Wer heutzutage eine andere Meinung als der Mainstream vertritt, hat es schwer. Über Roland Tichy, Ex-Chefradakteur der Wirtschaftswoche, ist nun ein Shitstorm ausgebrochen - wegen seines privaten Blogs. Auslöser ist ein Kreativdirektor bei der Berliner Social Media-Agentur TLGG. Xing-Mitglieder drohen mit Kündigung.
Ungewohnte Entrüstung über Xing: Das Hamburger Business-Netzwerk ist in den sozialen Medien wegen seines News-Herausgebers Roland Tichy unter Druck geraten. Twitter-Nutzer stören sich an Tichys eigenem Blog-Angebot "Tichys Einblick", das als "liberal-konservatives Meinungsmagazin" immer wieder politische Entwicklungen kontrovers kommentiert.
Zahlreiche Xing-Nutzer machen auf Twitter ihrem Ärger über Tichys politische Position Luft und kündigen Xing-Mitgliedschaften.
Den Stein ins Rollen brachte Mathias Richel, Kreativdirektor bei der Berliner Social Media-Agentur TLGG, der mit einem Facebook-Post und Tweet Tichys Blog kritisierte.
Die Kritik entzündete sich an dem Beitrag „Warum Sie mit psychopathologisch gestörten Gutmenschen nicht diskutieren sollten“, der vom Autor Jürgen Fritz verfasst wurde und am Freitag erschienen war. Dort bezeichnete Fritz „grün-linke Gutmenschen“ als „geistig-psychisch krank“.
Der Beitrag wurde inzwischen gelöscht.
Roland Tichy in einer Stellungnahme:
Am Wochenende hat eine Kampagne gegen mich und meine publizistischen Aktivitäten einen weiteren Höhepunkt erreicht. Die Kritik entzündet sich an einem Text, der auf Tichys Einblick erschienen ist. Er hätte nicht erscheinen dürfen, deshalb habe ich ihn vom Blog entfernt und mich für den Fehler entschuldigt. Das hat aber nicht zur Ruhe geführt. Stattdessen erhielt ich Morddrohungen.
Des weiteren startete eine massive Kampagne gegen XING. Das kann ich nicht akzeptieren und gutheißen. Ich habe mit viel Engagement und Herzblut als Herausgeber von XING News gearbeitet und das Produkt mit aufgebaut. Die Vielzahl und die Breite des Spektrums der abgebildeten Meinungen bei XING Klartext haben gezeigt, dass es zu keinem Zeitpunkt zu inhaltlichen Überschneidungen gekommen ist. Klartext, die Firma XING und seine Mitarbeiter sind mir ans Herz gewachsen. Ihnen zuliebe trete ich mit sofortiger Wirkung vom Posten des Herausgebers zurück.
Wo ein Ende ist, ist auch ein Anfang. Mit XING Klartext und Tichys Einblick haben sich zeitgleich zwei sehr erfolgreiche Internetmarken entwickelt. Ich werde mich in Zukunft auf Tichys Einblick konzentrieren und dazu beitragen, dass Heft und Internet-Magazin weiter schnell wachsen. Deutschland braucht auch und gerade im Jahr des Bundestagswahlkampfs kritische und mutige Stimmen.



