Böhmermann auf allen Kanälen. Auch die Stammtischdiskussionen werden von dem angeblichen Satiriker bestimmt. Man kann es schon nicht mehr hören: im Internet gibt es jetzt erste Bemühungen, Böhmermann-freie Zonen einzurichten.
Spiegel-Morgenlage schreibt:
Böhmermann und kein Ende: Während auf Twitter schon die ersten Bitten um eine Berichterstattungspause kursieren (#boehmerfrei), grübelt Angela Merkel immer noch darüber nach, ob sie dem Begehren des türkischen Präsidenten nachgeben soll, den Satiriker vor Gericht zu stellen. "Die Bundesregierung drückt sich nicht um eine Entscheidung", sagte Merkels Steffen Seibert gestern. Entschieden wurde bisher allerdings noch nichts. Was irgendwie seltsam ist. Denn wenn die Regierung findet, dass Böhmermanns Schmähgedicht "bewusst verletzend" war, wie Seibert selbst gesagt hatte: Warum sollte dann nicht die Justiz feststellen dürfen, ob Erdogan beleidigt wurde?
SZ: Böhmermann will keine Unterlassungserklärung abgeben
Der ZDF-Moderator Jan Böhmermann wird wegen seines umstrittenen "Schmähgedichts" über den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan offenbar keine Unterlassungserklärung abgeben. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung".
Es sei "offensichtlich übersehen worden, dass das Gedicht nicht solitär verbreitet wurde, sondern in einer Gesamtdarstellung über das, was in Deutschland erlaubt ist und was nicht", zitiert die Zeitung aus einer Mitteilung von Böhmermanns Anwalt an die Anwälte Erdogans. Erst am Montag war bekannt geworden, dass der türkische Staatspräsident Erdogan persönlich Strafantrag wegen Beleidigung gegen Böhmermann gestellt hatte.
Dabei geht es um eine Sendung, in der Böhmermann in einem etwa sechsminütigen Sketch mit dem Satiriker Ralf Kabelka zunächst den Unterschied zwischen in Deutschland erlaubter Satire und unerlaubter Schmähkritik diskutiert und zur Anschauung schließlich ein knapp einminütiges "Schmähgedicht" vorträgt.
In diesem wird der türkische Staatspräsident unter anderem als homosexuell und pädophil bezeichnet. Gleichzeitig werden türkische Untertitel gezeigt. Anlass dafür war, dass die türkische Regierung zuvor über Diplomatenkreise darum gebeten hatte, einen satirischen und Erdogan-kritischen Beitrag des NDR-Magazins "Extra 3" verbieten zu lassen, was seitens der Bundesregierung jedoch mit Verweis auf die Pressefreiheit zurückgewiesen wurde.



