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Auch Wahlgeschenke schützen nicht vor Altersarmut!

Lieber Investor,

so langsam klären sich die Fronten für die Bundestagswahl im September. Das Datum, an dem gewählt wird, steht nun fest, die SPD schickt einen neuen, unverbrauchten Kanzlerkandidaten ins Rennen, CDU/CSU setzen unverdrossen auf Angela Merkel und die AfD versucht einen Lagerwahlkampf amerikanischer Prägung zu führen.

Fehlt nur noch, dass irgendjemand in den kommenden Monaten eine Rentenerhöhung ins Spiel bringt, um sich in der Gruppe der älteren Bevölkerung zusätzliche Wähler für die Abstimmung am 24. September zu sichern. Ausgeschlossen ist das nicht, nützlich aber auch nicht, denn auch eine kräftige Rentenerhöhung wird das Problem der drohenden Altersarmut nicht lösen.

Die Deutsche Rentenversicherung hat in einer Stellungnahme für den Deutschen Bundestag den Hoffnungen, dass eine Erhöhung des Rentenniveaus eine sinnvolle Maßnahme zur Vermeidung von Altersarmut wäre, eine klare Absage erteilt. Die Behörde weiß, wovon sie redet, denn schließlich ist sie für rund 30 Millionen Versicherte und Rentner zuständig.

Das ergibt eine Menge Datenmaterial, aus dem sich für die Zukunft einiges ablesen lässt. Leider nicht viel Gutes. Wie die Deutsche Rentenversicherung dem Bundestag in einer Studie zur zukünftigen Rentensituation darlegte, werden rund 24 Prozent der heutigen Empfänger von Grundsicherung im Alter überhaupt keine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung beziehen. Weitere 40 Prozent der Betroffenen haben eine gesetzliche Rente von weniger als 400 Euro zu erwarten.

Von der Hand in den Mund

Mit 400 Euro pro Monat kommt man heute schon nicht weit. Und eine nur moderate Inflation von zwei Prozent pro Jahr lässt die zu erwartende Kaufkraft weiter absinken. Was passiert, wenn die Inflationsraten höher ausfallen sollten, mag man sich an dieser Stelle gar nicht erst vorstellen. Doch wo der Normalbürger sich mit Grauen abwendet, muss eine staatliche Behörde ganz genau hinsehen, wenn sichergestellt werden soll, dass die Weichen für die Zukunft richtig gestellt werden.

Aus diesem Grund schenkte die Deutsche Rentenversicherung den im Bundestag sitzenden Politikern unlängst reinen Wein ein und betonte, dass selbst eine erhebliche Erhöhung des Rentenniveaus nicht dazu führen wird, dass die Betroffenen auf ein Einkommen oberhalb des Grundsicherungsanspruchs kommen. Mit anderen Worten: Wer jetzt Hartz 4 bezieht und nicht mehr rechtzeitig in ein besseres Arbeitsverhältnis zurückfindet, der muss sich darauf einstellen, lebenslänglich Hartz 4 – oder wie immer die Grundsicherung in 20 oder 30 Jahren genannt werden wird – zu beziehen.

Ein wesentlicher Grund für diese pessimistische Einschätzung ist die Finanzierung der Rente allein aus dem Arbeitseinkommen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen Monat für Monat in die Rentenkasse ein. Das ergibt bei einem konstant durchschnittlichen Verdienst nach 45 Versicherungsjahren die sogenannte Standardrente, mit der in den Medien und in der Politik immer wieder operiert wird.

Doch welcher Arbeitnehmer kommt heute noch auf 45 Versicherungsjahre? Das setzt einen Arbeitsbeginn mit 20 und einen Rentenbeginn mit 65 voraus. Viele arbeiten gar nicht mehr solange und wer in jungen Jahren mit 19 sein Abitur gemacht hat, dann zur Bundeswehr eingezogen wurde und vielleicht anschließend studiert hat, der wird große Schwierigkeiten haben, auf 45 Versicherungsjahre zu kommen.

Die rührende Geschichte vom Durchschnittsrentner, den es so nicht mehr gibt

Hinzu kommt, dass die Arbeitsbiographien heute nicht mehr so ungebrochen sind wie noch in den 1960 und 1970er Jahren. Zeiten der Arbeitslosigkeit und Umschulung sind ebenso in den Lebensläufen zu finden, wie Auszeiten für die Kindererziehung oder bei längeren Krankheiten. All das kostet am Ende Versicherungsjahre und schmälert die zu erwartende Rente erheblich.

Das allgemeine Rentenniveau sagt somit herzlich wenig darüber aus, wie viel oder besser gesagt wie wenig Rente jeder Einzelne zu erwarten hat, weil die Erwerbsleben viel zu verschieden verlaufen sind. Das Thema Leben im Alter ist damit ein höchst individuelles und auch die am Markt für eine private Altersvorsorge vorhandenen Lösungsmöglichkeiten passen nicht in jedem Fall.

Die Notwendigkeit zur eigenen Vorsorge für einen finanziell gesicherten Lebensabend ist gegeben und sie wird auch von den meisten Deutschen klar erkannt. Allein mit der Umsetzung tun sich viele schwer. Das Deutsche Instituts für Altersvorsorge (DIA) ermittelt Jahr für Jahr in einer repräsentativen Umfrage wie ausgeprägt das Vertrauen der Deutschen in die Sicherheit der gesetzlichen, der betrieblichen und der privaten Altersvorsorge ist.

Die Zahlen für 2016 waren ernüchternd, denn das Vertrauen in die verschiedenen Rentensäulen ist auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren gesunken. 76 Prozent der Befragten befürchten, dass sie ihren heutigen Lebensstandard im Alter vermutlich nicht halten können und mit weniger Geld auskommen müssen.

Allgemeiner Handlungsbedarf

Obwohl mehr als jeder Zweite diese Befürchtung hegt, will nur gut ein Viertel der Umfrageteilnehmer in den nächsten zwölf Monaten mehr für die eigene Absicherung im Alter unternehmen. Damit nicht genug: 43 Prozent geben an, dass sie außerhalb der gesetzlichen Rente überhaupt nicht finanziell für das Alter vorsorgen.

Hier ist nicht nur dringender Handlungs- und Beratungsbedarf gegeben. Auch die Politik ist gefordert. Sie muss die Finanzierung der Rentenversicherung schleunigst von der alleinigen Fixierung auf das Arbeitseinkommen lösen und auf eine breitere Basis stellen. Das ist auch im Interesse der Wirtschaft, die die jungen Alten längst als eine interessante Zielgruppe für sich erkannt hat.

So clever und angebracht diese Geschäftsmodelle sind, sie setzen bei den Rentnern eine Kaufkraft voraus, die heute noch vorhanden ist, in Zukunft aber immer mehr schwindet. Mit der Kaufkraft dürften dann auch recht schnell die Angebote und die mit ihnen verbundenen Unternehmen und Arbeitsplätze verschwinden. Wenn das nicht geschehen soll, besteht akuter Handlungsbedarf.

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