Umfrage: AfD erstmals 10%. Parteienforscher: Zuspruch für AfD könnte wegen Flüchtlingskrise weiter zunehmen. "wenn sich immer mehr Leute hiermit von den anderen Parteien alleingelassen fühlen, dann wird der Zuspruch für die AfD weiter ansteigen“
Der Streit um den richtigen Kurs in der Flüchtlingspolitik kostet die Unionsparteien nach einem Bericht von "Bild" (Dienstag) weiter Zustimmung in der Wählergunst. Wäre am Sonntag Bundestagswahl, kämen CDU/CSU nur noch auf 34 Prozent, ergibt der neue INSA-Meinungstrend für "Bild". Das sind 1,5 Punkte weniger als in der Vorwoche. Zulegen kann dagegen vor allem die AfD. Die Partei gewinnt zwei Punkte hinzu und kommt erstmals auf zehn Prozent.
Ebenfalls Zugewinne verbuchen die Linkspartei mit einem Punkt auf elf Prozent und die FDP mit einem Plus von 0,5 Punkten auf sechs Prozent. Dagegen verliert die SPD einen halben Punkt auf 24 Prozent. Die Grünen sind stabil bei zehn Prozent. INSA-Chef Hermann Binkert sagte gegenüber "Bild": "Der Streit in der Union und in der Regierung hat Folgen. Wir erleben wegen der Flüchtlingskrise einen gravierenden Stimmungsumschwung. Von der Schwäche der Union profitieren AfD und FDP." Für den INSA-Meinungstrend im Auftrag von "Bild" wurden vom 6. bis zum 9. November 2015 insgesamt 2.017 Wahlberechtigte befragt.
Parteienforscher: Zuspruch für AfD könnte wegen Flüchtlingskrise weiter zunehmen
Der Berliner Parteienforscher Oskar Niedermayer hält es für möglich, dass die Alternative für Deutschland (AfD) angesichts der Flüchtlingskrise in der Wählergunst weiter zulegen wird. „Wenn, wie die Umfragen zeigen, immer mehr Leute das Gefühl haben, die Politik habe die Kontrolle über das Problem verloren, wenn die Ängste und Sorgen der Bevölkerung über die gesellschaftlichen und ökonomischen Folgen der Flüchtlingswelle immer größer werden, wenn sich immer mehr Leute hiermit von den anderen Parteien alleingelassen fühlen, dann wird der Zuspruch für die AfD weiter ansteigen“, sagte Niedermayer dem Handelsblatt.
Der Politik-Professor an der Freien Universität zu Berlin warnte zugleich davor, die AfD mit Rechtsextremisten gleichzusetzen. Die heutige AfD stehe zwar „deutlich weiter rechts“ und binde mit dem Thüringer AfD-Fraktion! schef Björn Höcke und seinen Mitstreitern auch „völkisch-rechtsextreme Positionen“ ein. „Das bedeutet aber nicht, dass alle potenziellen Wähler der AfD Rechtsextremisten sind“, sagte Niedermayer.



