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Commerzbank: Gefahr im Verzug?

Lieber Leser,

die Commerzbank-Tochter comdirect hat in diesen Tagen starke Zahlen vorlegen können. Unter dem Strich verbesserte sich der Gewinn um mehr als 40 Prozent auf 92,5 Mio. Euro. Dabei konnte die Direktbank vor allem von Sondererträgen aus dem Verkauf der Visa Europe-Anteile profitieren. Allein hierdurch flossen dem börsennotierten Unternehmen 41 Mio. Euro zu. Anderenfalls wäre das Nettoergebnis aufgrund geringerer Zinseinkünfte zurückgegangen.

Der erzielte Gewinn wird allerdings zu großen Teilen im Unternehmen verbleiben. Nach Angaben von comdirect soll die Dividende für 2016 lediglich 25 Cent je Anteilsschein betragen. „Wir wollen uns für weiteres Wachstum aufstellen, um auch künftig reagieren zu können“, erklärte Vorstandschef Arno Walter. Auch die Eigenkapitalquote solle damit verbessert werden.

Weniger Geld für die Commerzbank

Den Dividendenschnitt bekommt vor allem die Muttergesellschaft zu spüren, die mit 81,13 Prozent an comdirect beteiligt ist. Damit werden Deutschlands zweitgrößter Bank knapp 29 Mio. Euro an Dividenden zufließen. In den beiden Jahren zuvor schüttete comdirect mit 40 Cent je Aktie noch fast den kompletten Gewinn aus. Die Commerzbank durfte sich jeweils über 46 Mio. Euro freuen.

Wie weit kann die Aktie noch laufen?

Die Commerzbank-Aktie zeigt sich davon unbeeindruckt und setzt ihre Aufwärtsrallye weiter fort. Seit Mitte Oktober verteuerte sich das Papier um knapp 50 Prozent. Zuletzt konnte die seit April 2015 vorherrschende langfristige Abwärtstrendlinie nach oben durchbrochen werden, auch dies dürfte ein weiteres Kaufsignal entfacht haben. Dennoch ist das Gros der Analysten inzwischen nicht mehr überzeugt. Zwei Kaufempfehlungen stehen sieben Verkaufsempfehlungen gegenüber, dreizehn Analysten plädieren zum Halten des Papiers.

In einer aktuellen Studie rät das Analysehaus Independent Research zum Verkauf des DAX-Titels mit einem Kursziel von 7,20 Euro. Zuvor lautete die Einstufung noch „Halten“. Analyst Markus Rießelmann wies auf die im Branchenvergleich unterdurchschnittliche Eigenkapitalrendite des Geldhauses hin. Zudem würden die verbesserten Zinsaussichten allein nicht die kräftige Kurskorrektur rechtfertigen.

Ein Gastbeitrag von Hermann Pichler.

Herzliche Grüße

Ihr Robert Sasse

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