Obwohl es erwiesen ist, dass man nachhaltiges Wachstum nicht herbeidrucken kann, wurde in Europa die Gelddruckmaschinerie unter Volldampf gesetzt. In Japan erfolglos seit Anfang der 90er Jahre, in den USA verstärkt seit der Finanzkrise in 2008.
Von Rolf Ehlhardt
Basis allen Übels im Finanzsystem ist die Überschuldung vieler westlicher Staaten. Missstände wurden nicht durch nachhaltige Reformen eliminiert. Da Ausgabenkürzungen nicht zu den Stärken der Politiker zählen, Steuererhöhungen Wählerstimmen kosten und dem gewünschten Wachstum entgegenstehen, wurden diese Fehlerquellen einfach weiter finanziert. Dadurch steigen aber auch die Schuldenberge.
Nur durch die Niedrigzinspolitik lassen sie sich in vielen Ländern noch refinanzieren. Steigen irgendwann die Zinsen oder kommt es zu Mindereinnahmen bei den Steuern, erhöhen sich die Zinsausgaben für die Kredite wieder, und werden relativ schnell einen ungewünscht hohen Anteil der Steuereinnahmen verbrauchen. Anstatt unpopuläre Reformen in die Wege zu leiten, heißen die Zauberwörter „Wachstum“ und „Inflation“. Und zwar mit allen Mitteln, koste es (uns) was es wolle.
Obwohl es erwiesen ist, dass man nachhaltiges Wachstum nicht herbeidrucken kann, wurde auch in Europa die Gelddruckmaschinerie unter Volldampf gesetzt. In Japan erfolglos seit Anfang der 90er Jahre, in den USA verstärkt seit der Finanzkrise in 2008.
Die Amerikaner verkaufen das daraus resultierende Wachstum von durchschnittlich etwa 3%p.a. als Erfolg (Steigerung BSP um ca. 3 Bill. seit 2008), verschweigen aber dabei, dass die Staatsschulden sich im gleichen Zeitraum von ca. 9 Bill. auf über 19 Bill. mehr als verdoppelt haben. Selbst ohne Rechenmaschine kommt man zum Resultat, dass $ 100 Mehrschulden nur $ 30 Wachstum generiert haben. Auch Nicht-Volkswirtschaftlern muss klar sein: Dieses „Erfolgsrezept“ ist endlich. Aus dem Zusammenhang gerissen, führten die Wachstumszahlen (sachlich korrekt) zu der gewünscht falschen Meinung: Es geht uns gut. Die Notenbanken haben alles im Griff.
Heute weiß man: Das Gelddrucken war erfolglos. Allerdings mit der Hinterlassenschaft eines noch höheren Schuldenberges. So werden Staaten weiter finanziert, die sogar von dem gutgläubigsten Bänker kein Geld mehr bekämen. Allen Entscheidungsträgern ist klar: Bei „normalen“ Zinsen ist diese Strategie für immer mehr Staaten nicht mehr tragbar. So heißt die neue Lösung (letzter Strohhalm?): Minuszinsen!
Ein kleiner Ausflug in die Volks- bzw. Finanzwirtschaft: Wer einem anderen Geld leiht, geht ein Risiko (Rückzahlung) ein. Dieses Risiko wird mit Zinsen bezahlt. Je höher das Risiko (Bonitätseinstufung), je höher der Zins. Wenn ich aber heute Geld zahlen muss, um Risiken eingehen zu dürfen, dann ist das für mich nur pervers.
Dass diese Notenbankpolitik verbotene Staatenfinanzierung und Manipulation der Zinsen darstellt, soll hier nur am Rande erwähnt werden. Juristisch umgeleitet über Fonds mit verschiedenen Abkürzungen, deren Namen und Inhalt die meisten Politiker nicht kennen. Die Haftungsgröße wird uns bewusst verschwiegen. Seit 2008 wurden weltweit über 12 Billionen in die Märkte gepumpt. Aktuell sind es 200 Mrd. monatlich.
