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Nach US-Wahl: Ökonomen prognostizieren Weltuntergang

Medien, EU-Politiker schockiert von US-Wahl. Ökonomen malen Horrorszenarien und warnen vor wirtschaftlichen Folgen von Trumps Politik: Parallelen zu den Dreißigerjahren.

 

Führende Ökonomen aus Deutschland reagieren erschrocken auf den Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl.

 

Die Wirtschaftswelt würde einen unberechenbaren US-Präsidenten wie Trump schlecht vertragen, prognostizierte "Die Welt" in einem Horror-Szenario noch am Abend der US-Wahl. Die Finanzmärkte würden abstürzen, die globale Ökonomie langsamer wachsen, zudem drohen Handelskriege. Bricht man all das herunter, rechnet man Deutschlands Wohlstandsverluste durch einen Präsidenten Trump auf die Bürger um, büßt jeder Deutsche am Ende fast 35.000 Euro ein - unkte "Die Welt".

 

Deutsche Ökonomen überbieten sich derweil in Untergangasszenarien. Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower (den bisher kaum jemand kannte, aber plötzlich in allen Gazetten zitiert wird wegen seiner Trump-Horrorszenarien), fürchtet schwere ökonomische Konsequenzen, sollte der künftige US-Präsident Donald Trump wie angekündigt eine protektionistische Politik umsetzen.

 

Der Ökomom warnt, dass Trumps Sieg weltweit und vor allem in den USA Wohlstand vernichten wird: "In Zeiten wachsender globaler Unsicherheit ist Trumps Wahlsieg ein weiterer, großer destabilisierender Faktor" sagte Snower der "Welt" (Donnerstagsausgabe). "Vor allem in ökonomischen Fragen hat Trump längst überwunden geglaubte Handelsbarrieren als neue Ideen für amerikanischen Wohlstand verkauft. Das Gegenteil wird passieren, wenn Trump seine Ankündigung von Zöllen, unbezahlbaren Subventionen und einem abgeschotteten Binnenmarkt wahr macht. Amerika wird ärmer werden, der weltweite Wohlstand durch weniger Handel zurückgehen."

 

Entscheidend sei, ob Trump es schaffen werde, seine Ankündigungen auch umzusetzen, sagte Snower. "Viele seiner Aussagen im Wahlkampf waren Kampfansagen an Grundprinzipien der globalen Ordnung, den Freihandel und die offene Gesellschaft. Die spannende Frage wird nun, wie viele dieser Aussagen er in praktische Politik umsetzen will und kann."


„Das ist schlecht für Europa und Deutschland“, sagte Snower auch dem SPIEGEL. „Amerika zieht sich zurück - nicht nur aus der Weltwirtschaft, sondern auch aus der internationalen Politik. Die liberale Weltordnung ist infrage gestellt.“ Dies bedeute große politische Instabilität, sagte Snower.

Der in Deutschland lebende Ökonom mit amerikanischer Staatsbürgerschaft sieht sogar Parallelen zu den Dreißigerjahren. Das Schlimmste sei, dass Amerika den „Pfad des Konflikts“ betreten habe. „Das führt zu nichts Gutem“, sagte Snower. „Man kennt das aus den Dreißigerjahren. Da hat man sich oft gefragt, wie zivilisierte Länder so konfliktorientiert sein können.“

 

Michael Hüther, der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln), erwartet nicht, dass wirtschaftlich benachteiligte Bevölkerungsgruppen von Trumps Wirtschaftspolitik profitieren werden: "Innenpolitisch steht Trump vor der Herausforderungen, die trotz wirtschaftlicher Erholung und starkem Beschäftigungsaufbau in der Obama-Ära immer stärkere regionale und soziale Spaltung zu überwinden. Seine kruden wirtschaftspolitischen Vorschläge lassen dafür nichts erwarten. Hier wird er aber liefern müssen, um die Enttäuschung der Enttäuschten und die Angst der Verängstigten nicht noch weiter zu treiben."


Für die internationale Wirtschaftspolitik der USA sieht Hüther schwarz: "Die politische Agenda lässt unberechenbare diplomatische Konflikte statt Kooperation realistisch erscheinen", sagte Hüther der Zeitung. "Die Weltordnung, sofern man überhaupt noch davon sprechen kann, steht vor dem Risiko einer unabsehbaren Instabilität. Deutschland muss selbstbewusst seinen Weg gehen und Europa muss umso mehr zu einer gemeinsamen Linie finden. Das ist nun wirklich ohne jede attraktive Alternative", mahnt der Ökonom.

 

Der Spitzenökonom Thomas Straubhaar rechnet mit schwerwiegenden Folgen des Wahlsiegs für die internationalen Partner der USA, insbesondere für das künftige Verhältnis zwischen den Europa und den Vereinigten Staaten. "Wer so, wie der neue Präsident mit seinem politischen Gegner umgeht, wird nicht die geringsten Skrupel haben, seine nationalen Interessen gegenüber Europa oder der übrigen Welt rücksichtslos durchzusetzen", sagte der ehemalige Präsident des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts der Zeitung.

 

"Das ist die Botschaft Amerikas, die in der Weltwirtschaft hängenbleibt. Sie muss gerade die europäischen Verbündeten der USA erschrecken." Dort wo die USA sich außenpolitisch engagiere, werde sie kaum konstruktiv agieren, prophezeit Straubhaar. "Angesichts der inneren Zerrissenheit sind Kompromisse oder gar Kooperation nicht zu erwarten. Eher Blockaden und Konflikte."

 

Europa und Deutschland könnten bei der Lösung ihrer Probleme nicht mehr auf die Unterstützung Amerikas setzen. "Kurzfristige nationale Interessen werden langfristige globale Strategien dominieren. Protektionismus wird vor Freihandel kommen. Keine gute Nachricht für die Welthandelsorganisation, die internationale Arbeitsteilung, eine globale Migrationspolitik und die Handlungsspielräume kleiner Volkswirtschaften, die gegen die Macht der Stärkeren auf verlorenem Posten stehen."

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