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Impfstoffe werden knapp

In Deutschland werden die Impfstoffe knapp. Nach Angaben des für die Zulassung zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) gibt es derzeit bei gut zwei Dutzend Präparaten in Deutschland Lieferengpässe, b...

In Deutschland werden die Impfstoffe knapp. Nach Angaben des für die Zulassung zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) gibt es derzeit bei gut zwei Dutzend Präparaten in Deutschland Lieferengpässe, berichtet die "Welt". Neben Impfstoffen gegen Diphterie oder Polio seien auch mehrere Grippe-Impfstoffe betroffen, die teilweise erst wieder ab dem kommenden Jahr verfügbar sein werden. Grund für die Lieferprobleme ist den Herstellern zufolge in den meisten Fällen die weltweit unerwartet starke Nachfrage.

Mehrere große Pharmahersteller warnten jedoch davor, die Ursache des Problems auf die Flüchtlingskrise zu schieben. "Man muss das ganz klar sagen: Die Lieferengpässe, die derzeit in Deutschland bestehen, hätten wir auch ohne die Flüchtlinge. Die Nachfrage ist weltweit gestiegen - und das lokale Angebot kann da nicht sofort Schritt halten", sagte Klaus Schlüter, Geschäftsführer bei Sanofi Pasteur MSD der "Welt".

Während das PEI den Impfschutz in Deutschland dennoch nicht gefährdet sieht und auf alternativ verfügbare Impfstoffe verweist, befürchtet der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, dass ausgerechnet die Jüngsten in diesem Jahr nicht angemessen versorgt werden können.

Die Lieferengpässe könnten auch die Pläne der Bundesländer und Kommunen durchkreuzen, den Flüchtlingen - wie von Medizinern empfohlen - rechtzeitig vor Beginn der Wintersaison ausreichend Grippe-Impfschutz zur Verfügung zu stellen. Kommunen und Pharmahersteller verhandeln daher momentan mit Nachdruck über mögliche Lösungen.

"Wir sind bereits mit mehreren Bundesländern und Kommunen in Kontakt, um zu klären, wie sich eine möglichst flächendeckende Impfversorgung der Flüchtlinge umsetzen lässt", sagte Schlüter. Zwar sei die Produktion des Grippe-Impfstoffs - die in der Regel sechs Monate dauert - bereits im August abgeschlossen worden, eine nachträgliche Produktion nicht mehr möglich. "

Allerdings versuchen wir derzeit, von unseren Standorten in Europa größere Kontingente des Influenza-Impfstoffs nach Deutschland umzuleiten, um den gestiegenen Bedarf abdecken zu können. Die Rückmeldungen dazu sind bisher positiv."

Schlüter sieht angesichts der Flüchtlingskrise die Hersteller auch in der Pflicht, die Versorgungslücken zu schließen: "Es wäre aus medizinischer Sicht unverantwortlich, Menschen, die in Flüchtlingsunterkünften auf engstem Raum zusammenleben, nicht gegen hochgradig ansteckende Krankheiten wie etwa die saisonale Grippe oder die Masern zu impfen."

Ähnlich äußerte sich auch der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK), einer der größten Impfstoffhersteller weltweit. Ein Expertenteam des Konzerns verhandelt nach eigenen Angaben mit einigen Bundesländern derzeit über den Bezug von Impfstoffen für die Versorgung von Flüchtlingen. "Vor dem Hintergrund der angespannten Liefersituation ist das durchaus eine Herausforderung", teilte GSK mit. "Wir distanzieren uns aber nachdrücklich davon, die derzeitigen Lieferengpässe in einen kausalen Zusammenhang mit dem Zustrom von Asylsuchenden zu stellen."

Vielmehr seien die Lieferprobleme bei dem neuen, sogenannten tetravalenten Grippe-Impfstoff des Konzerns, der gegen insgesamt vier Virusstämme wirkt, auf eine unerwartet hohe Nachfrage zurückzuführen. Der Impfstoff sei nun in Deutschland nicht mehr vorrätig, und - weil eine kurzfristige Nachproduktion nicht möglich sei - erst wieder ab der kommenden Saison 2016/2017 verfügbar.

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