Ein solches Erfolgloskonzept so beherzt und konsequent weiterzuführen, da versteht man Ökonomen, die die Grenzen zum Schwachsinn schon überschritten sehen. Wie schrieben einige Graffiti-Protestler bei Eröffnung der EZB-Zentrale 2015 in Frankfurt: Krank, kränker ..Notenbänker. Auch Gabor Steingart (Handelsblatt)formuliert sarkastisch: Das exzessive Schuldenmachen ist eine Geisteskrankheit, die man für deren Therapie hält.
Nachdem besonders wir Deutsche zur Sparsamkeit erzogen wurden, wird der Sparer heute mit Minuszinsen bestraft! Mit allen negativen Auswirkungen auf Sparer, Lebensversicherungen, Stiftungen, Pensionsfonds, Altersvorsorge. Selbst das Geschäftsmodell der viel gescholtenen Banken wankt. Auch, weil dem Willen der Notenbanken (mehr Kreditvergabe) die Gesetze aus Brüssel (Basel 1,2,3) entgegenstehen. So floss die Geldflut nicht in die Realwirtschaft, sondern in die Finanzwirtschaft. Aber dort findet schlechter Kapitalismus statt (IWF: Deutsche Bank AG eine der gefährlichsten Banken der Welt). Bei Profit sind nur wenige begünstigt. Für Verluste haften Anleger und Steuerzahler.
Der Privatanleger ist jetzt in dem Dilemma, entweder sein Kapital über die Kaufkraftentwertung langsam zu verlieren oder sein Geld entgegen seiner Risikoeinstellung volatil anzulegen. Besonders der globale Derivatemarkt mit einem unfassbaren Volumen von etwa 750 Bill. könnte selbst bei gut gemeinten Entscheidungen der Eliten ungeahnte Schwankungen auslösen, bis hin zum System-Crash. Wer auch noch über Helikoptergeld oder Bargeldverbot nachdenkt sollte wissen, dass unser Geldsystem nur so lange funktioniert, so lange der Glaube an die Einlösung der vielen bunten Geldscheine noch existiert.
Als Haarspalterei erscheint heute die Aussage, der Kunde hat kein Guthaben bei seiner Bank, sondern er gibt ihr Kredit. Aber vielleicht werden so die möglichen Auswirkungen der „Bail-in-Gesetze“ dem Anleger etwas klarer. Der Kunde haftet mit seinem Guthaben für seine Bank und muss für diese Risikoübernahme auch noch Zinsen zahlen. Über 3 Bill. Kundeneinlagen stehen dann im Feuer. Die Politik der heutigen Entscheidungsträger stellt also eine reale Gefahr für das Geldvermögen dar. Sie haben uns auch in eine Situation manövriert, in der die Umkehr von der Minuszinspolitik fast so risikoreich geworden ist, wie deren Fortführung.
Die bequemste Lösung erscheint die Inflationierung. Wir leben daher mit der Gefahr, dass die globale Notenbankpolitik irgendwann „Erfolg“ hat. So könnten zum Beispiel weiter steigende Rohstoffpreise ein Auslöser für steigende Inflation sein. Oder wenn das Vertrauen in „Geld“ verloren geht. Eine Begrenzung der Inflationsraten bei 2% wird sich als „Fata Morgana“ erweisen, da adäquate Zinserhöhungen zur Bekämpfung der Inflation zum Kollaps der Märkte und der Staatsfinanzen führen würden. Inflation ist wie ein Supertanker: langsam, schwer zu lenken, aber mal in Fahrt, noch schwerer zu stoppen. Ohne Bremsen (Zinserhöhungen) schon mal gar nicht.
Vor diesem Hintergrund erscheint eine ausgewogene, individuelle Diversifikation der Vermögen in Liquidität, selbstgenutzter Immobilie, Substanz- und Dividenden starker Aktien sowie Edelmetallen (auch physisch)die größte Chance zu haben, in diesem Umfeld einigermaßen zu bestehen.



