Wer die Pressemeldungen aufmerksam verfolgt, der könnte den Eindruck bekommen: „Wir“ werden auf die Bargeldeinschränkung vorbereitet. Gerne werden irreführende Argumente vorgeschoben. - Große Demo in Frankfurt am 22. Oktober.
Von Rolf Ehlhardt
Wer die Pressemeldungen aufmerksam verfolgt, der könnte den Eindruck bekommen: „Wir“ werden auf die Bargeldeinschränkung vorbereitet. Ob beim Treffen der Zentralbänker in Jackson Hole, ob Harvard-Professor Marvin Goodfriend oder der Deutsche Bank-Chef John Cryan. Alle prophezeien die Abschaffung. Die Finanzminister von Bund und Bundesländer denken positiv darüber nach. Selbst die Begrenzung von € 5.000,- sehen viele nur als Einstieg zum Ausstieg.
Gerne werden irreführende Argumente vorgeschoben, wie die Bekämpfung von Kriminalität, Prostitution, Steuerhinterziehung, Geldwäsche, Korruption oder gar Terrorismus. Die Finanzinstitute machen Bargeldgeschäfte über hohe Gebühren unattraktiv (für eine Bargeldeinzahlung von € 100,- wurden mir € 2,50 abgebucht = 2,5%). Vielleicht nehmen sie auch bald 5% Abhebegebühren. Der wahre Grund der Bargelddiskussion: Verhinderung eines Banken-Run.
Vor politischen Entscheidungen werden gerne „unabhängige“ (wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe) Gesellschaften oder Universitäten mit Studien beauftragt. So ist es nicht verwunderlich, dass der mit der Studie (Dunkelfeldstudie) beauftragte Prof. Kai Bussmann die Geldwäsche mit 100 Milliarden jährlich errechnet (und als Fazit die Einschränkung des Bargeldverkehrs empfiehlt), während dein Pendant aus Linz, Prof. Friedrich Schneider von höchstens 20-26 Mrd. ausgeht und die Berechnungen seines Konkurrenten (?!) als mathematisch falsch und grob unwissenschaftlich betitelt. Er gipfelte sogar mit der Aussage, dass mit Koffern voller Cash nur noch im „Tatort“ Geldwäsche betrieben werde.
Viele Gegner reden gerne von Verlust der Freiheit. Auch das erscheint mir überzogen. Mir persönlich ist es total egal, ob Herr Schäuble (falls es ihn interessiert) erfahren kann, ob ich bei Burger King oder bei Mc Donald´s gegessen habe (tue beides nicht), oder wo ich mein letztes Business-Hemd gekauft habe. Anschaffungen über € 15.000,- werden sowieso gemeldet. Die einzige, aber gruseligste Ahnung macht mir Angst. Ich kann auf Willkür von Staat (z.B. Steuern) oder Kreditinstitut (Gebühren) nicht mit mehr mit der Abhebung meines Geldes reagieren (wenn´s alle tun = Banken-Run).
Die Kritiker sehen in der Null-Zins-Politik der Notenbanken eine der Ursachen dieser Diskussion. Die Stimmen werden immer lauter: Redakteure wie Marc Friedrich, Matthias Weik, Claus Vogt, Michael Mross, Vermögensverwalter wie Gottfried Heller oder Thorsten Schulte und auch verschiedene Volkswirte murren. Der bekannteste dürfte Prof. Hans-Werner Sinn sein. Sie alle kritisieren scharf, eine nachweisbar erfolglose Geldpolitik fortzusetzen.
Radikalere Meinungen sprechen von Schwachsinn und Sturheit. Verschwörungstheoretiker sogar von bewusster Vernichtung von Vermögen und des Mittelstandes oder der geplanten Schwächung Deutschlands. Es mag an allen Aussagen auch ein bisschen Wahrheit dabei sein. Ein wichtiges Argument hört man kaum: Nullzinsen bedeutet die Entschärfung des Zinses-Zins-Effektes.
Der Anleger „liebt“ den Zinses-Zins, der Schuldner „hasst“ ihn. Für Staaten die an oder schon über der 100-Prozent-Schwelle (Schulden vs. BSP) liegen, ist bei „normalen“ Zinsen das Konkursjahr fast errechenbar, weil die Zinsen-Zinsen aus den Altschulden einen immer größeren Teil der Steuereinnahmen auffressen und daraus automatisch eine noch höhere Neuverschuldung resultiert, die zu noch höheren Zinsausgaben führen. Bis zur bitteren Neige.
Den Notenbankern ist klar: Keine Zinsen-Zinsen, dann sind höhere Schuldenberge besser verkraftbar, das Finanzsystem längere Zeit aufrecht zu erhalten. Damit erübrigt sich auch die Diskussion um eine mögliche Zinswende (kleinste Erhöhungen sind denkbar). Nur noch die Höhe der Minuszinsen wird „fachmännisch“ besprochen. Da geht auch eine kaputte Uhr 2 mal am Tag richtig.
Für den Anleger eine schmerzliche, aber eindeutige Gewissheit. Er kann darauf reagieren. Alle Marktteilnehmer gehen von weiterhin niedrigen Zinsen aus. Notfalls werden die Notenbanken ihre Anleihekäufe erhöhen. Der Pferdefuß dieser Schadensverlängerung ist die fatale Tatsache: Die Politiker nutzen nicht die Zeit, die ihnen von den Notenbanken beschafft wird, zu nachhaltigen Reformen. Die Missstände werden weiter finanziert, kostet ja nichts.
Aber wie reagieren die Rentenmärkte, wenn die Inflationspolitik der Notenbanken plötzlich „Erfolg“ hat, z.B. weil die Rohstoffpreise weiter steigen? Alle Marktteilnehmer erkennen ihren Irrtum und damit ihr Verlustrisiko. Sie erkennen die steigenden negativen Realzinsen, d.h. Geldwertverluste. Alle wollen plötzlich verkaufen. Wenn dann am Rentenmarkt Verkaufspanik ausbricht, sind die 200 Mrd., die die Notenbanken derzeit monatlich in die Märkte pumpen, der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Denn alle wollen durch das Nadelöhr. Ob diese Situation beherrschbar wäre?
Auf die Prognose, wie die gesamten Kapitalmärkte darauf reagieren könnten, verzichte ich. Sonst werde ich vielleicht auch zu den Verschwörungstheoretikern gezählt. Aber eventuell landet man besser bei diesen, als zu denen zu zählen, die alles kritiklos akzeptieren, nach dem (Kölner) Motto „es ist schon immer gut gegangen“. Aber der falsche Weg bleibt der falsche Weg, auch dann, wenn er mit besten Absichten beschritten wurde.
Aufruf - Demo in Frankfurt:
Kommen Sie am Samstag, 22. Oktober um 14 Uhr zur Frankfurter Hauptwache. Zeigen Sie Flagge für die Freiheit - gegen Bargeldverbot!
Gemeinsam mit dem Verein Pro Bargeld e.V. laden wir alle Freunde des Bargelds und der Freiheit ein, mit uns gemeinsam ab 14:00 für den Erhalt des Bargelds einzustehen. Als Redner werden unter anderem Prof. Joachim Starbatty (MdEP), der Münchner Vermögensverwalter Gottfried Heller sowie Thorsten Schulte (Pro Bargeld e.V.) und Dagmar Metzger (Stop Bargeldverbot!) auftreten. Kommen Sie zahlreich und unterstützen Sie uns lautstark in unserem Bestreben, das Bargeld und damit die Freiheit dauerhaft zu erhalten.



