In vielen Städten kam es nach dem Berlin-Anschlag zu Demonstrationen. Nicht gegen den islamistischen Terror, sondern gegen Rechts.
Von Henryk M. Broder
48 Stunden nach dem Vorfall am Breitscheidplatz, der leider doch nicht, wie viele gehofft hatten, ein Unfall war, demonstrieren einige Hundert Gemütsberliner an der Stelle, wo 12 Menschen von einem Laster umgenietet wurden. Wofür oder wogegen demonstrieren sie? Özcan Mutlu, Bundestagsabgeordneter der Grünen, sagt es, nein, er brüllt es in Mikrofon: „Wir wollen hier ein Zeichen setzen, wir wollen zeigen, dass wir Berlin, den Hardenbergplatz, den Breitscheidplatz und unser Land nicht den Nazis überlassen werden!" Die Tagesschau berichtet hier ab 15:55.
Von Michael Klonovskys
Was macht der brave Deutsche drei Tage, nachdem ein islamischer Radikaler bei einem Anschlag 12 Menschen getötet hat? Geht er auf die Straße gegen mörderischen religiösen Fanatismus? Aber wo! Er kämpft gegen "rechts".
Das hat er schon oft geübt, etwa zu Kirchweyhe, wo dieses noble Zeichen gesetzt wurde, nachdem ein Türkischstämmiger einen Deutschen totgeprügelt hatte und "Nazis" am Tatort trauern wollten, oder in Garbsen, wo Jugendbanden mit dem berühmten edlen Hintergrund die Einwohner auf die bunteste Art und Weise, unter anderem durch Brandstiftungen, tyrannisieren und eines Tages auch eine Kirche angezündet wurde.
Die Initiative "München ist bunt" – hier wieder nur als pars pro toto für mutmaßlich Dutzende vergleichbare Kaspereien erwähnt – ruft heute Abend zum "Zusammenstehen" bzw. zusammen Herumstehen "gegen nationalistische Populisten, Angstmacher und Hetzer".
Warum? Die Antwort ist erschütternd simpel (wenn wir vom knalldeutschen Fundamentalismus bis in die Kataklysmen des Endsieges und noch darüber hinaus absehen, der wahrscheinlich in einem tendenziell suizidären Defekt des Nationalcharakters gründet): Von "rechts" droht den Demonstranten keinerlei Gefahr. Nichts ist wohlfeiler, als ein paar Parolen gegen die schlimmen Rechtspopulisten zu skandieren und dann mit einem guten Gefühl heimzugehen.
Es kostet nicht das Geringste und befriedigt schlichte Gemüter zuverlässlich. Eine Kundgebung gegen den radikalen Islam indes könnte den einen oder anderen virilen Kontrahenten auf den Plan rufen. Und darauf sind unsere effeminierten und durchpazifizierten Aktivisten nicht eingerichtet.
Nie würden sie gegen den islamischen Terror, gegen Salafisten und Wahabiten auf die Straße gehen oder auch nur in Berlin-Neukölln, Bonn Bad Godesberg, Essen oder Duisburg-Marxloh für die Menschrechte in Saudi-Arabien und im Iran oder für Frauenrechte, die Schwulenehe und andere linke Lieblingsthemen demonstrieren. Es sind Wichtel, die sich wohlfühlen wollen, ihr ganzer "Kampf gegen rechts" ist Bestandteil eines Wellnessprogrammes und wenig außerdem.
Feigheit ist der Universalschlüssel zu den Narreteien dieser sturmreifen Zivilgesellschaft. Es ist schwer, der Versuchnung zu widerstehen, ihnen allen erdenklichen Erfolg zu wünschen.



