Russlands Premier warnt vor neuem Weltkrieg. Dmitri Medwedjew lehnt ausländische Bodentruppen in Syrien strikt ab. "Dort kämpfen alle gegen alle“. - Eine Auseinandersetzung auf syrischem Boden führt zwangsläufig zu einer Konfrontation USA gegen Russland. - Attacke auf Merkels Flüchtlingspolitik.
Russland lehnt die von einigen arabischen Staaten geforderte Entsendung von ausländischen Bodentruppen nach Syrien entschieden ab. Der russische Premierminister Dmitri Medwedjew warnte für diesen Fall sogar vor einem „neuen Weltkrieg“, sagte in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ (Freitagausgabe).
Stattdessen müssten jetzt vor allem Amerikaner und Russen massiv Druck auf alle Kriegsparteien ausüben, um eine Verhandlungslösung für einen Waffenstillstand in Syrien zu erreichen. Am Donnerstagabend kam in München die Syrien-Kontaktgruppe zusammen, um nach einer Lösung nach der Vertagung der Genfer Gespräche zu suchen.
Medwedjew warnte indes eindringlich: „Die Amerikaner und unsere arabischen Partner müssen es sich gut überlegen: Wollen sie einen permanenten Krieg?“, sagte der russische Regierungschef dem „Handelsblatt“.
Ein solcher Krieg sei nicht schnell zu gewinnen, „so etwas ist jedoch unmöglich, besonders in der arabischen Welt. Dort kämpfen alle gegen alle“, sagte Medwedjew, der die russische Delegation auf der Münchner Sicherheitskonferenz an diesem Wochenende anführt.
Vor allem Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten zum Einsatz von Bodentruppen aufgerufen und dazu die USA um eine Führungsrolle gebeten. Die arabischen Golfstaaten wollen so der von russischen Kampfjets begleiteten Bodenoffensive des syrischen Führers Bashar al-Assad entgegentreten und den sogenannten „Islamischen Staat“ bekämpfen.
Russland attackiert Merkels Flüchtlingspolitik
Der russische Regierungschef Dmitri Medwedjew macht in der Flüchtlingskrise Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Europäischen Union schwere Vorwürfe. „Die europäische Migrationspolitik ist völlig gescheitert. Alles ist ganz furchtbar“, sagte Premierminister Dmitri Medwedjew dem „Handelsblatt“ (Freitagsausgabe).
Es sei doch „einfach dumm, die europäischen Türen breit zu öffnen und alle einzuladen, die zu euch kommen wollten“, kritisierte Moskaus Premier. Im Gegensatz zum friedlichen Zusammenleben von Muslimen und Christen in Russland sei diese Integration in Europa gescheitert.
Zudem sei es nach Aussage Medwedjews ein völlig unkalkulierbares Sicherheitsrisiko, Hunderttausende Flüchtlinge weitgehend unkontrolliert durch die EU wandern zu lassen.
Viele Flüchtlinge kämen wegen der hohen Unterstützungszahlungen nach Deutschland, andere als Terroristen, sagte Medwedjew. Denn unter den Kriegsflüchtlingen seien auch „Hunderte oder sogar Tausende Schurken“, die Zeitbomben seien. „Und jetzt warten sie, dass sie angerufen werden, und handeln dann wie Roboter“, warnte der russische Regierungschef. Es ist „fast unmöglich“, diese Terroristen unter der Masse der Flüchtenden zu identifizieren.
Russland führe auch deshalb einen Luftkrieg in Syrien, damit nicht „irgendwann zombierte Killer nach Moskau oder in andere Städte zurückkehren“ und dort Anschläge verübten. Vor diesem Hintergrund rief Medwedjew im „Handelsblatt“ im Vorfeld der Münchener Sicherheitstagung zu einer engen Kooperation zwischen Russland und dem Westen in Sicherheits- und Terrorfragen auf.



