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Banken: Alarmstufe Rot

Die Kurse der Banken weltweit stürzen auf teils historische Tiefs. Das könnte ein böses Omen sein. Droht eine neue Finanzkrise, die noch katastrophaler sein wird als 2008 / 2009? - Hedgefonds-Manager: Einige Banken könnten auf Null fallen.

 

Von Uli Pfauntsch

In der Diskussion um die Flüchtlingskrise und den Ölpreis, wurde kaum beachtet, dass die europäischen Bankaktien in den freien Fall übergingen und auf Mehrjahrestiefs gesunken sind. Selbst die Aktie der Deutschen Bank ist zuletzt unter das Tief der globalen Finanzkrise 2008/2009 abgestürzt. Bei der Commerzbank sieht es nicht viel besser aus. Muss man jetzt mit dem Schlimmsten rechnen?

 

Der frühere Hedgefonds-Manager und Goldman-Sachs-Mann, Raoul Pal, sagte am Dienstag auf CNBC: „So viele dieser Bankaktien fallen so heftig. Ich glaube, dass die Leute noch nicht einmal merken, was vor sich geht, und das macht mir wirklich Sorge“.

 

In dem Interview sagt der Gründer von Global Macro Investor, dass eine oder mehrere Banken auf Null fallen könnten. Auf der Liste der in Bedrängnis geratenen Banken stehen:

  • Deutsche Bank
  • UniCredit S.p.A.
  • Banca Carige S.p.A.
  • Banco Santander
  • Bankia S.A.
  • Banca Monte dei Paschi
  • Royal Bank of Scotland
  • Barclays Capital

 

Kursverlauf Deutsche Bank: Tiefer als zur Finanzkrise 2009
 

“Draghi” schlimmster Albtraum der Banken!

Im Interview mit CNBC, bezeichnet Raoul Pal den EZB-Präsident Drahgi als „schlimmsten Albtraum“ für die Banken. Es seien hauptsächlich die Negativzinsen, mit denen Banken nicht umgehen könnten, was sich auch schon lange bei den japanischen Banken zeigt. Der ehemalige Mitarbeiter von Goldman Sachs sieht den Bankensektor von allen Seiten unter Beschuss: Der Crash der Rohstoffe, einhergehend mit einem globalen Handel, der auf das zweitniedrigste Niveau seit 1958 eingebrochen ist, die fallenden Renditekurven, faule Kredite und Einbußen im Private Banking Business mit den Großkunden.

 

Raoul Pal ist überzeugt, dass es die europäischen Banken versäumt haben, ihre Bilanzen nach der Finanzkrise aufzuräumen. Die US-Banken stünden bilanziell etwas besser da, aber auch nicht wirklich gut. Die Ansteckung aus Europa erreiche bereits die Citigroup und Bank of America, deren Aktien sich ebenso im freien Fall befinden.

 

Obwohl die Bankaktien im freien Fall sind, rät der Hedgefonds-Manager von Short-Positionen auf Bankaktien nicht ab. Die Probleme im Bankensektor hätten das Potenzial, die Risiken im Zusammenhang mit China und dem Ölpreis noch zu übertreffen, so Pal.

 

Europas Banken unter Stress – meine Einschätzung!

Der Stress für den Bankensektor kommt aus unterschiedlichen Richtungen. In Griechenland hatte sich der Börsenwert der vier großen Banken zwischen Sommer 2014 und November 2015 um durchschnittlich (!) 97% verringert. Seit Beginn des Jahres aber hat der Bankenindex in Athen nochmals 30% verloren. Dabei hatten institutionelle Investoren im November 5,3 Milliarden Euro bei Kapitalerhöhungen in diese Banken gepumpt. Schneller konnte man kaum irgendwo Geld verbrennen.

 

In Italien wurden, von der Öffentlichkeit kaum beachtet, vier Regionalbanken abgewickelt. Dabei mussten Aktionäre und Besitzer nachrangiger Bonds bluten. Mit Müh und Not gelang es Rom, die Gläubiger Erstrangiger Anleihen zu verschonen. Jedoch zu einem hohen Preis mit deftigen Abschreibungen für die Gläubiger.

 

Der nationale Abwicklungsfonds musste einspringen, dessen Mittel aber nicht ausreichten, um selbst diese vier winzigen Geldhäuser zu retten. Drei größere Institute mussten den Rest draufzahlen.

 

Diese individuellen Lösungen a‘la Rom werden künftig jedoch nicht mehr möglich sein, da seit Januar das neue, strenge Abwicklungsregime der EU auch in Italien Einzug gehalten hat. Die Rede ist von faulen Krediten über 200 Milliarden Euro, die italienische Banken in den Büchern stehen haben. Bei einer größeren Schieflage müsste Italien auch die erstrangigen Anleiheinvestoren, die fast alle im eigenen Land sitzen und zu 30% bei privaten Gläubigern liegen, zur Kasse bitten. Dieses italienische Beispiel zeigt, dass die europäische Schuldenkrise derzeit wegen der Asylkrise nur in den Hintergrund gerückt war, aber mindestens weiter genauso bedrohlich für Europa ist, wie die ungezügelte Zuwanderung in die Wohlfahrtssysteme.

 

Die beiden britischen Großbanken, Barclays Capital und RBS, sollen wiederum erhebliche Kreditrisiken in China eingegangen sein, sind aber gleichzeitig mit dem europäischen Bankensektor vernetzt.

www.investman.de

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