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Abschied von der heilen Welt, die gar keine ist

Liebe Leser,

Erinnern Sie sich noch an die letzten Monate der Präsidentschaft von Jimmy Carter? In Teheran wurde die US-Botschaft von „Studenten“ gestürmt und der Ölpreis stieg auf atemberaubende 40 US-Dollar je Barrel. Die Preise für Silber und Gold explodierten und US-Notenbankchef Paul Volcker bekämpfte die Inflation, indem er den Zinssatz zeitweise bis auf 20 Prozent anhob. Für die Wirtschaft waren die Verteuerung des Geldes und des Erdöls 1980 Gift. Sie glitt schnell in eine neue Krise ab, die mit dazu beitrug, dem US-Präsidenten bei der nächsten Wahl sein Amt zu kosten. Das hohe Zinsniveau begünstigte die Sparer und bremste die Investitionen. Trotzdem dauerte es nicht mehr lange, bis die Aktienbörsen zu einem Aufschwung ansetzten, der fast 20 Jahre andauern und erst zur Jahrtausendwende enden sollte. Von einer derart konstanten Hausse träumen die Anleger auch heute wieder. Die Frage ist jedoch, ob diese Hoffnungen berechtigt sind.

Unterschiedlicher könnten die Ausgangslagen kaum sein

Vom hohen Zinsniveau der damaligen Zeit konnte die Reise nur abwärts erfolgen. Eine weitere Steigerung war kaum möglich. Gleiches galt im Grunde auch für den Ölpreis. Für ihn galt, was auch für andere Rohstoffe und Anlageformen gilt: Irgendwann gewöhnen sich die Anleger an die Schocknachrichten und der Schrecken verliert seine Wirkung. Die Kombination aus fallendem Ölpreis und sinkenden Zinsen hat zu Beginn der 1980er Jahre sicher viel dazu beigetragen, jenen Aufschwung zu erzeugen, an den die Anleger auch heute noch gerne zurückdenken. Eine Wiederholung wäre sicher sehr wünschenswert, aber der Startzeitpunkt könnte kaum ungünstiger gewählt sein. Nach seinem jüngsten Anstieg notiert der Ölpreis wieder im Bereich von 50 bis 55 US-Dollar je Fass. Das Öl ist damit nicht mehr ganz so günstig wie noch zu Beginn des Jahres 2016, aber immer noch deutlich preiswerter als auf dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise, als von den Verbrauchern noch Preise im dreistelligen Bereich zu zahlen waren. Auch die Zinsen steigen langsam wieder, aber sie sind im langjährigen Vergleich immer noch ausgesprochen niedrig. Von den hohen Zinsniveaus der frühen 1980er Jahre trennen uns Welten und Kredite zu den heutigen Konditionen hätte man damals mit Sicherheit als ein Geschenk des Himmels betrachtet.

Man verkauft uns den Abgrund als Paradies

Das Zinsniveau ist weiterhin niedrig und das wichtige Öl bekommt man auch noch zu günstigen Konditionen und trotzdem will die Wirtschaft nicht so recht ins Laufen kommen. Noch läuft sie, aber gemessen an dem, was möglich wäre, ist das Tempo, mit dem wir unterwegs sind, vergleichsweise bescheiden. Nicht nur die Geschwindigkeit und die Dynamik des Aufschwungs lassen nach. Es mehren sich insgesamt die Zeichen dafür, dass es zu einer Wende kommt. Der Welthandel schrumpft und das täte er nicht, wenn überall in der Welt weiter fleißig gekauft und produziert würde. Man kann Währungen künstlich schwächen und damit die Aktienkurse stützen, indem man die Märkte mit billigem Geld flutet. Oberflächlich sieht dann alles bestens aus. Die steigenden Kurse können aber nicht ewig verdecken, dass die Schiffe, die in den Häfen festmachen, weniger Container geladen haben oder immer seltener am Kai festmachen. Auf jeden noch so schönen Sommer folgen früher oder später Herbst und Winter und jeder Aufschwung wird sich irgendwann einmal abschwächen. In der folgenden Krise wird sich zeigen, welche zuvor aufgebaute Produktion wirklich benötigt wird und welche nicht. Sich diesem natürlichen Prozess entgegenstellen zu wollen, kann dauerhaft nicht funktionieren. Der Versuch wird ebenso scheitern wie das Bemühen, den kommenden Winter nur mit T-Shirt und kurzer Hose überstehen zu wollen.

Ein Gastbeitrag von Dr. Bernd Heim.

Herzliche Grüße

Ihr Robert Sasse

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