktion aus, glaubt aber gleichzeitig, dass Aktienkurse kaum sinken, weil die Notenbanken Vollgas geben.
Ray Dalio, Chef des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater, glaubt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik noch weiter lockern muss: „In sechs, spätestens in zwölf Monaten muss die geldpolitische Lockerung über den Aufkauf von Anleihen, das sogenannte Quantitative Easing, nochmals beschleunigt werden. Es gilt, den Kurs des Euros zu drücken. Das ist die einzige Möglichkeit, um die Wettbewerbsfähigkeit der Euro-Zone zu erhöhen und das Wachstum anzukurbeln“, sagte Dalio im Interview mit dem Handelsblatt.
An eine schnelle Lösung der Euro- und Griechenlandkrise glaubt Dalio nicht: Griechenland „wird noch lange in der Krise bleiben und Deutschland der Grausamkeit bezichtigen. Lediglich während der Großen Depression in den USA war die Lage eines Landes jemals schlechter. Ganz ehrlich, wenn es die Möglichkeit gäbe, die Situation mit einem gemanagten Zahlungsausfall zu entschärfen, würde ich sie in Betracht ziehen.“
Nach den jüngsten Verwerfungen an den Börsen warnt Dalio, dass China seine „Wirtschaft und seine Schulden restrukturieren muss“, und vergleicht die Situation der Volksrepublik mit einer „Herztransplantation“, die den Patienten zwar langfristig stärke, kurzfristig aber belaste. Deshalb werde China als Lokomotive der globalen Konjunktur erst einmal ausfallen.
„Nicht nur das chinesische Wachstum wird sich abschwächen, sondern das Wachstum der gesamten Welt“, prophezeit Dalio und fügt hinzu: „Generell gesehen befinden wir uns am Ende eines langfristigen Schuldenzyklus – und das lastet schwer auf dem Wachstumspotenzial. Nicht nur in China, auch in Europa und den USA sieht die Schuldensituation nicht gut aus.“
Einen Crash an den Märkten fürchtet der Hedgefonds-Manager dessen Firma knapp 170 Milliarden Dollar verwaltet, dennoch nicht: Die Liquiditätsschwemme der Notenbanken „treibt die Wertpapierpreise in die Höhe und schafft damit einen gewissen Wohlstandseffekt, der die Wirtschaft stützt“ , erläutert Dalio. „Weil dieser Stimulus durch frisches Geld statt durch Schulden finanziert ist, haben wir es nicht mit einer Blase zu tun. So lange die Notenbanken ihre Geldpolitik nicht verschärfen, muss die Liquidität irgendwo hin. Deshalb sind die Kurse nicht sehr anfällig, Korrekturen kann es aber natürlich geben“, meint der Hedgefonds-Manager.
Anmerkung der Redaktion:
Selbst der Chef des größten Hedgefonds der Welt hat offenbar die Geldordnung nicht verstanden indem er sagt: „Weil dieser Stimulus (der Notenbanken) durch frisches Geld statt durch Schulden finanziert ist, haben wir es nicht mit einer Blase zu tun." Völliger Unsinn. Neues oder frisches Geld ist immer neue Schulden - denn: Geld = Schuld.
Und: „Generell gesehen befinden wir uns am Ende eines langfristigen Schuldenzyklus – und das lastet schwer auf dem Wachstumspotenzial. Nicht nur in China, auch in Europa und den USA sieht die Schuldensituation nicht gut aus.“
Wie sollen unter diesen Umständen Börsenkurse steigen? Ray Dallo zeichnet selbst ein deflatorisches Szenario. Was er jedoch ausblendet: Ohne Wachstumsaussichten droht ein Börsencrash! - Da können Notenbanken drucken, was sie wollen.
Mit Griechenland mag er ja prinzipiell Recht haben - spielt aber auch keine Rolle mehr. Wenn man den Griechen die Schulden erlässt, kommen die PISF (Portugal, Irland, Spanien, Frankreich) nach und fordern das Gleiche. Genau das will Ray Dallo aber offensichtlich, damit der Euro absäuft. Offenbar spekuliert er in diese Richtung. Seine Aussagen und "Einschätzungen" sind also von der Ausrichtung seiner Spekulation getrieben. Auch wenn er sie im Handelsblatt veröffentlicht, dürfte die normative Kraft des Faktischen jedoch seine Manipulationsversuche aushebeln.
Fazit:
Die 170 Mrd. kann der weltgrößte Hedgefondsmanager Ray Dallo schon mal ausbuchen. Höchstwahrscheinlich ist er mit hoher Leveragequote (zusätzlichen Krediten) am Aktienmarkt investiert. Deshalb versucht er auch, die Aktienmärkte schön zu reden. Außerdem scheint er short (Spekulation auf fallende Kurse) beim Euro zu sein. Doch beide Wetten werden nicht aufgehen.
Wenn jedoch sein deflatorisches Szenario eintritt - und dafür spricht vieles - erleben wir eine Halbierung an den Börsen. Und dann ist der weltgrößte Hedgefonds Vergangenheit. Die Abwärtsbewegung an den Weltmärkten erfährt wahrscheinlich dann ihren finalen Sell Off, wenn der gute Herr gezwungen ist, seine Postitionen zu liquidieren. Das dürfte ein eher unschöner Tag an den Finanzmärkten werden.



