Erster Fall von negativem Ölpreis in USA. - Derzeit kein Boden in Sicht. Kommt das Undenkbare: Ein negativer Ölpreis für WTI? - Passt doch gut in die Welt von Negativzinsen und auch negativen Strompreisen. - Dramatische Konsequenzen für Banken.
Von Michael Mross
Die Welt steht schon seit einiger Zeit auf dem Kopf. Schäuble bekommt für Schulden noch Geld: Minuszinsen. Die Zeche zahlt der Sparer. Die Null- bzw. Negativzinsen sind praktisch eine zweite Steuer. Die Zins-Einsparungen sind Mehreinnahmen des Staates und zwar pro Jahr rund 30 Mrd. Euro - Geld, das früher als Zinsen gezahlt werden musste und eigentlich den Sparern zusteht.
Doch nicht alles Negative ist schlecht - wenn da nicht die Politik wäre. An den Strombörsen kommt es immer häufiger zu Minuspreisen: Wer Strom abgenommen bekommen will, muss auch noch draufzahlen.
So hätten sich die Schöpfer des Kapitalismus das sicherlich nicht gedacht, aber diese haben ja auch die Rechnung ohne eine Amok-laufende Politik gemacht. Denn: Negativ-Preise im Solar und Windkraft sind politisch ausgeschlossen. Nur Kraftwerksbetreiber müssen draufzahlen, wenn sie Strom produzieren, der zu bestimmten Zeiten keine Abnehmer findet (weil mal wieder der Wind stark bläst).
Das ist die schöne neue EEG Welt. Mein Rat deshalb: Alle Kraftwerke abschalten. Sollen doch die Grünen schauen, wo sie Ihren Strom herbekommen. Zur Not gehen bei Windstille eben nachts die Lichter aus.
Womit wir beim Problem wären: Man kann eben Kraftwerke nicht einfach an und aus schalten. Es ist deshalb zeitweilig "billiger" Geld zu zahlen, damit der Strom abgenommen wird. Ein Kraftwerk ohne Verbrauch zerstört sich nämlich innerhalb Minuten von selbst. Deshalb sind Kraftwerke auf Stromverbrauch angewiesen. Wenn aber mal der Wind stark bläst in unserer Windrad-Deppen-Republik, dann haben herkömmliche Kraftwerke plötzlich ein Problem. Folge: Sie zahlen Bares, damit der Strom verbraucht wird.
Es wäre ja schön, wenn Negativ-Preise wenigstens beim Verbraucher ankämen. Doch das verhindert "grüne Umweltpolitik". Im Gegenteil, Strom wird von Jahr zu Jahr teurer - trotz Überangebots. Eine starke Leistung der Politik!
Damit sind wir beim Öl. Weltweit sprudeln Ölquellen Millionen Barrel aus dem Boden. Doch offensichtlich gibt es ein Überangebot. Folge: Der Ölpreis fällt. Schon kaufen Hedgefonds Tanker, um das schwarze Gold darin zu lagern in der Hoffnung auf höhere Preise. Doch die Spekulation geht nicht auf. Der Ölpreis fällt weiter.
Nun kommt noch der Iran auf den Markt. Und damit sind wir beim "Kraftwerksproblem". Man kann nämlich eine Ölquelle nicht einfach abstellen. Die Ölproduzenten sind auf Abnahme angewiesen. Sollte sich das Überangebot aber weiter zuspitzen, dann müssen Ölanbieter ihr "schwarzes Gold" negativ versilbern. D.h. Sie müssen dafür zahlen, dass ihnen das Öl abgenommen wird.
Ein negativer Ölpreis ist also gar nicht so unwahrscheinlich. Unwahrscheinlich dagegen ist, dass deutsche Verbraucher davon profitieren. Dafür wird die schwarzrotgrüne Politik schon sorgen.
Schon jetzt ist eine Erhöhung der Benzinsteuer im Gespräch. Trotz Rekordsteuereinnahmen sind die sogenannten "Volksvertreter" in Berlin doch sehr pfiffig, bei ihren Untertanen immer neue Abgaben abzupressen.
1. Fall von negativem Ölpreis in USA
Aber zurück zum Öl. Negativpreise? Seit gestern gibt es sie schon, nämlich in den USA. Dort verlangt ein Ankäufer nun Geld, um Rohöl zu verarbeiten. Der Raffineriebetreiber Flint Hills Ressources teilte mit, er zahle für einen Barrel North Dakota Sour -0.50 US-Dollar. Vor einem Jahr hatte die Firma das hochschwefelhaltige Rohöl noch mit 13,50 US-Dollar gelistet, im Januar 2014 waren es 47,60 US-Dollar.
Grund: zu wenig Leitungskapazitäten für bestimmte Arten niederklassigen Rohöls.
Doch was heute für eher exotische Ölsorten gilt, könnte morgen schon für WTI und Brent drohen: Negative Preise bei Abnahme wegen Überangebots. Die Raffinerien verlangen dann Geld, um Öl anzunehmen. Schöne neue Welt?
Geldsystematisch ist das der GAU. Am Öl hängt eine billionenschwere Kreditpyramide inklusiver ganzer Staaten mit ihren Budgets. Mit anderen Worten: bei weiter sinkenden Ölpreisen könnte das Geldsystem zerbrechen - wegen Massenpleiten der Banken. Was hier droht, kann man in Deutschland schon an den Kursen von Deutscher Bank und Commerzbank ablesen. Diese notieren in der Nähe der Krisentiefs von 2008. Nicht anders sieht es bei vielen anderen Finanzhäusern Europas aus, besonders schlimm wieder mal in Frankreich. Aber selbst Norwegen kommt unter die Räder.
Ein Verfall der Öl-Assets muss analog zur Subprime-Krise in den USA gesehen werden. Dort fielen die Häuserpreise und die Banken standen im Regen mit ihren Krediten. Die Folgen sind bekannt.
Wenn der Ölpreis weiter fällt, dürfte das noch viel gravierende Folgen haben als die damalige Subprime-Krise, die als Auslöser der Finanzkrise gilt. Denn es ist einfach mehr Geld im Spiel. Und es sind viel mehr Staaten betroffen. Der Mittlere Osten inklusive Saudi-Arabien dürfte implodieren und in Anarchie versinken. Fest steht jedenfalls heute schon: bei 30 $ / Barrel ist Saudi Arabien pleite. Und leider auch Russland. Hier wurde das Jahresbudget auf Basis von 50$ / Barrel geplant. Sollte der Ölpreis weiter fallen, droht auch Russland der Staatsbankrott.
Was dann kommt, weiß niemand. Die Notenbanken dürften das Geschehen sicherlich genau verfolgen. Ob sie das Geldsystem noch mal retten können, werden wir sehen.



